Die neue “Enfant Terrible”-Rolle der Türkei verblüfft selbst die Experten der Region

Wie ist der wankelmütige Recep Erdogan in das militärische geopolitische Gerangel geraten, in dem er sich sowohl mit dem Pentagon als auch mit Russland befindet?

Der April war ein ziemlich anstrengender Monat für die in Ankara ansässigen Auslandskorrespondenten, die mit einem scheinbar nicht enden wollenden Strom von Nachrichten über die Rolle der Türkei in der Welt beschäftigt waren. Nachdem sich der Staub gelegt hat, könnten viele Analysten zu dem Schluss kommen, dass die Türkei nun isolierter ist als je zuvor. Der neue Schurkenstaat im Nahen Osten. Die Frage ist, ob die Region besser dran und stabiler ist, und – kritisch – ob das daraus resultierende Tauwetter in den Beziehungen sowohl zu Ägypten als auch zu Saudi-Arabien nachhaltig ist.

Aus der Sicht eines Analysten war die Geopolitik der Türkei immer ein bewegliches Ziel, das niemand ganz verstehen konnte. Die undurchsichtige Natur von Herrn Erdogans Strategie verwirrte sogar die besten türkischen Schreiberlinge und ließ ihn mit seiner Serendipität zeitweise fast wie Trump aussehen.

Die geomilitärische Strategie, das russische Raketensystem S-400 zu kaufen und sich vorzustellen, dass die USA der Türkei erlauben würden, auch die in den USA hergestellten F-35 zu haben, war schon immer ein Hirngespinst.

Ursprünglich hatte sich die Türkei zum Kauf von 100 F-35-Kampfjets verpflichtet. Im Jahr 2018 waren sechs für die Türkei bestimmt, mit einigen Bedingungen über die Pilotenausbildung, aber die tatsächliche Lieferung der Jets wurde verschoben, nachdem die S-400-Krise zwischen den USA und der Türkei begann.

Doch im Juli 2020 sah es zunehmend wackelig aus, da acht ursprünglich für die Türkei vorgesehene Jets stattdessen von der U.S. Air Force gekauft wurden, woraufhin die Lieferung von Teilen für die Jets aus der Türkei gestrichen wurde.

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Eine Analyse von Martin Jay

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3 Kommentare

  1. Das scheinen alle Potentate so an sich zu haben sich zwischen die Fronten zu setzen, der eine aus Eigensinn, Selbstüberschätzung und Großmannssucht und der andere aus vermeintlichen Fehlern aus der Vergangenheit heraus die es auch mit Gewalt zu korrigieren galt und das hat dann den eigenen Kopf gekostet hat und er einzige der schlau genug war um das für sich persönlich in Europa nicht zum Eklat kommen zu lassen war der alte Generalisimus aus Spanien, dem es noch gelungen ist im Bett zu sterben, während manch anderer der Sehnsucht unterliegt sich durch nationalistische Heldentaten einen Namen zu machen und sich dabei der Gefahr aussetzt, sich unbeliebt zu machen, was dann der Gesundheit auf Dauer doch abträglich sein könnte.

  2. So kritikwürdig Erdogans selbstherrlicher Regierungsstil auch sein mag, so erfolgreich würde ich ihn in seinen geopolitischen Schachzügen bewerten. Es ist ihm gelungen, sowohl die USA bzw. NATO, als auch die RF als in kontroversen Fragen (S 400-Kauf, NATO-Stützpunkt, Quasi-Protektorat in Syrien, Berg-Karabach, Drohnenverkäufe an die Ukraine, selbständiges Vorgehen in Lybien und in der Ägäis usw. ) letztlich hilflose Papiertiger vorzuführen und damit seinem Land nicht nur einen respektablen Status als Regionalmacht zu sichern, sondern den Grundstein für eine pantürkische Suprematie in Zentralasien zu legen, ja eventuell hiermit den Neubeginn einer künftigen Gruppe blockfreier Staaten einzurichten. Womöglich wird er eines Tages, wenn auch unter anderem Vorzeichen, das politische Erbe Titos übernehmen, sofern dies die westliche Wertegemeinschaft nicht rechtzeitig unterbindet. Es wurde ja bereits spekuliert, dass die aktuell existierende Türkei manch westlichem Strategen zu groß erscheint. Ein Vorwand, das Land zu bombardieren und in kleinere und abhängige Teilgebiete zu zerlegen, lässt sich im Bedarfsfall schnell finden. Erdogan sollte das Schicksal Jugoslawiens im Blick behalten.

  3. Ob die Türkei auch die bereits erfolgte Zahlung für die F35 zurück bekommen?
    Oder wird die Kohle einbehalten als “Sanktion” haha

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