NATO alarmiert über Ausmaße der gemeinsamen Kriegsspiele zwischen Russland und Weißrussland

Russland und Weißrussland halten große gemeinsame Militärübungen ab. Die NATO äußert Besorgnis darüber.

Von Redaktion

Am Freitag begannen Russland und sein seit langem isolierter ehemaliger sowjetischer Satellitenverbündeter Weißrussland mit den nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums größten europäischen Militärübungen seit Jahrzehnten, an denen bis zu 200.000 Soldaten – darunter auch Elite-Fallschirmjäger -, fast 800 Panzer, 15 Kriegsschiffe und 80 Flugzeuge beteiligt sind.

Die Übungen mit dem Namen “Zapad-2021” finden gemeinsam auf neun russischen und fünf belarussischen Schießständen und Stützpunkten statt, wobei fast 13.000 russische Soldaten auf belarussischem Boden untergebracht sind. Zum Vergleich: An einer der jüngsten und größten NATO-Übungen in Europa, Trident Juncture 2018, waren insgesamt 40.000 Soldaten beteiligt.

“Ziel der Übung ist es, die Bereitschaft und die Fähigkeit der belarussischen und russischen militärischen Führungsorgane zur gemeinsamen Gewährleistung der militärischen Sicherheit und territorialen Integrität zu überprüfen”, so das russische Verteidigungsministerium in einer Erklärung.

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Wie das Verteidigungsministerium bestätigte, nehmen an den Spielen auch die Streitkräfte Armeniens, Indiens, Kasachstans, Kirgisistans und der Mongolei teil.

Die Übungen werden das Zusammenspiel der verbündeten Streitkräfte bei Kampfeinsätzen testen und es den Kommandeuren und Stäben ermöglichen, das Truppenmanagement bei gemeinsamen Aktionen zur Abwehr von Aggressionen gegen den Unionsstaat zu üben”, fügte das russische Militär hinzu und bezog sich dabei auf das Abkommen aus dem Jahr 1999, in dem sich die beiden Länder zu einer tieferen politischen und wirtschaftlichen Integration verpflichtet haben.

Die NATO erklärte, sie sei nicht eingeladen worden, Beobachter zu den Spielen zu entsenden, und forderte Russland und Weißrussland auf, “in einer vorhersehbaren und transparenten Weise zu handeln”. Eine NATO-Sprecherin sagte: “Dies ist besonders wichtig, wenn es verstärkte militärische Aktivitäten entlang unserer Grenzen gibt, um Risiken zu verringern und Unfälle oder Zwischenfälle zu vermeiden.”

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Nach einer Analyse von War on the Rocks bereitet sich Russland auf die Verteidigung gegen ein Ukraine-Szenario vor, das mit den Jahren 2014 und 2015 vergleichbar ist, sich aber auf Weißrussland konzentriert:

Der russische Generalstab ist besorgt über das, was er als “Trojanisches Pferd”-Strategie des Westens bezeichnet: Zunächst wird ein Land mit indirekten Mitteln destabilisiert, dann werden fortschrittliche konventionelle Fähigkeiten eingesetzt, um die Streitkräfte zu lähmen, Massenluftangriffe auf kritische Infrastrukturen durchzuführen und schnell Kriegsziele zu erreichen. Das militärische Ziel Russlands besteht darin, eine von den USA geführte Koalition davon zu überzeugen, dass sie nicht in der Lage ist, frühzeitig einen entscheidenden Sieg zu erringen, und dass der Krieg erhebliche militärische oder wirtschaftliche Kosten und wahrscheinlich auch eine nukleare Eskalation nach sich ziehen wird. Die russische Denkweise beruht auf der Überzeugung, dass Russland die Kosten so hoch treiben kann, dass sie die angestrebten Gewinne überwiegen, insbesondere bei einem Kampf um Weißrussland. Bei der Übung 2021 könnte ein kalibrierter Einsatz konventioneller und nicht-strategischer Nuklearwaffen simuliert werden, um die Eskalation zu steuern und die gegnerische Koalition zu Verhandlungen zu zwingen.

Ein russischer Militäranalyst, Robert Lee, erklärte gegenüber dem vom US-Staat finanzierten RFE/RL, dass eine solche gemeinsame Übung darauf abzielt, künftige, vom Westen unterstützte Farbrevolutionen vorwegzunehmen: “Wir wissen, dass Russland seine militärische Präsenz in Weißrussland ausbauen will, und diese Übung könnte uns einen Hinweis darauf geben, was Weißrussland zulassen würde.”

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“Es könnte auch eine stärkere Integration der russischen und weißrussischen Militär- und Sicherheitsdienste beinhalten, um ein Szenario wie die Farbenrevolution in Weißrussland niederzuschlagen”, fügte der Analyst hinzu.

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Ein Kommentar

  1. Die können doch in gemeinsamer Absprache auf ihrem Staatsgebiet Verteidigungsmanöver abhalten solange sie wollen, während sich die Nato an garnichts hält und unverblümt in Ostgebieten ähnliche Manöver abhält was sie garnicht dürften, denn der Wiedervereinigungsvertrag läßt östlich der Oder keine Aktivitäten zu und trotzdem befinden sie sich direkt an der russischen Grenze ohne rot zu werden.

    Diese Art der Falschspielerei ist ja hinlänglich bekannt und unter dieser Voraussetzung sollte sie lieber die Klappe halten und sich selbst an Vereinbarungen halten, bevor sie der anderen Seite finstere Absichten unterstellen, die bei dieser Russenphobie doch nicht das Vertrauen bestärkt, sondern eher stutzig macht und dann zu Gegenreaktionen führt, die so nicht stattfinden müßten, wenn man ein ehrliches Spiel betreibt.

    Solche Bemerkungen haben nichts mit einer Parteinahme zu tun, es ist lediglich der Gerechtigkeitssinn, der darüber urteilt und wenn das Recht ständig außer Kraft gesetzt wird, führt das zwangsläufig ins bodenlose und ist dann nur noch eine Frage der Zeit bis die Konfrontation da ist und wer das will soll es doch sagen und nicht immer verklausuliert sprechen, das ist auch der eigenen Bevölkerung gegenüber unanständig und nicht nur den Betroffenen, die ja nichts gemacht haben, außer zu reagieren und das ist nicht verboten, man müßte es nur verstehen wollen.

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