Die 16-jährige Weltrekordlerin aus Russland, Marjana Naumowa, ist zur humanitären Hilfe in den Donbass gefahren. Schon zum dritten Mal. Ein Mädchen, welches sich selbst ein Bild von den Verhältnissen vor Ort machen und Hilfe leisten will.

Von Werner Gauss

Naumova 1Kaum zu glauben, dass man mit 16 Jahren schon so viel machen kann. Sie stemmte eine 150 kg Langhantel bei den Arnold Classic, hielt Seminare in nordkoreanischen Schulen ab und bat Arnold Schwarzenegger, die USA und Russland zu versöhnen. Als ob es ihr nicht schon genug wäre, hat die 16-jährige Marjana Naumowa im März die ruinierte Ostukraine mit der humanitären Hilfe zum dritten Mal besucht. Zu einer Zeit, als den meisten ihrer Mitschüler das Blutvergießen im Nachbarland ganz egal war, weil sie sich nach Marjanas Verständnis für nichts als Klamotten und Internet interessieren. Zu einer Zeit, als die anderen Champions Naumowa in privaten Gesprächen unterstützen, sich aber nicht dazu entscheiden, mit ihr in den Donbass zu fahren.

Marjana, die als „das stärkste Mädchen der Welt“ bekannt ist, sieht verletzlich aus, wenn sie die traurigen Geschichten des Donbass nacherzählt. In diesem Augenblick erinnert man sich jäh, dass sie selbst noch ein Kind ist.  

Naumova 2„Das stärkste Mädchen der Welt?“, sagt sie. „Ein Mensch, der sein Haus trotz des Unglücks nicht verlässt, da ist der, wer echt stark ist. Ich habe viele solche Leute im Donbass gesehen.

Wofür kämpfen sie? Manche Volkswehrmänner kämpften, wie sie selbst sagen, für die sozialistische Ukraine. Sie empfinden eine Nostalgie für die UdSSR, als sie in einem mächtigen und einträchtigen Land wohnten und viel mehr Möglichkeiten hatten. Aber das Wichtigste, denke ich, ist dass sie von der Missachtung ihrer Werte todmüde sind.

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Wissen Sie, mein Vater hat zwei Brüder in der Ukraine, also konnte ich in ihren Worten noch lange vor all diesen scheußlichen Ereignissen eine gewisse Verachtung für die Einwohner des Donbass spüren. Man hat sie für fremd und primitiv gehalten. Einfache Bergarbeiter, Arbeitstiere… Als ob ein anständiger Mensch des Arbeitsberufes immer schlechter als eine gut gebildete Jeunesse dorée wäre!

Naumova 3Alle diese Neonazi-Aufmärsche in ukrainischen Städten, diese vorbehaltlose Mode zum Nationalismus und Russenhass im neuen politischen Establishment der Ukraine, genau das ist ein echter Brennstoff für ihre Entschiedenheit. Die Geduld der Menschen in der Ostukraine hat sich erschöpft“.

Die sozialistischen Ideen sind auch Marjana nah. Sie ist eine Komsomolzin und sympathisiert mit Sahra Wagenknecht, weil die Politikerin „gegen den Konflikt mit Russland steht“.

„Ich bin der Meinung, Europa muss selbständig handeln statt den Befehlen der USA zu gehorchen. Wir müssen verhandeln. Kämpfen wir lieber nur im Sport“.

Es wäre eine schöne Wahlrede. Es ist nun nicht verwunderlich, dass Naumowa schon einen Vortrag im Volksrat der selbstproklamierten DNR hielt. Eine glänzende politische Karriere wartet wahrscheinlich auf diese Fräulein.

Dann könnte ihr die Erfahrung, unter Druck zu stehen, auch zum Vorteil gereichen. Man bedroht Marjana in den sozialen Netzwerken in letzter Zeit oft. Meistens sind es die Ukrainer. Sie reagiert drauf nicht und versichert, sie liebe die Ukraine.

„Ich liebe dieses Land ohne Zweifel. Ich liebe Odessa und das Schwarze Meer. Ich kann einfach nicht verstehen, warum sich die Menschen jetzt so sehr verbittert und verändert haben“, wundert sich die Sportlerin. „Es scheint mir, dass diese Menschen gegen uns aufgehetzt wurden. Ihnen wurde gesagt: „Das ist euer Feind!” und dann auf uns mit dem Finger gezeigt. Sie beschuldigen Russland all ihres Unglückes. Anderseits bekomme ich viel mehr Mails mit Unterstützung und Zustimmung“.

Manchmal passieren unangenehme Monologe allerdings auch in der persönlichen Kommunikation.

„Ich bin vor kurzem in Warschau einer Ukrainerin im Hotel begegnet, die mit einem Deutschen verheiratet ist. Diese Frau schimpfte heftig und lange über Russland, Putin und mich persönlich und erzählte dann, dass ihr Sohn in seiner Wohnung in Deutschland ein Bild von Hitler habe. „Hitler war eigentlich gar nicht so schlecht, weil er sein Land liebte und nur die Juden und Sowjetbürger vernichtete“, fügte sie hinzu. „Bei uns in Deutschland unterstützen ihn viele Leute“. Wenn es die Wahrheit ist, was diese Frau erzählte, dann ist wahrscheinlich auch in Deutschland nicht alles in Ordnung“.

Eine der Wirkungen ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit ist es, dass Marjana nun viele neue Bekannte hat. Bekannte von beiden Seiten des Konflikts.  

„Es tut mir sehr Leid, dass so viele normale junge Männer von beiden Seiten in Gefechten fallen während die Politiker das Geld zusammenraffen“, grämt sich die junge Russin. „Ein Bekannter von mir, ein ukrainischer Powerlifter, kämpfte im ATO-Gebiet als Freiwilliger und wurde gefangengenommen. In Gefangenschaft hatte er die Möglichkeit, nicht nur Sport zu treiben, sondern auch im Internet zu surfen, also schrieben wir uns durch die sozialen Netzwerke. Die Volkswehrmänner ließen ihn frei und er kehrte zurück nach Hause. Doch später ist er wieder in den Donbass mit der Waffe in der Hand gekommen. Zum zweiten Mal. Um seinen Krieg fortzusetzen. Er wurde im Gefecht beim Grabhügel „Saur-Grab“ getötet. Die ukrainische Regierung gesteht seiner Ehefrau, die jetzt zwei Kinder allein erziehen muss, keine Witwenrente für Soldaten zu, sodass sie keine staatliche Geldhilfe bekommt. Ich zweifele daran, dass er an die Front gegangen wäre, wenn er so ein Verhältnis zu ihm und seiner Familie seitens der Regierung vorausgesehen hätte“.

Marjana teilt oft die Fotos von ihren Besuchen in sozialen Netzwerken. Die Ortsbewohner, die den Horror des Krieges unglaublich standhaft ertragen, sehen berührt und froh aus. Sie lassen sich gern von ihrer Not ablenken. Selbst wenn ihr altes Leben, in dem es keine ständige Furcht gab, damit nur für ein paar Stunden wieder zum Leben erweckt wird.

„Einst hat mir der berühmte Bodybuilder Dorian Yates gesagt: „Wir Sportler bekommen höchste Ehren von den Leuten, aber wir müssen den Leuten unsere Liebe auch zurückgeben“, sagt Marjana. „Erst jetzt verstehe ich seine Worte. Wenn man dich braucht und du eine Möglichkeit hast, den Menschen zu helfen, das ist ein wahres Glück“.

Wenn gleich es wahr ist, so ist es doch ein sehr trauriges Glück. Doch Dutzende Freiwillige, die sich auf eigene Gefahr ins ostukrainische Kriegsgebiet immer wieder zur humanitären Hilfe begeben, sind wahrscheinlich gleicher Meinung wie Marjana.

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3 thoughts on “Trauriges Glück des stärksten Mädchens”

  1. Da könnten sich unsere Politdarstellerinnen, das völlig rückgrat- gewissenlose Gewürm merkel und v.d.Leichen mal ein Beispiel nehmen. Aber die sind ja offensichtlich vollauf beschäftigt, sich selbst als gefeiertes Idol zu sehen.         

    Eine Schande für die Deutschen Geschichtsbücher der Zukunft.

  2. Wenn man ein Versall ist gibt man seine Sehle dem Taufel.( USA ) und das hat die

    so berühmte Frau von Anfang an gemacht.Die deutschen Träumer sind nicht in der Lage das zu erkennen.Ein großer Teil.Leider sind da auch viele junge Menschen dabei.Besonders die

    Generation um die Geburtsjahre 75-89 .

  3. Wer das Wort der Abschaffung der Geheimdienste redet, ist sehr, sehr naiv. Solange die  Gegner, die angeblichen Freunde und Partner des Landes über solche Einrichtungen verfügen, ist es eigentlich bei Strafe des eigenen Untergangs notwendig, über solche Dienst zu verfügen, und zwar effektive Dienste.

    Und jetzt kommen die großen ABER   ABER   ABER

    Diese Dienste haben ausschließlich zum Nutzen des Landes zu agieren. Die Bestimmungen ihrer Arbeit müssen auch klar definiert sein. Und der Dienst muß auf einer eindeutigen Basis, einer Verfassung für das Land agieren können.

    Das ist doch bei den bundesdeutschen Geheimdiensten gar nicht gegeben. Dieses Land Bundesrepublik Deutschland ist ein von den USA abhängiges Land. Dieses Land hat keinen Friedensvertrag mit den ehemaligen Kriegsgegnern und vom Deutschen Reich überfallenen, besetzten und ausgeraubten Ländern. Dieses Land BRD hat keine verbindliche Verfassung. Warum nicht? Weil es keinen Friedensvertrag hat. Es herrscht immer noch der Schwebezustand der bedingungslosen Kapitulation des faschistischen Deutschlands vor, den drei Siegermächten, dem Frankreich zugeordnet wurde. Zur Verwaltung dieses von den Westmächten besetzten Landes, der Trizone, wurde eine Verwaltungsvorschrift für die Eigenverwaltung erarbeitet, von den drei Besatzungsmächten abgesegnet und von der Bevölkerung dieser drei Besatzungszonen angenommen.

    Die Sowjetische Besatzungszone, die bei allen diesen Vorgängen nie als Vorreiter agierte, gründete als Antwort auf die Gründung der BRD (unter Verletzung des Potsdamer Abkommens)  die DDR. Im Gegensatz zur BRD hatte die DDR eine Verfassung. In der waren auch keine Besatzungs-Artikel verankert.

    Im Grundgesetz der BRD sind auch heute noch Artikel über das Besatzungsrecht über die ehemalige Trizone enthalten. Auch die bundesdeutschen Geheimdienste sind nicht unabhängig in ihrem Tun. Sie unterstehen dem Besatzungsmandat der USA. Darüber gibt es Geheimverträge. Also ist die ganze Aufregung über diese Spioniererei vollkommen umsonst. 

    2009 hat US-Präsident Obama vor den US-Soldaten auf dem exterritorialen Militärstützpunkt Ramstein ganz eindeutig in Bezug auf die Bundesrepublik Deutschland zum Ausdruck gebracht.: Dies ist ein besetztes Land. Und wird es auch bleiben.

    Das Schlimme an der ganzen Geschichte ist, daß die sowjetische Führung unter Gorbatschow in ihrer Einfalt gegenüber diesen anderen Besatzungsmächten einer Einheit mit Westdeutschland zustimmte, ohne diese ganzen Fragen zu klären und ohne auf einem richtigen Friedensvertrag für ganz Deutschland zu beharren.

    Das muß geklärt und verändert werden. es muß ein Friedensvertrag und damit die Souveränität Deutschlands her. Aber wer von den politisch Verantwortlichen will das?

    Merkel und ihre ganzen schwarzen, SPD-rosa und ehemals Grünen, derzeit sehr zu schwarz tendierenden Schwätzer doch auf keinen Fall. Die sind alle sogenannte Transatlantiker, haben sich schön eingerichtet im Politikbetrieb, auch Teile der Linken, und so eine große Veränderung würde sie nur beunruhigen, daß sie bei einer etwaigen Abstimmung über eine – wirklich – freie Verfassung für Deutschland und ein freies demokratisches Parlament aus ihren Ämtern und Sesseln gefegt würden.

    Und ein solches souveränes Land braucht dann auch die nötigen Aufklärungs- und Abwehrdienste, die dieser Verfassung und diesem Parlament verpflichtet sind, um dieses Land zu schützen. Da ist es dann Sache der deutschen  – unabhängigen – Politik, zu entscheiden, mit welchen ausländischen Diensten in welchen Bereichen und in welchem Umfang zusammen gearbeitet wird.

    die Debatte, die derzeit geführt wird, ist ein Streit um des berühmten Kaisers Bart.

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