Irak-Krise treibt Türkei und Iran an den Rand der Konfrontation

Die zunehmend starke Position des Irans im Irak sorgt in der Türkei für Beunruhigung. Es geht um den Einfluss in Kurdistan.

Von Redaktion

Der Iran hat sich bemüht, die diplomatischen Spannungen zu entschärfen, die mit der Türkei angesichts der Situation im Irak aufgeflammt sind. Vor kurzem sagte der iranische Botschafter in Bagdad in einem Interview mit einer kurdischen Nachrichtenagentur, dass die grenzüberschreitenden Operationen der Türkei illegal seien und verärgerte damit Ankara.

Der Sprecher des Außenministeriums der Islamischen Republik erklärte, diese Bemerkung sei falsch interpretiert worden. Auch wenn diese diplomatische Episode wie weggeblasen zu sein scheint, glauben Experten, dass das Potenzial für Reibungen zwischen den beiden regionalen Partnern immer noch ziemlich hoch ist, schreibt die russische Zeitung Nesawissimaja Gaseta.

Laut Aykan Erdemir, Senior Director des Türkei-Programms bei der Foundation for Defense of Democracies, heckt der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Pläne aus, sich mit den regionalen Behörden von Irakisch-Kurdistan zusammenzuschließen, um die Kontrolle über dieses Gebiet zu erlangen, das als historisches Mutterland der Jesiden gilt. Das Hauptziel ist es, den Einfluss der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) zu neutralisieren und den Verbindungen zu Nordsyrien einen Schlag zu versetzen.

„Da auch der Iran seine Präsenz im Sindschar über die im Irak agierenden schiitischen Vermittler – die Popular Mobilization Forces (PMF) – verstärken möchte, bringt dies Teheran und Ankara auf Kollisionskurs. Damals, im Jahr 2017, konnte die Türkei nicht einmal absehen, dass ihre Partnerschaft mit dem Iran dazu beitragen würde, die iranische Hegemonie in der Region durch die Regionalregierung von Kurdistan zu stärken“, sagte der Experte.

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Jetzt, da der Iran und seine Stellvertreter auf regionaler Ebene die Oberhand gewonnen haben, werden alle Versuche der türkischen Führung, den militärischen und politischen Einfluss durch die Zusammenarbeit mit einem schwächeren Erbil wiederherzustellen, zu spät sein, stellte er fest.

„Teheran hat offensichtlich Ankaras Paranoia über die kurdische Selbstbestimmung ausgenutzt, um nicht nur in Sinjar, sondern auch in Mosul den Vorteil zu erlangen, und Erdogans jüngster Versuch, den Strom des iranischen Einflusses umzukehren, könnte scheitern“, bemerkte Erdemir.

Nachdem die Führung der Islamischen Republik ihre Positionen in einigen Regionen des Nahen Ostens durch ihre loyalen Kräfte gestärkt hat, macht sie selten einen Rückzieher und der Libanon, Syrien und Jemen sind Beispiele, die diesen Punkt beweisen, betonte der Experte.

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Ein Kommentar

  1. Nachdem sie Hussein mit fadenscheinigen Gründen eliminiert haben wurde der Irak zwangsläufig immer mehr zum Spielball der Interessen und hatte dieser wenigstens noch die Fähigkeit die unterschiedlichen Gruppen im Land zu bändigen, so sind diese nun außer Rand und Band geraten, natürlich auch durch die Hilfe der Akteure von außen, was nun so immer ein Zankapfel bleiben wird und die eigentliche Gefahr liegt in letzter Konsequenz im Zusammenprall der Großmächte, die ja an diesem Zustand maßgeblich beteiligt waren.

    Sogenannte Hilfe von außen muß nicht immer vorteilig sein, da stecken meistens auch eigene Interessen dahinter, wobei die Hinterlassenschaften einiger Ethnien durch vorausgegangene Politik, wie z.Bsp. die Kurdenfrage nicht durch Krieg gelöst wird, denn sie wird ein Zankapfel bleiben, genauso wie die Gründung des Staate Israel, was die Unzufriedenheit im gesamten Nahen Osten befördert hat und wie das noch ausgeht, weiß heute niemand zu sagen und bleibt ein Pulverfaß, ob man es will oder nicht.

    Was fehlt in dieser Gegend ist ein Reichseiner wie Saladin und die anderen aus Europa und Amerika sollten die Finger von dieser Ecke weglassen, denn sie verstehen diese Welt nicht, die über Jahrtausende in dieser Form gewachsen ist und man sollte auch verstehen, daß hier ehemalige Großreiche wie der Iran und die Osmanen direkt aufeinander prallen um eigene Interessen durchzusetzen und die anderen werden dabei hin und her geschoben.

    Wenn man so die Gesamtlage betrachtet, dann ist der Zustand im Nahen Osten äußerst unbefriedigend und hat mehrheitlich etwas mit dem Engagement der Europäer in frühesten Tagen dort zu tun und wie die jemals aus dieser Sache wieder unbeschadet heraus kommen wollen ist offen, das Gebiet ist ein klassisches Beispiel der hegemonialen Politik anderer, die damit ganz Vorderasien in einen ewigen Ausnahmzustand versetzt haben, ohne Aussicht auf Besserung.

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