Russland erklärt, dass die USA nach 20 Jahren in Afghanistan völlig “versagt” haben

Russlands Außenminister Sergej Lawrow teilte heftig gegen die USA aus. Die Amerikaner hätten in Afghanistan völlig “versagt”.

Von Redaktion

Russland warnte diese Woche das US-Militär, sich aus den an Afghanistan angrenzenden zentralasiatischen Staaten wie Tadschikistan herauszuhalten, und betonte gleichzeitig, dass dies Russlands eigene Einflusssphäre sei und dass das Zeitfenster für die Versuche der Amerikaner und der NATO, Afghanistan zu stabilisieren, schon lange gekommen und gegangen sei.

Dies kam, nachdem sich die Taliban-Führung Anfang des Monats damit brüstete, 85 Prozent des Landes eingenommen zu haben, was die Behörden in Kabul ablehnten, während sie gleichzeitig zugaben, dass die Kämpfe immer heftiger und an viel mehr Orten stattfinden. Präsident Biden erklärte letzte Woche ebenfalls, dass die USA ihre Ziele erreicht” hätten und dass der Truppenabzug bis zum 31. August abgeschlossen” sein würde; der Kreml erklärt nun jedoch, dass Washington nach zwei Jahrzehnten in Afghanistan völlig “versagt” habe.

Die provokativen Kommentare von Außenminister Sergej Lawrow kamen am Freitag in einer Pressekonferenz in Usbekistan. Er deutete außerdem stark an, dass die USA nun den Abzug vereiteln, was dazu beiträgt, dass das Land erneut im Kriegschaos versinkt. An dem Sicherheitsgipfel nahm auch der afghanische Präsident Ashraf Ghani teil.

Lawrow sagte, das Weiße Haus sei standhaft dabei, die afghanische Mission in “den positivsten Farben” darzustellen, während es dabei bleibe, dass “jeder versteht, dass die Mission gescheitert ist”.

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Zu den spezifischen schlimmen Ergebnissen, auf die er hinwies, gehörten das Wiederaufleben des Islamischen Staates und der Al-Qaida-Terroristen in der Region und dass die afghanische Drogenproduktion und der Drogenhandel boomen. Russische Beamte haben lange behauptet, dass die Instabilität in Zentralasien direkte Auswirkungen auf Russlands eigene Grenzregionen hat.

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“In den letzten Tagen haben wir leider eine rapide Verschlechterung der Situation in Afghanistan erlebt”, sagte er laut russischen Medien. “Angesichts des überstürzten Abzugs der US- und NATO-Truppen herrscht eine große Unsicherheit über die Zukunft der politischen und militärischen Situation in diesem Land”, erklärte er vor Reportern.

“Es ist klar, dass in dieser Situation ein echtes Risiko besteht, dass sich die Instabilität auf die Nachbarländer ausbreitet.” Derzeit stocken russische Verbündete wie Tadschikistan ihre Grenztruppen stark auf und lassen russische Militärübungen zu. Internationalen Berichten zufolge schickt Tadschikistans Armee etwa 20.000 zusätzliche Reservisten an die Grenze zu Afghanistan, nachdem Tausende von Flüchtlingen und sogar Hunderte von afghanischen Soldaten angesichts des Vormarschs der Taliban ins Land geströmt sind.

Interessanterweise bezeichnete der russische Außenminister auch vorgeschlagene Pentagon-Pläne zur Stationierung von Truppen in umliegenden Ländern als “Fehlschlag”…

“Zunächst einmal haben Pakistan und Usbekistan bereits offiziell angekündigt, dass dies nicht in Frage kommt, sie werden eine solche Infrastruktur nicht auf ihrem Territorium platzieren. […] Keiner unserer Verbündeten hat seine Absicht angekündigt, sein Territorium, seine Bevölkerung einem solchen Risiko auszusetzen”, sagte Lawrow.

Tatsächlich schlug der pakistanische Premierminister Imran Khan Ende letzten Monats in einem Interview mit Jonathan Swan von Axios die Tür zu, was die Möglichkeit angeht, CIA- oder US-Truppen für grenzüberschreitende Sicherheitseinsätze in seinem Land unterzubringen.

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Als er von Swan gefragt wurde, sagte Khan unverblümt: “Absolut nicht. Das werden wir auf keinen Fall zulassen”, sagte Khan, bevor er entschlossen wiederholte: “Absolut nicht.” Andere Länder in der Region haben sich inzwischen angeschlossen und ihre Weigerung zum Ausdruck gebracht, den USA einen Sicherheitsstützpunkt für mögliche künftige Einsätze in Afghanistan einzurichten.

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2 Kommentare

  1. Wenn unsere Verteidiger der freien Welt Afghanistan verlieren würden, woher bekommen sie dann die Drogen, die ihre Lage in Afghanistan so rosig aussehen lassen? Wo den erotischen “Bacha Bazi”, den Knabentanz, von dem Udo Ulfkotte in dem letzten Buch vor seinem überraschenden Tod berichtet hatte?

  2. Nicht nur die USA mußten abziehen, auch ihre Satrapen aus Europa fanden damit ein unrühmliches Ende.

    Auf der einen Seite konnte Rußland ja nach der eigenen Niederlage vor Ort das Engagement der Amis begrüßen, denn solange die mit den Afghanen beschäftigt waren, hielten sie gleichzeitig die Südflanke der Russen unfreiwillig in Schach, denn der muslimische Süden ist ein Teil der Achillesferse der russischen Föderation und könnte sich immer erneut entladen, wenn man sie nicht mehr im Griff behalten kann.

    Nun leben die Russen alles andere als auf einem friedlichen Teil der Welt, denn sie werden von allen Seiten mehr oder weniger tangiert, das beginnt mit den Bemühungen des Westens, Rußland auf vielerlei Art in die Knie zu zwingen, geht weiter über den aufmüpfigen Süden und endet im fernen Osten mit der Beziehung zu einer neuen Weltmacht, die unberechenbar ist und nur über scheinbar gute Beziehungen derzeit einzugrenzen ist.

    Anstatt sich der Westen Rußland annähert um der Gefahr des gesamten Ostens zu begegnen, machen sie den fatalen Fehler ein Bollwerk zu schwächen und sie können nur von Glück reden, daß sich der Osten noch nicht in Bewegung gesetzt hat um mit der gleichen Attitüde wie ihre ehemaligen Besatzer sich Richtung Westen auszudehnen, was aber noch kommen kann und die Überheblichkeit der weißen Rasse, die heute noch vorherrscht, wird ihr Untergang sein, weil sie in falschen Kategorien denken und die Hauptgeschädigten werden dann die Europäer sein, die dann die Auswirkungen so richtig zu spüren bekommen, während sich die Amerikaner im Ernstfall auf ihren Kontinent zurückziehen und wir dann in der Falle sitzen.

    Die haben bis heute noch nicht begriffen, daß die Welt sich dramatisch verändert hat und die Zeit des zwanzigsten Jahrhunderts ist vorbei und das einundzwanzigste Jahrhundert gehört China und anderen und wer da nicht sofort dagegen angeht, wird verlieren, das kann auf vielerlei Art geschehen, aber zumindest nicht so dümmlich wie derzeit, was den eigenen Niedergang auch noch begünstigt.

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