Israel fordert “Sofortmaßnahmen” gegen den Iran

Weil Teheran kurz vor dem Erwerb von Atomwaffen stehe, müsse man rasch eingreifen, so Israels Regierungschef Naftali Bennett.

Von Redaktion

Israel ist besorgt über die Möglichkeit des Erwerbs von Atomwaffen durch Iran und hat den Gemeinsamen Umfassenden Aktionsplan (JCPOA, auch bekannt als Iran-Atomabkommen) seit seiner Umsetzung im Jahr 2015 immer wieder kritisiert und gegen seine mögliche Wiederherstellung protestiert.

Der israelische Ministerpräsident Naftali Bennett hat eine “angemessene und schnelle internationale Reaktion” der internationalen Gemeinschaft gegen den Iran gefordert und sich dabei auf die jüngste Schlussfolgerung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) berufen, der zufolge Teheran gegen einige Bestimmungen des JCPOA verstoßen hat.

“Israel betrachtet das Bild der Situation, das sich in dem Bericht widerspiegelt, mit äußerster Ernsthaftigkeit. Es beweist, dass der Iran die Welt weiterhin belügt und ein Programm zur Entwicklung von Atomwaffen vorantreibt, während er seine internationalen Verpflichtungen verweigert”, sagte er in einer Erklärung.

Der Premierminister nannte die Verhandlungen mit dem Iran einen “naiven” Ansatz und sagte, dass die Behörden in Teheran durch eine “energische Haltung der internationalen Gemeinschaft, die durch Entscheidungen und Maßnahmen unterstützt wird”, ersetzt werden sollten.

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Anfang dieser Woche kritisierte die IAEO den Iran, weil er sich weigerte, den Inspektoren Zugang zu den in den iranischen Atomanlagen installierten Videokameras zu gewähren. In Ermangelung regelmäßiger Inspektionen, die im Februar eingestellt wurden, bleiben die Kameras die einzige Form der Überwachung. Die Kameras müssen jedoch gewartet werden, aber die Inspektoren sagten, dass eine der vier Kameras zerstört wurde und die von den anderen Kameras aufgenommenen Videos verschwunden sind.

Nach Angaben der Agentur hat Teheran seine Reserven an hochangereichertem Uran kürzlich vervierfacht und verfügt nun über 10 Kilogramm 60-prozentig angereichertes Material. Die Menge an 20-prozentig angereichertem Uran ist ebenfalls gestiegen, und zwar von 62,8 auf 84,3 Kilogramm.

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Angesichts des unvorhersehbaren Ausgangs der JCPOA-Verhandlungen hatte Bennett zuvor erklärt, der jüdische Staat werde alles tun, um den Iran am Erwerb von Atomwaffen zu hindern, da dieser nicht Teil des Abkommens sei.

Bei einem Treffen mit einer überparteilichen Delegation des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten des US-Repräsentantenhauses erklärte Bennett, dass eine Rückkehr der USA zum Atomabkommen ein Fehler wäre, und betonte, dass Israel nicht zulassen werde, dass der Iran in den Besitz von Atomwaffen gelangt.

Die vergangenen sechs Verhandlungsrunden, die am 20. Juni abgeschlossen wurden, haben bisher zu keinen Ergebnissen geführt. Kürzlich bat der Iran um einen Aufschub, da der neue Präsident Ebrahim Raisi am 5. August in sein Amt eingeführt wurde und eine neue Regierung gebildet werden soll. Raisi wird nachgesagt, dass er im Vergleich zu seinem moderateren Vorgänger Hassan Rouhani eine härtere Linie gegenüber Israel vertritt.

Am Mittwoch warnte US-Außenminister Antony Blinken Teheran, dass eine weitere Verzögerung die Seiten des Abkommens “näher an den Punkt bringen würde, an dem eine strikte Rückkehr zur Einhaltung des JCPOA die Vorteile, die dieses Abkommen erreicht hat, nicht wiedergibt”.

Teheran hat wiederholt erklärt, dass es nicht vorhat, Atomwaffen zu bauen, und dass es die Bestimmungen des Abkommens einhalten wird, wenn die Sanktionen, die nach dem Ausstieg der USA aus dem Vertrag im Jahr 2018 wieder verhängt wurden, aufgehoben werden.

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Ein Kommentar

  1. Wäre man selbst Bewohner dort wäre es nicht außergewöhnlich sich vor dieser Entwicklung zu fürchten, denn dieses atomare Patt wäre das Ende der Hegemonie eines kleinen Staates, der mit Hilfe der Europäer installiert wurde, ohne die Palästinenser zu befragen und damit wurde der Grundstein für Jahrzehntelange Auseinandersetzungen gelegt und das geht langsfristig dann zu ihren Ungunsten aus, denn konventionelle Heere in der Masse wären ihnen überlegen und das könnte extrem gefährlich werden.

    Im Prinzip sind durch falsche Entscheidungen die Probleme Ende der vierziger Jahre schon zementiert worden und das wird noch große Folgen haben und ob die US-Regierung bereit ist sich dabei mit dem Iran anzulegen ist eine andere Frage, denn die Russen und China stehen ja bekanntlicherweise, wenn auch in loser Form dahinter und was sich dann daraus entwickeln kann, diese Frage ist nicht zu beantworten, Fakt ist nur, daß ein relativ kleines Land kaum Chancen hat, sich bei einem gleichen Kräfteverhältnis über Wasser zu halten und das betrifft im übrgen den gesamten Westen als Folge vieler Fehler die nun offen zu Tage treten, ohne nun über Schuldzuweisungen zu spekulieren, was sich halt im Laufe der Zeit so hochgeschauckelt hat.

    Mit dem Argument des historischen Anspruches wird es auch nicht weiterhelfen, denn da gibt es zuviele Beispiele auf der Welt, wo vieles im Laufe der Jahrhunderte verloren wurde und unwiderbringlich weg ist und keine Möglichkeit mehr besteht es zurück zu holen. will man nicht eine zerstörerische Auseinandersetzung riskieren.

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