“Der Wille des Landes”: Riesiger Sieg für schottische Nationalisten

Die Pro-Unabhängigkeit-Parteien SNP und Grüne haben bei den Regionalwahlen in Schottland eine starke Mehrheit erhalten. Dies wird die Unabhängigkeitsbewegung weiter stärken.

Von Redaktion

Das letzte, sehr umstrittene schottische Unabhängigkeitsreferendum fand im September 2014 statt und zeigte, dass der Wunsch der schottischen Bevölkerung, die drei Jahrhunderte alte Union mit England und Wales zu verlassen, an Schwung gewann. Zu dieser Zeit näherte sie sich der Hälfte – mit dem Ergebnis von 2014, dass 55 Prozent für den Verbleib und 45 Prozent für die Unabhängigkeit stimmten.

Es wird nun weithin angenommen, dass, wenn das Vereinigte Königreich heute eine weitere Abstimmung zuließe, diese Marge viel knapper wäre, und es sieht so aus, als würde dieser Showdown nun früher kommen als gedacht, nach dem entscheidenden Wahlsieg der Schottischen Nationalpartei (SNP) der Ersten Ministerin Nicola Sturgeon am Samstag. Sturgeons erste Erklärung richtete sich direkt an London und Boris Johnson, als sie ein weiteres Unabhängigkeitsreferendum als den “Willen des Landes” bezeichnete.

Ihre SNP gewann 64 Sitze im schottischen Parlament, womit ihr nur noch ein Sitz zur Mehrheit fehlt. Das ist sogar ein leichter Zuwachs gegenüber 2016, was sicherstellt, dass erneut ein rechtlicher und verfassungsrechtlicher Kampf um die Zukunft des Vereinigten Königreichs entfacht wird.

In Anbetracht der Tatsache, dass die für die Unabhängigkeit eintretenden schottischen Grünen ebenfalls enorme Zugewinne erzielten, was weithin als ihr bestes Ergebnis aller Zeiten angesehen wird, ist das Ergebnis eine sichere Mehrheit für die Unabhängigkeit.

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Sturgeon machte London schnell auf sich aufmerksam:

Ein Unabhängigkeitsreferendum wurde im Manifest sowohl der SNP als auch der schottischen Grünen versprochen, und Frau Sturgeon erklärte: “Es ist eine Verpflichtung gegenüber dem Volk, die von einer Mehrheit der MSPs, die in unser nationales Parlament gewählt wurden, eingegangen wurde.”

“Es ist der Wille des Landes.”

“Angesichts dieses Ergebnisses gibt es einfach keine demokratische Rechtfertigung für Boris Johnson oder irgendjemand anderen, der versucht, das Recht des schottischen Volkes zu blockieren, unsere Zukunft zu wählen.”

Wenn der Antrag abgelehnt wird, sagte Frau Sturgeon, “wird es schlüssig demonstrieren, dass das Vereinigte Königreich keine gleichberechtigte Partnerschaft ist und dass – erstaunlicherweise – Westminster das Vereinigte Königreich nicht mehr als eine freiwillige Union von Nationen sieht”.

Sie fügte hinzu: “Das wäre an sich schon ein sehr starkes Argument für die Unabhängigkeit.”

Sturgeon erklärte weiter, das Abstimmungsergebnis sei ein klares und dringendes Mandat für Schottland, die Vorbereitungen für ein zweites Unabhängigkeitsreferendum voranzutreiben, das abgehalten werden soll, sobald die Covid-19-Pandemie vorbei ist.

Die Rabobank kommentierte die Bedeutung dieses Wochenendes wie folgt:

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Die schottischen Regionalwahlen am 6. Mai haben möglicherweise einen großen Einfluss auf die Zukunft Schottlands und Großbritanniens, da die Unabhängigkeit wieder ganz oben auf der Tagesordnung steht. Die Scottish National Party wird voraussichtlich mit deutlichem Vorsprung gewinnen und wird dann wahrscheinlich behaupten, ein neues Mandat für ein Referendum gewonnen zu haben. Die Konservative Partei, offiziell die Conservative and Unionist Party, wird ihrerseits weiter für die Union plädieren. Aber selbst wenn Premierminister Johnson Schottland ein zweites Unabhängigkeitsreferendum verweigert oder eine härtere Taktik anwendet, um “Scoxit”-Gefühle zu unterdrücken, wird sich die Kluft zwischen Schottland und England wohl noch vergrößern. Die schottischen Regionalwahlen sollten ganz durch dieses Prisma betrachtet werden.

In der Zwischenzeit sagte Sturgeon ihren Anhängern, dass es an der Zeit sei, “geduldig unsere Mitbürger” von den Argumenten für ein unabhängiges Schottland zu überzeugen.

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2 Kommentare

  1. Schottland ist pleite. Ohne das Geld aus Westminster gingen hier die Lichter ganz schnell aus.
    Was Nicola Sturgeon weitestgehend “vergisst” zu erwähnen, ist, dass Schottland alleine nicht überlebensfähig ist. Deshalb will sie ja auch zurück in die EU. Sie braucht nämlich jemanden, der ihre ganzen sozialistischen Maßnahmen bezahlt. Gerade eben hat sie, passend zur Wahl, den NHS Angestellten eine satte Gehaltserhöhung von 4% verpasst. Alle anderen haben ihren Mindestlohn um 50 Pence (etwa 58 €Cents) erhöht bekommen.
    Die schottische “Unabhängigkeit” wird also keine sein.
    Überhaupt hat die SNP eine ganz üble Bilanz im Bereich Bildung, Arbeit, Verkehr und Infrastruktur, von den vielen Drogentoten gar nicht zu reden. Alles überdeckt durch das Unabhängigkeitsgerede!
    Kurzum, Nicola ist auch nicht besser als die Demokraten in den USA, Trudeau in Kanada oder Merkel in Deutschland. Und sie wird zusammen mit den Grünen regieren, um ihre Mehrheit zu sichern.
    Also auch in Schottland der übliche Globalistenmist wie Klimawandel, Rassismus usw.!

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