Hat Washington Erdogan in eine Bärenfalle gelockt?

Nachdem es nicht gelungen war, den Kauf des fortschrittlichen russischen Luftabwehrsystems S-400 durch die Türkei zu blockieren, schien es der Washingtoner Diplomatie in den letzten Monaten gelungen zu sein, den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zur Unterstützung der US-Interessen in mehreren kritischen Ländern von Libyen über Armenien bis zur Ukraine und sogar Afghanistan zu “überreden”. Mit der türkischen Wirtschaft am Rande der Katastrophe, während die Lira abstürzt, sieht es mehr und mehr so aus, als ob zynische Strategen in Washington den gerissenen Erdogan lediglich in eine tödliche Bärenfalle gelockt haben könnten.

Der türkische Präsident Erdogan wird als Meister darin bezeichnet, alle Seiten zu seinem Vorteil auszuspielen, ein politisches Chamäleon, das von Washington und der NATO, in der die Türkei ein wichtiges Mitglied ist, zu Russland und dem Iran und auch China übergelaufen ist.

Im Jahr 2016 beschuldigte er die CIA, hinter einem Putschversuch zu stecken, um ihn zu ermorden und die CIA-gesteuerten Netzwerke des Exilanten Fethullah Gülen an die Macht zu bringen, da Washington genug von Erdogans Loyalitätssprüngen gehabt habe. Der Putsch scheiterte und Berichten zufolge wurde Erdogan vom russischen Geheimdienst abgehört, was ihm das Leben rettete. Danach verbesserten sich die Beziehungen zu Moskau merklich. Im November 2015 hatte Russland ein strenges Reiseverbot für russische Touristen in die Türkei und ein Verbot für türkische Lebensmittelimporte verhängt – als Vergeltung für den Abschuss eines russischen Jets durch einen türkischen Jet auf syrischem Gebiet, eine Kriegshandlung. Die russischen Sanktionen trafen die türkische Wirtschaft tief.

Dann begann Erdogan eine Verschiebung in Richtung Moskau. Im Jahr 2017 ignorierte die Türkei wiederholte Proteste aus Washington und der NATO und stimmte dem Kauf des fortschrittlichen russischen S-400 Luftabwehrraketensystems zu, das als das modernste der Welt gilt. Zur gleichen Zeit begann Russland im Oktober 2016 mit dem Bau der ersten von zwei Schwarzmeer-Gaspipelines in die Türkei, TurkStream, was Ankara und Washington weiter entfremdete.

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Eine Analyse von F. William Engdahl

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2 Kommentare

  1. Um die Denkstrukturen der Osmanen zu verstehen, sollte man Karl Mays Buch “Durchs wilde Kurdistan” gelesen haben.

    Erdogan ist ein Prototyp in Reinform dessen, was man als “Osmanen” ansehen könnte. – Er ist ja auch nicht in die Bärenfalle getappt, die ihm die Yankees im Juli 2016 aufgestellt hatten. – Das wird er denen aber nie mehr vergessen – damit müssen die Fallensteller fortan zurecht kommen.

    Wie er allerdings ferner mit denen umgeht, die ihm quasi das Leben gerettet haben, bleibt dabei fragil.

  2. Das Wort der US-Amerikaner hängt ganz vom wirtschaftlichen und geostrategischen Aspekt ab und kommt ihnen jemand in die Quere, als Beispiele sind der Irak und Lybien zu nennen, dann kann es selbst für den besten Freund gefährlich werden und die ersten die es zu spüren bekamen waren die Ungarn während der russischen Besatzungzeit, wo man sie zum Aufstand ermuntert hatte und dann im Stich gelassen hat und so sind sie halt die lieben Freunde jenseits des Atlantiks, umsonst gibt es bei denen nichts und in jüngster Zeit kommt ja auch auf uns was zu in der Russisch/Deutschen Pipeline-Angelegenheit und da wird es sich dann erneut zeigen wer Koch oder Kellner ist, wobei es zur zur Eigenheit der Deutschen gehört, gerne Kellner zu bleiben, entweder aus der Unfähigkeit heraus, oder mangels eigener Courage, die uns ja seit Jahrzehnten erfolgreich abtrainiert wurde und wir uns ganz wohl fühlen in unserer Satrapenrolle.

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