Russland, der Iran und ein nuklearer SWIFT-Erstschlag

Jim Sinclair sagte uns vor langer Zeit, dass der Moment, in dem die Obama-Regierung den Schweizern mit dem Ausschluss von SWIFT drohte, weil sie ihre gepriesenen Regeln zum Schutz der Privatsphäre von Banken öffneten, einem nuklearen Erstschlag gleichkam.

Vor dieser Drohung war SWIFT den meisten Menschen so unbekannt wie die geheimsten Aspekte der Teilchenphysik. Es war das Mittel, mit dem Geld auf magische Weise um die Welt bewegt wurde. Ohne SWIFT könnte das moderne Finanzwesen und der Handel nicht existieren, und deshalb war die Politisierung dieses Systems ein Anathema.

SWIFT ist nur ein Code. Es ist nur ein Kommunikationsprotokoll. Code ist einfach zu schreiben. Er kann im Handumdrehen kopiert, verändert, gesichert und neu geschrieben werden. Es ist in keiner Weise ein Graben um ein Unternehmen.

Ich weiß, was ihr Bitcoin-Bären denkt. Bitcoin ist Code, der repliziert, geforkt, kopiert, umgeschrieben, etc. wurde. Ja, das kann es sein. Aber es wäre nicht Bitcoin. Und die “Münzen”, die vom Netzwerk vergeben werden, sind durch etwas geschützt, das nicht repliziert werden kann, Mathematik.

SWIFT-Transaktionen sind auf die gleiche Weise sicher durch Verschlüsselung, genau wie bitcoin. Aber es ist ein zentralisiertes System, das angeblich unabhängig ist, aber Obamas Drohung an die Schweizer beendete die Illusion, wer es wirklich kontrolliert.

Nebenbei bemerkt, wenn SWIFT schlau wäre, würden sie ihr System tokenisieren und ihren Nutzern Governance-Rechte einräumen, um einen Sekundärmarkt für die Sicherung der Nutzung ihrer Dienste zu schaffen.

Was SWIFT und Bitcoin gemeinsam haben, ist Mindshare und, im Fall von SWIFT, Marketshare. Bitcoin wird von allen Seiten von aufstrebenden Unternehmen bedrängt, die versuchen, ihm Mind- und Marktanteile abzunehmen – Litecoin, Ethereum classic, Monero, Decred, DASH, etc. Sie alle konkurrieren um einen Platz im Ökosystem.

Lesen Sie auch:  Wie St. Petersburg das eurasische Jahrhundert kartografiert

SWIFT, das sich genauso wie die Zentralbanken in privater Hand befindet, unterliegt den gleichen Wettbewerbseffekten, aber im Gegensatz zu bitcoin, und hat einen enormen Marktanteilsvorteil gegenüber allen anderen Wettbewerbern.

In der Tat hatte SWIFT bis vor ein paar Jahren keine Konkurrenz. Und, so könnte man argumentieren, und in der Tat tat Sinclair das zu der Zeit, SWIFT braucht keine Konkurrenz. Deshalb war der Ausschluss von SWIFT eine so große Sache für jeden, der damit bedroht war. Die Vorstellung, dass irgendjemand es jemals als Waffe zur Durchsetzung der Innenpolitik und als Werkzeug der Diplomatie und des hybriden Krieges einsetzen würde, war undenkbar, weil damit ein finanzielles Wettrüsten beginnen würde, das niemand anstreben sollte.

Aber mit ihrem Monopol und dieser Trägheit, die vorherrschend war, wurden die Schweizer auf dem Trockenen sitzen gelassen, als dies geschah.

Die Tatsache, dass die Obama-Regierung SWIFT politisierte, als sie es tat, beendete eine Ära der internationalen Finanzwelt. Das Weltfinanzsystem beendete jegliche Illusionen darüber, wer das Sagen hat und wer welche Bedingungen diktiert.

Das Problem dabei ist, dass es kein Zurück mehr gibt, wenn man sich einmal dorthin begeben hat, was Sinclair schon vor über einem Jahrzehnt gesagt hat.

Der Schweiz mit dem Ausschluss von SWIFT zu drohen, war kein Zeichen von Stärke, sondern ein Zeichen von Schwäche. Nur schwache Menschen tyrannisieren ihre Freunde zur Unterwerfung. Es zeigte, dass die USA kein anderes Druckmittel als SWIFT gegenüber den Schweizern hatten, ein klares Zeichen von Verzweiflung.

Und genau das taten die USA, als sie den großen roten ‘History Eraser’-Knopf drückten.

Lesen Sie auch:  Globale Versorgungskrise weit schlimmer als gedacht

Die Schweizer knickten ein. Ihr gepriesenes Bankgeheimnis ist nun ein Teil der Geschichte.

Der vollständige Premium-Artikel ist nur für Abonnenten sichtbar.

Bitte hier klicken und ein Abo (Werbefreiheit, Extras) 

bereits ab € 4,95/Monat abschließen!

Liebe Leser, wenn sie keine Premiumartikel lesen möchten, aber uns dennoch unterstützen wollen, dann können sie das auch mit einer Spende auf unser Bankkonto tun. Fragen sie per email: redaktion@contra-magazin.com nach den Bankdaten oder übersenden sie einen Unterstützungsbeitrag einfach per Paypal. Danke für ihre Hilfe!

Eine Analyse von Tom Luongo

Teilen Sie diesen Artikel:

3 Kommentare

  1. Nun kann man jeden Vorgang dieser Welt in tausend Einzelteile zerlegen, was aber nichts an der Tatsache ändert, daß sich das Wasser immer eine neue Bahn sucht, auch wenn zunächst der Eindruck entsteht, man hätte es kanalisiert und solange es Wasser gibt, wird es nur sehr schwer zu bändigen sein, es ist zu beweisen durch die negativen Folgen der Rheinbegradigung, die als Ergebnis die Fließgeschwindigkeit und das Ausweichen erschwerte und nun zu weit höhere Schäden führen kann als früher.

    Das gleiche gilt für den Deichbau, wo man die Höhe anpassen kann, aber nur bis zu einem gewissen Grad und dann steht ehedem später alles unter Wasser und demzufolge sind solche Bemühungen zwar verständlich, aber auf Dauer sinnlos, weil man selbst mit solchen Maßnahmen nur einer vorrübergehenden Illussion unterliegt, die über kurz oder lang alles wieder aufheben.

    Das gleiche gilt für den Zahlungsverkehr, wo man glaubt diesen kanalisieren zu können, was natürlich auch eine gewisse Zeit funktionieren kann und auch gewisse Vorteile aufweist, aber auch hier wird die Kreativität der Kräfte total unterschätzt, denn wer in die Ecke gedrängt wird, schafft zwangsläufig eigene Modalitäten und die Schweiz ist ja nicht gerade mit seiner zentralen Lage das Vorzeigemodell, wie man sich solcher Attacken erwehrt, haben sie sich ja durch ihre Neutralität zum vermeintlichen Hort der Sicherheit gemacht und sind dennoch hochgradig abhängig von all jenen, die dort ihr Geld gebunkert haben, was auch nicht gerade als sichere Zukunftsperspektive anzupreisen ist, gerade in dieser schnelllebigen Zeit, wo das Geld in Sekunden durch die ganze Welt schwirrt und im Prinzip von niemand zu greifen ist. Ein weiteres Beispiel wäre Zypern, wenn dort das Geld abwandert, sind sie pleite für alle Zeiten, sie wollen es nur nicht wahrhaben.

    Die Staaten außerhalb des westlichen Verbundes kennen natürlich die Gefahr der Abhängigkeit und sind schon seit Jahren bemüht, sich durch eigene Präferenzen davon zu befreien und Not macht erfinderisch, das kann im Westen selbst geschehen, wenn sie es auf die Spitze treiben und im Ausland erst recht, denn die haben die Macht und die Fähigkeit dem etwas entgegen zu stellen und deswegen wackelt ja auch das ganze System hierzulande und ist nicht mehr zukunftstauglich und was früher noch helfen konnte ist heute in vielen Fällen ein Papiertiger, das wissen sie selbst schon sehr genau und deswegen auch noch die letzten Drohungen nach allen Seiten um sich noch vermeintlichen Respekt zu verschaffen, was dem Kläffen eines älteren Hundes entspricht, dessen Tage schon lange vorbei sind, er sich aber noch nach alten Mustern verhält.

  2. Seit 2014 wird in regelmäßigen Abständen von westlichen Staaten gefordert, Russland vom SWIFT-System abzuschalten. Interessant ist, dass das SWIFT-System eine belgische Firma ist – eine Privatfirma also, deren Hauptpartner die Bank of New York ist, die mit den Zentralbanken in fast allen Ländern Kooperationsverträge zur Abwicklung von Geldüberweisungen geschlossen hat. – Alle Geldbewegungen fließen zur Zeit also noch über NY.

    Würde man nun Russland z.B. abkoppeln, könnte zwischen Deutschland und Russland kein Geld mehr bewegt werden.
    Damit wären z.B. deutsche Vertretungen nicht mehr in der Lage ihr russisches Personal zu bezahlen, und auch keine Strom-, Gas-, und Wasserrechnungen, und deutsche Autofirmen könnten z.B. ihre russischen Arbeiter nicht mehr bezahlen. Westliche Kreditkarten würden auch nicht mehr in den russischen Läden akzeptiert werden usw. usw.

    Dem Lambsdorff von der FDP und seinen US-Vollhonks ist offensichtlich überhaupt nicht klar, dass sie sich mit einer solchen unüberlegten Sankton nur ins eigene Knie schießen würden.

    Der Witz bei der Geschichte ist, dass Russland und China bereits ein eigenes SWIFT aufgebaut und an die Linie gebracht haben und nur auf den Startschuß warten – eigene Kreditkartensysteme haben beide schon lange. – Man ist also durchaus gerüstet, damit der unvermeidliche Stillstand nur von kurzer Dauer wäre.

    Im weiteren Verlauf einer solchen Entwicklung würden sich aber weitere Staaten, wie Iran und neuerdings auch Saudi Arabien, diesem “östlichen SWIFT” anschließen – das

  3. Im weiteren Verlauf einer solchen Entwicklung würden sich aber weitere Staaten, wie Iran und neuerdings auch Saudi Arabien, diesem “östlichen SWIFT” anschließen – das wäre dann das Ende des Dollars als Leitwährung.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.