Alte und neue offizielle Feinde

Während er sein Bestes gab, um Präsident Bidens 750 Milliarden Dollar-Militärbudget zu rechtfertigen, sagte General Mark Milley, der Vorsitzende der Joint Chiefs of Staff vor dem Kongress, dass Chinas Militär seine militärischen Fähigkeiten mit einer “sehr ernstzunehmenden und anhaltenden Rate” ausbaut.

Von Jacob G. Hornberger / Antikrieg

Nun, natürlich hat es das. Wie sonst würde das nationale Sicherheitsestablishment der USA seine ständig steigenden Budgets rechtfertigen? Ich bin nur überrascht, dass Milley Russland nicht im gleichen Atemzug erwähnt hat, ebenso wie Nordkorea, Kuba, die Taliban, Venezuela, den Iran und all die anderen kleineren offiziellen Feinde, vielleicht sogar das kommunistische Vietnam.

China und Russland waren die beiden offiziellen Feinde – oder “Rivalen”, “Gegner”, “Feinde” – während des Kalten Krieges, in dem es Pentagon, CIA und NSA gut ging. Das war, als beide Länder angeblich Teil einer internationalen kommunistischen Verschwörung waren, die ihren Sitz angeblich in Moskau hatte. Wenn nicht immer mehr Geld der US-Steuerzahler in die Kassen des nationalen Sicherheitsapparats der USA fließen würde, so wurde argumentiert, würde Amerika am Ende an diese internationale kommunistische Verschwörung fallen.

Tatsächlich war es diese angebliche Bedrohung durch den “gottlosen Kommunismus”, die von Moskau ausging, die die Umwandlung der Bundesregierung in einen Staat der nationalen Sicherheit überhaupt erst rechtfertigte. Mehr als 150 Jahre lang funktionierte die Bundesregierung als eine Republik mit begrenzten Befugnissen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie in einen Staat der nationalen Sicherheit umgewandelt, um den Kalten Krieg gegen China, Russland und den Rest der Sowjetunion, andere kommunistische Länder und den Kommunismus im Allgemeinen zu führen. Das war der Zeitpunkt, an dem das nationale Sicherheitsestablishment der USA allmächtige Befugnisse erlangte, einschließlich der Macht der Ermordung.

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Wie wir in unserer kürzlichen Online-Konferenz “Der Staat der nationalen Sicherheit und das Kennedy-Attentat” dargelegt haben, hatte Präsident Kennedy im Sommer 1963 einen Durchbruch erzielt und erkannt, dass diese Angstmacherei des Kalten Krieges nichts weiter als eine Masche war. In seiner Friedensrede an der American University warf er den Fehdehandschuh hin, indem er ein Ende des Kalten Krieges und die Absicht erklärte, dass die Vereinigten Staaten in friedlicher Harmonie mit der kommunistischen Welt existieren sollten.

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Das besiegelte John Kennedys Schicksal. Kein Präsident seit Kennedy hat das gewagt.

Nachdem Kennedy aus dem Amt entfernt worden war, bekamen die Amerikaner den Vietnamkrieg und weitere 25 Jahre mit immer mehr Geld, Einfluss und Macht für das nationale Sicherheitsestablishment.

Es wurde von fast allen angenommen, dass der Kalte Krieg ewig weitergehen würde. Zum Schock des nationalen Sicherheitsestablishments der USA beendete die Sowjetunion 1989 einseitig den Kalten Krieg. China war natürlich immer noch da, genauso wie Nordkorea und Kuba. Aber das Pentagon und die CIA wußten, daß ohne die Sowjetunion ihre Betrügerei mit dem Kalten Krieg nicht mehr mächtig genug sein würde, um immer größere Budgets zu rechtfertigen.

Das war, als sie in den Nahen Osten gingen und begannen, Menschen zu töten, zu zerstören und zu demütigen, wissend, dass dies fast sicher terroristische “Blowbacks” oder Vergeltung produzieren würde. Und das tat es auch: das World Trade Center 1993, die USS Cole und die US-Botschaften in Ostafrika. Keiner dieser Vorfälle reichte jedoch dafür, einen gigantischen neuen offiziellen Feind abzugeben, der die Sowjetunion und den gottlosen Kommunismus ersetzen würde.

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Aber dann kamen die Anschläge des 9/11, die den neuen offiziellen Feind lieferten, um den Kommunismus zu ersetzen – “Terrorismus”. Das Pentagon, die CIA und die NSA waren wieder auf Schiene mit immer höheren jährlichen Budgets, um ihren “globalen Krieg gegen den Terrorismus” zu führen.

Die Terroranschläge vom 9/11 wurden dann als Vorwand benutzt, um in Afghanistan und im Irak einzumarschieren, wo die US-Streitkräfte über viele Jahre hinweg massiven Tod und Zerstörung anrichteten, was für mehr Wut und Zorn sorgte, was wiederum einen nie endenden Nachschub an neuen Terroristen garantierte.

So hatten das Pentagon und die CIA einen weiteren offiziellen Feind gefunden, einen, der wahrscheinlich Jahrzehnte überdauern würde, vielleicht sogar länger als die Sowjetunion und der gottlose Kommunismus.

Aber nach 20 Jahren Interventionismus in Afghanistan und im Nahen Osten sind die US-Streitkräfte nun auf dem Rückzug, was bedeutet, dass die ganze Angstmacherei darüber, dass die Terroristen kommen, um uns zu holen, nicht mehr die Wirkung hat, die sie in den Jahren nach den Anschlägen vom 11. September 2001 auf die Amerikaner hatte.

Was ist jetzt zu tun? Die Antwort liegt auf der Hand: Es ist jetzt an der Zeit, zu China und Russland als Amerikas alten und neuen offiziellen Feinden zurückzukehren. Die Bedrohung durch eine internationale Verschwörung mit gottlosem Kommunismus, die angeblich von Moskau ausgeht, wird nicht zur Verfügung stehen, aber die Hoffnung ist, dass die Amerikaner trotzdem genauso viel Angst haben werden, so dass sie die immer größer werdenden Summen an Steuergeldern, die in die Kassen des Militärs und des Geheimdienstes fließen, nicht in Frage stellen.

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Es gibt nur eine Lösung für diese schmutzige, tödliche, zerstörerische und korrupte Gaunerei: die Demontage, nicht die Reform des Apparats des nationalen Sicherheitsstaats und die Wiederherstellung von Amerikas ursprünglichem Regierungssystem, nämlich einer Republik mit beschränkter Regierungsgewalt. Das ist der Weg, um Amerika zu Frieden, Wohlstand und Harmonie mit den Menschen in der Welt zu führen.

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Ein Kommentar

  1. Nun soll mir doch mal jemand erklären, warum man ausgerechnet Rußland zum Feind erklärt, die ehemalige Kriegspartner gegen Hitlerdeutschland waren und anschließend nur ihren Siegerstatus eingefordert haben, wie die Alliierten im Westen und das Rußland damals noch von Stalin geprägt wurde, kann man doch den Russen nicht vorwerfen, das war das Ergebnis aus der Oktoberrevolution und die im Westen hatten einfach Glück, daß die Teilung nicht anders verlaufen ist.

    Mal ganz von dem abgesehen, daß General Patton in weiser Vorraussicht gefordert hatte, den Stalinismus durch sofortigen Durchmarsch zu besiegen und wäre das gelungen, dann stünden sich beide Mächte nicht mehr so feindlich gegenüber, weil es dem Kommunismus den Nährboden entzogen hätte und die Folgeregierungen ja schon seit Jahrzehnten bemüht sind sich der Welt anzupassen, was nicht so ganz einfach ist, wenn man die Welt betrachtet, aus der sie kommen.

    Im übrigen verbindet Europa viel mit Rußland über die Vergangenheit vor dem 1. und 2. Weltkrieg, über deren Ursachen sich trefflich streiten läßt und eines ist sicher, Rußland ist ein großer Bestandteil Europas und wer das ignorieren will ist ein Trottel oder ein böser Mensch, der seiner Verantwortung nicht gerecht wird und alles was in der Vergangenheit, auch in jüngerer Zeit geschehen ist, hat etwas mit der agressiven und rechtlosen Politik des Westens zu tun, wobei die Russen keine Waisenknaben sind, aber den Rückzug aus Deutschland und Osteuropa haben sie vereinbarungsgemäß abgewickelt und zum Dank dafür schwenkt man Natofahnen vor deren Haustür, was gegen alle Abmachungen verstößt und dann werden sie noch dafür gescholten, sie seien agressiv, was für eine Verdrehung von Tatsachen, wo sich jedem rechtsbewußten Bürger bei der Betrachtung der Magen umdreht, bei soviel Hinterlist, die nicht mehr zu toppen ist und eine gefährliche Situation heraufbeschwört und weniger von den Russen zu vertreten ist, als vom Westen.

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