Hamburg will sich für die Olympischen Spiele bewerben, obwohl es genügend Baustellen gibt und keine passende Infrastruktur vorhanden ist. Hauptsache, man hat ein weiteres teures Prestigeprojekt.
Von Marcel Grasnick
Vor vielen Jahren haben sich einige Herren der Stadt ein Prestigeobjekt vorgenommen, an dem sie sich knallhart verhoben hatten. Ein Millionengrab, ähnlich dem des Berliner Flughafens oder Stuttgart21. Der Umbau des Kaispeichers A zu einem Gesangshaus, zu einer Philharmonie. Nein, es gibt in Hamburg noch nicht genug Kultur, neben Oper, Operettenhaus und vielen kleinen Theatern. Sydney muss doch irgendwie zu toppen sein. Glasklar ist es dann auch bei den Baukosten gelungen. Der Bau ist noch nicht fertig, da wagt sich die Stadtführung schon an das nächste teure Projekt - als wenn die Hansestadt finanziell so noch nicht genug finanziell ruiniert wäre. Olympia muss her.
Olympia in einer Stadt ohne entsprechende Infrastruktur. Herrlich, was für ein Spektakel. Das heißt dann, von der Stadt wird ein neues Olympisches Dorf gebaut und nach den Spielen wieder verkauft - so ist jedenfalls der Plan. Und natürlich rechnet der Senat sehr optimistisch wie bei allen anderen Großprojekten mit den Finanzen der Einwohner. Das Millionengrab der Elbphilharmonie, der Sprung über die Elbe via U-Bahn und die Erneuerung diverser Stadtteile - diese finanziellen Belastungen sind noch nicht komplett ausgestanden, da wird schon an der nächsten Pleite gefeilt.
Zudem, und das ist nun eine persönliche Meinung, sind die Olympischen Spiele im Grunde nur noch eine Großveranstaltung, deren heuer Sinn "dabei sein ist alles" schlichtweg vergessen wurde. Zu sehr hängt das Kapital darin. Zu sehr werden die Spiele politisch missbraucht - wir erinnern uns an Sotschi? Selbst für die Sportler ist nicht mehr nur der sportliche Wettstreit, sondern das Sprungbrett in die A-Liga der Athleten, sofern man eine Medaille erobern konnte. Ein sportlicher Wettstreit braucht kein Kapital, keine Politik, kein Komitee. Nur Fairness und das Talent, auch mal verlieren zu können.
Zurecht ist in diesem Falle das kritische Echo der Medien. Man mag von diesen halten was man will, in den meisten Fällen überhaupt nichts, dennoch gibt es durchaus den einen oder anderen Ansatz, der sogar durchdacht und recherchiert wirkt. Wie in diesem Fall einen Artikel aus dem "Stern". Was wir in jedem Fall wissen ist die Tatsache, dass, egal wie sauber der Senat auch rechnen mag, diese Rechnung nie aufgehen wird. Unvorhergesehene Komplikationen sind für jedes Großprojekt der Todesstoß - und der Steuerzahler muss dafür aufkommen. Doch als solcher Steuerzahler ist es meine Meinung, dass wir getrost darauf verzichten können. Hamburg ist auch ohne Olympia auf jeden Fall eine Reise wert.
Contra Magazin News & Informationen
Bitte keinen Größenwahn!
Hamburger, wehrt Euch mit Händen und Füßen dagegen!
Die Einzigen, die von diesem unechten ‚One World‘ Spektakel profitieren, sind die multi-nationalen Großkonzerne sowie korrupte Politiker und Funktionäre, die sich die Taschen füllen. Klar, im Vorfeld fallen auch einige Brosamen für Hamburgs Wirtschaft ab.
Sollen doch die Veranstalter und Initiatoren eine feste olympische Stätte (meinetwegen in Griechenland) auf eigene Kosten und Risiken bauen. Und damit das ganze auch Sinn macht: Zurück zu den Kerndisziplinen. Diese Inflation von Sportarten, die heute zu Olympia gehören, untergraben ohnehin den -sofern er überhaupt existiert - olympischen Gedanken.
Kleine Anmerkung am Rande: Die Spanier zahlen heute noch Tribut für Barcelona.
Olympia, ist doch schon lange, lange passé, es regiert doch nur noch der Kommerz und der Mammon.
Stimme zu, und als Hamburger regt mich die Sache sowieso auf. Schon 2012 wollten die das. Aber wehren, mit Händen und Füssen? Die brauche ich doch noch. Hier wird alles durchgesetzt. Scheißegal wie viele Bürgerinitiativen, die sich durchaus sehen lassen können. Hier ist die Freimaurer Hauptstadt D.Lands, nur hanseatischer (Sprich:Obersnobbistischer) Klüngel. Da nützt selbst das kultivierteste Proletariat nichts.
Sehr geehrter herr Grasnick .
Sie haben im Grunde recht.Aber lassen Sie beispiele weg was den politischen Einfluß betrifft
dann müssen Sie mehr anführen und belegen.Denn jede olympische Veranstaltung egal
wo ist Politisch.Es passt in der heutigen Zeit in keinen fairen Kommentar der ein allgemeines
Problem behandelt durch die Hintertür wie bei Ihnen Russland an zu sprechen.
Das kann man in der Bild aber nicht hier.
Wenn Sie über Russland und seiner Politik reden möchten dann ein Thema wählen und wir
reden darüber.
Es nagt am Selbstverständnis Hamburgs, nicht im selben Atemzug mit New York und London genannt zu werden. In diese Liga will man nun endlich mittels der olympischen Spiele aufsteigen, auf Sportmuffel und Erbsenzähler wird man dabei keine Rücksicht nehmen. Ich werde bei der kommenden Wahl mit „nein“ stimmen, auch um der immer wieder aufkeimenden Großmannssucht hier einen Dämpfer zu verpassen. Aus politischen Gründen wird man gegen Los Angeles meiner Meinung nach eh‘ keine Chance haben, den Zuschlag zu bekommen …