Die Straßen von Kigali. Bild: Flickr /paulscott56 CC-BY-SA 2.0
Die Straßen von Kigali. Bild: Flickr /paulscott56 CC-BY-SA 2.0

China: Neue Strategie in Afrika

China ist im Begriff, die Strategie seiner Investitionen in Afrika umzustellen. Hat das Reich der Mitte bislang sein wirtschaftliches und finanzielles Engagement auf Grund von bilateralen Abkommen durchgeführt, schickt es sich jetzt an, eine länderübergreifende Einrichtung für seine Wirtschafts- und Entwicklungspolitik zu schaffen, die mit mehreren Milliarden Dollar ausgestattet wird.

Von Florian Stumfall

„China hat in Afrika bisher bilaterale Kontakte genutzt“, sagte ein hoher chinesischer Funktionär der Londoner Tageszeitung Financial Times. „Jetzt gehen wir mehr einen Weg der mehrseitigen Verbindungen.“ Dazu hat Peking mit der Afrikanischen Entwicklungsbank (BAD) Kontakt in der Absicht aufgenommen, noch im Verlauf des Mai einen afrikanischen Investitionsfonds einzurichten, der zunächst mit zwei Milliarden Dollar ausgestattet wird. Er heißt „Africa Growing Together Fund“ und soll anlässlich der Jahresversammlung der BAD Ende Mai in der ruandischen Hauptstadt Kigali gegründet werden.

Freilich bedeutet die neue Initiative keineswegs eine völlige Umkehr. Denn das System bilateraler Abkommen mit einzelnen Staaten soll neben dem neuen Fonds beibehalten werden. Ein Experte für chinesisch-afrikanische Beziehungen vom Institut für Internationale Studien in Shanghai, Zhang Chun, versichert, dass das neue Engagement in den kommenden Jahren keineswegs zu lasten der bilateralen Zusammenarbeit gehen wird. „Diese neue Strategie“, so versichert er, „ist kein Gegensatz zur bisherigen. Es handelt sich um zwei Methoden, die parallel laufen können.“

Neben wirtschaftspolitischen Zielen verfolgt Peking mit dem Afrika-Fonds auch eine psychologische Absicht. Die Chinesen haben nämlich den Vorteil gegenüber den Europäern, den sie auf dem Schwarzen Kontinent lange genossen haben, nämlich nichts mit dem Kolonialismus zu tun zu haben, eingebüßt. Das liegt nicht zuletzt an den praktischen Schwierigkeiten der Zusammenarbeit und der auffälligen Neigung der Afrikaner, für eigene Malaisen ihre Partner verantwortlich zu machen.

So hat sich allmählich ihre Gewohnheit, die Ursache für alle Übel im Kolonialismus zu suchen, auch auf die Chinesen erstreckt. Grund genug für Chinas Premierminister Li Keqiang für eine Klarstellung: „Ich versichere unsere afrikanischen Freunde in aller Ernsthaftigkeit, dass China nicht die Absicht hat, irgendwie in kolonialistischer Weise vorzugehen, wie es bestimmte andere Länder auf dem afrikanischen Kontinent getan haben. Der Kolonialismus gehört der Vergangenheit an.“

Solch höfliche Floskeln sind in Afrika ebenso willkommen wie das Geld. Daran herrscht nämlich erheblicher Mangel. Laut McKinsey besteht bei der Infrastruktur des Kontinents ein Finanzbedarf von rund 2,6 Billionen Dollar. Das ist ein umso größeres Problem, als das große Geld Afrika eher flieht als sucht. Eine prominentes Beispiel gibt die reichste Frau Afrikas, die Angolanerin Isabel dos Santos, die, einem Bericht von Forbes Amerika zufolge, ihre Anteile an dem portugiesischen Geldhaus Banco BIC auf 50 Prozent erhöht hat.

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