Globale Versorgungskrise weit schlimmer als gedacht

In den letzten Jahrzehnten hat sich der Welthandel über den Ozean fast exponentiell ausgeweitet, da die Auslagerung der Produktion von den USA und europäischen Konzernen im Zuge der wirtschaftlichen Globalisierung aufgeblüht ist. Das Ergebnis war, dass Asien, insbesondere China, zur wichtigsten Produktionsquelle für alles vom iPhone bis zu Antibiotika und allem, was dazwischen liegt, geworden ist. Die Gründung der Welthandelsorganisation (WTO), die neue Regeln für den Handel aufstellen soll, war eine wichtige Triebkraft. Sie hat auch die globalen Lieferketten für die Auslieferung von Waren fragiler gemacht als je zuvor in der Geschichte. Der Anstieg der Kosten für die Verschiffung von Seecontainern zeigt die wachsende Krise. Verschärft wird die wachsende Krise durch den enormen Arbeitskräftemangel aufgrund der globalen Covid-Maßnahmen.

Ursprünge der Krise

Laut der in Deutschland ansässigen Forschungsabteilung von Statista werden etwa 80 Prozent aller Güter weltweit auf dem Seeweg transportiert, darunter Öl, Kohle und Getreide. Davon macht der globale Seecontainerhandel wertmäßig etwa 60 Prozent des gesamten Seehandels aus, was einem Wert von rund 14 Billionen US-Dollar im Jahr 2019 entspricht. Diese Seeschifffahrt ist auf Gedeih und Verderb zur Schlagader der Weltwirtschaft geworden.

Dies ist eine direkte Folge der Gründung der WTO in den 1990er Jahren mit neuen Regeln, die die Auslagerung der Produktion in Länder begünstigten, in denen die Produktion weitaus billiger war, d.h. solange der Seetransport billig war. Nachdem China 2001 Mitglied der WTO wurde, war es der größte Nutznießer der neuen Regeln und innerhalb eines Jahrzehnts wurde China als “Werkstatt der Welt” bezeichnet. Ganze Industrien wie Elektronik, Pharmazeutika, Textilien, Chemikalien sowie Kunststoffe wurden zur Fabrikmontage nach China mit den damals weltweit niedrigsten Löhnen verlagert. Das funktionierte, weil die Kosten für den Transport in die westlichen Märkte vergleichsweise niedrig waren.

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Als die Wirtschaftsleistung Chinas wuchs, wurde China zu einem weltweiten Versandriesen, der seine Waren billig an Orte wie Long Beach oder Los Angeles, Kalifornien in den USA oder Rotterdam in Europa verschickte. Der Einzelhandelsriese Walmart war Ziel für einen riesigen Anteil der China-Waren, wobei bis zu 80 Prozent der Produkte aus China stammen. Dies ist kein kleines Bier, wie man in Texas sagt. Walmart ist mit einem Jahresumsatz von 549 Milliarden Dollar das größte Unternehmen der Welt. Als Ergebnis dieser Globalisierung verfügt China heute über 8 der 17 größten Häfen der Welt, was das Versandvolumen angeht, um seine Exporte abzuwickeln.

Die Expansion des chinesischen Seeverkehrs bildet zusammen mit der von Japan und Südkorea den größten Teil des weltweiten Seecontainer-Verkehrs. Dieser lebenswichtige Wirtschaftsfluss steht nun unter einem noch nie dagewesenen Stress, der schon bald katastrophale weltwirtschaftliche Folgen für die Warenlieferketten der Welt haben könnte.

Als das von der WHO als neuartiges Coronavirus bezeichnete Virus, das erstmals in Wuhan auftrat, im März 2020 zur globalen Pandemie erklärt wurde, waren die Auswirkungen auf den Welthandel unmittelbar und enorm, da die Länder ihre Volkswirtschaften abriegelten, was in Friedenszeiten beispiellos ist. Bestellungen für Produkte aus China und anderen asiatischen Produzenten wurden von westlichen Käufern eingefroren. Containerschiffe wurden im Jahr 2020 überall gestrichen. Als dann die Regierungen der USA und der EU Billionen von Dollar in Form von beispiellosen Konjunkturprogrammen freigaben, explodierte die Nachfrage nach Containern aus Asien in den Westen relativ gesehen im Vergleich zum Angebot, da die Menschen begannen, das Konjunkturprogramm zu nutzen, vor allem in den USA, um online zu kaufen, was größtenteils “made in China” war.

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Eine Analyse von F. William Engdahl

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2 Kommentare

  1. So ganz nachvollziehen kann ich das Schrumpfen der Produktion und des Seeversandes nicht, denn auch in der Corona-Krise wurde gekauft und war es nicht vor Ort in den Läden, dann zumindest über den Online-Handel, wo alles bestellt wurde und was man verschieben konnte wurde ausgeklammert, wenn es nicht ganz eilig war, mit Ausnahme jener, die bereits mittendrin im Projekt waren und dann tangiert wurden.

    Könnte es nicht auch sein, daß gerade die Reeder und die Speditionen dieses Ereignis zum Anlaß genommen haben um ihre früheren schwächeren Margen etwas aufzufrischen und über höhere Preise die Gunst der Stunde nutzten, wobei man natürlich Produktionsengpässe schon in Betracht ziehen muß,
    aber gefehlt hat doch nichts und die Lieferpräsens war doch in den meisten Fällen gegeben und China ist sicherlich ein wichtiger Markt, aber es gibt ja auch noch andere Liefer -und Produktionsländer, die auch etwas vom Kuchen abhaben möchten.

    Mir persönlich ist nicht aufgefallen, daß ich auf irgendetwas verzichten mußte, von kleinen Ausnahmen abgesehen, die damit die eigene Welt auf den Kopf gestellt hätte und deshalb werde ich den Verdacht nicht los, daß eine Knappheit auf allen Ebenen, insbesondere bei Rohstoffen auch künstlich herbeigeführt wurde um die Preise zu erhöhen und das widerrum führte nun zu der steigenden Inflation und wer seine Bedarfsanalyse im Griff hat, der weiß doch, daß mehrheitlich alles verfügbar, war und wer nicht beweglich ist und nicht auf Ersatz umsteigen wollte, der mußte halt warten.

    Das Geschäft war und ist dann für gewisse Monopolisten geradezu ideal, denn die konnten künstlich verknappen um ihre Interessen durchzusetzen und darin befinden wir uns nun und das wird auch nicht mehr so schnell verschwinden, weil jede Krise auch große Gewinne beinhaltet und wer Geld hat kriegt ehedem alles. das ist erst nicht mehr der Fall bei einem totalen Zusammenbruch, von dem wir aber derzeit noch entfernt sind.

    Ein typisches Beispiel ist der Rohstoff Holz. Wer die höchsten Preise in der Krise bezahlt erhält auch den Zuschlag und damit wird das Angebot einseitig und zugleich teuer und das kann man fortsetzen auf allen Ebenen und wie immer sind die Krisengewinnler zuerst an der Reihe und der Rest muß warten, und das kann dann für einige zum Problem werden, der Endverbraucher hat aber davon nicht allzuviel mitbekommen.

  2. Heutigentags werden Versorgungskrisen größtenteils gezielt herbei geredet.

    Sie werden auch gerne inszeniert – wie es das Beispiel der rätselhaften Havarie mit der MS EVER GIVEN aufzeigt, die jetzt in skurril bedächtiger Art wieder zu ihrem Bestimmungshafen unterwegs ist.

    Eine echte Krise könnte die E-Energieversorgung bereiten, wenn die grüne Hype erst mal durchschlägt.

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