Biden beendet den Afghanistan-Krieg nicht, er privatisiert ihn

Pentagon: “Unklar” ob über 18.000 Auftragnehmer Afghanistan jemals verlassen werden.

Von Dave DeCamp / AntiWar

Während Präsident Biden sagte, dass er Truppen aus Afghanistan zurückziehen wird, ist es nicht klar, ob sich sein Plan auf die Tausende von Auftragnehmern, die für das Pentagon arbeiten, die noch in dem Land sind, erstreckt.

Als er am Freitag zu diesem Thema befragt wurde, sagte Pentagon-Sprecher John Kirby, er sei sich nicht sicher. “Was die Auftragnehmer betrifft, so wissen wir es nicht genau. Es gibt einige vorläufige Pläne. Und klar, das Ziel ist es, unser gesamtes Personal herauszuholen, und ich vermute, dass die Auftragnehmer ein Teil davon sein werden. Aber ob es immer noch einen Bedarf an Unterstützung durch Auftragnehmer geben wird, weiß ich einfach nicht”, sagte er.

Die USA planen, das afghanische Militär und die Luftwaffe weiterhin zu unterstützen. Da der Großteil der Instandhaltung für diese Streitkräfte von US-Auftragnehmern durchgeführt wird, besteht eine gute Chance, dass das Pentagon eine fortgesetzte Präsenz von privaten Auftragnehmern rechtfertigen wird.

Nach Zahlen, die im Januar veröffentlicht wurden, arbeiten über 18.000 Auftragnehmer in Afghanistan. Etwa 4.700 der derzeitigen Auftragnehmer sind Afghanen, die vor Ort angeworben wurden. Die übrigen kommen von außerhalb des Landes, darunter etwa ein Drittel mit US-Staatsbürgerschaft.

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Nach Angaben von Stars and Stripes sind 1.575 der Auftragnehmer bewaffnete Söldner, meist Amerikaner und andere Ausländer. Obwohl diese Zahl nur eine kleine Kampftruppe ist, könnte sie mit Geheimdienstmitarbeitern und Stellvertretern wie dem afghanischen Militär kombiniert werden, um den USA die Möglichkeit zu geben, innerhalb Afghanistans zuzuschlagen.

Verteidigungsminister Lloyd Austin sagte am Mittwoch, dass die USA “Anti-Terror-Einheiten” in der Region unterhalten wollen. Am Dienstag zitierte die New York Times aktuelle und ehemalige US-Beamte, die sagten, dass die USA “höchstwahrscheinlich auf eine undurchsichtige Kombination aus geheimen Spezialkräften, Pentagon-Vertragspartnern und verdeckten Geheimdienstmitarbeitern setzen werden”, um Operationen in Afghanistan durchzuführen.

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In einer separaten Notiz merkt Jeremy Kuzmarov an, dass die Bedeutungslosigkeit von Präsident Bidens Ankündigung offensichtlich wird, wenn wir bedenken, dass das Pentagon mehr als sieben Auftragnehmer für jeden Soldaten oder jede Soldatin in Afghanistan beschäftigt, eine Steigerung von einem Auftragnehmer für jeden Soldaten oder jede Soldatin vor einem Jahrzehnt.

Diese Zahlen spiegeln die Strategie der US-Regierung wider, den Krieg zum Nutzen privater Söldnerunternehmen auszulagern, und als Mittel, den Krieg von der Öffentlichkeit zu distanzieren und Widerspruch abzuwenden, da relativ wenige Amerikaner direkt davon betroffen sind.

Solange das US-Imperium intakt bleibt, wird der Krieg als solcher weitergehen, und weiter… und weiter.

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Ein Kommentar

  1. Eine Renaissance des alten Söldnerwesens, was keine Erfindung der Neuzeit ist und seinen Höhepunkt im dreißigjährigen Krieg hatte, wo ein katholischer Kaiser einen Heerführer gegen die Protestanten einsetzte, der dann seine Soldaten über Plünderungen finanzierte und das war dann im Eigeninteresse der Empfänger eine großangelegte Offensive und hat vor niemand halt gemacht bis hinein ins letzte Haus und die Kollateralschäden waren gewaltig, weil der Krieg die Soldaten ernährte und das alles ohne Sold, den man in Form von Naturalien jeglicher Art vorgefunden hat.

    Dieser Gedanke spart viel Geld, deligiert die Verantwortung auf andere und macht das Geschehen nicht weniger grausam, wenn sich Wiederstand zeigt und selbst hat man dann eine reine Weste und ist jederzeit anwendbar bei solchen Staaten, die militärisch nicht ganz auf der Höhe der Zeit sind und man sich anderen höheren Dingen zuwenden kann und dabei weiß daß über diese Dienste eigene Interessen gewahrt bleiben.

    Das funktionier so lange, soweit keine anderen Parteien Einfluß nehmen und damit kann man ein Störfeuer nach dem anderen beginnen und die Welt ist voll von Ländern dieser Art, wo man mit gekauften Söldnern durchaus Druck erzeugen und sie disziplinieren kann.

    Afrika und Südamerika z.Bsp. bietet da ein großes Potential und geht dann etwas schief, verabschiedet man sich von diesen Hilfstruppen und die Sache ist erledigt, während man auf konventionelle Weise auch einen Ruf zu verlieren hat, der dann obsolet wird, wenn man nicht selbst in Erscheinung tritt.

    Eigentlich eine geniale Idee, solange andere Großmächte nicht auf gleiche Gedanken kommen und sie dann mit den anderen Interessen kollidieren.

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