Das Vereinigte Königreich will seine Aktivitäten gegen Russland verstärken

Großbritanniens neue Verteidigungsdoktrin ist etwas, das es nicht erreichen kann.

Von Paul Antonopoulos / Antikrieg

Ein vom britischen Verteidigungsministerium veröffentlichtes Dokument mit dem Titel „Defence in a competitive age“ (Verteidigung in einem wettbewerbsorientierten Zeitalter) identifiziert Moskau als Hauptbedrohung und erklärt, dass London beabsichtigt, seine Präsenz rund um Russland zu erhöhen – insbesondere im Schwarzen Meer, in der Arktis, in der Ostsee und auf dem westlichen Balkan. Das Vereinigte Königreich plant auch, erhebliche Mittel in neue militärische Ausrüstung zu investieren, damit sich die Soldaten an „die neue Bedrohung“ anpassen können. Das Dokument bestätigt das Bewusstsein des Vereinigten Königreichs für Multipolarität, aber auch seine Absichten, Russland weiterhin herauszufordern und gleichzeitig einen Weg der Zusammenarbeit mit China zu eröffnen.

Die britische Strategie für den westlichen Balkan wird mehr als jede andere Region in dem Dokument erwähnt, was darauf hindeutet, dass sie dort mehr Einfluss haben wollen. Es ist jedoch undenkbar, dass sie ihre Streitkräfte in der Region aufstocken können. Stattdessen ist es wahrscheinlicher, dass sich das Vereinigte Königreich stärker in den sogenannten Cyber-Krieg einmischen könnte. Ein großer Teil des Dokuments ist dem Cyberspace gewidmet: „Cyberspace-Spionage kann und wird als Teil von breiteren Einfluss- und Propagandakampagnen sowie zur Unterstützung breiterer feindlicher Aktivitäten bis hin zur konventionellen Kriegsführung eingesetzt werden.“

Das Vereinigte Königreich plant, über 20 Milliarden Pfund in die Modernisierung der Streitkräfte zu investieren, aber niemand weiß, woher dieses Geld kommen soll. Die britische Marine ist in einem schlechten Zustand. Forbes schrieb letztes Jahr über die beiden neuen Flugzeugträger der königlichen Kriegsmarine: „Nachdem die britische Regierung Milliarden von Dollar in den Bau der Schiffe gesteckt hat, kann sie sich die Flugzeuge, Eskorten und Unterstützungsschiffe nicht mehr leisten, die den Flugzeugträgern beim Einsatz helfen, sie schützen und ihnen Schlagkraft verleihen.“

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Ohne Geld, mit einer ineffektiven Marine und Plänen zur Reduzierung der Bodentruppen um etwa 10.000 Soldaten, die das britische Militär auf die kleinste Größe seit zweihundert Jahren bringen werden, ist nicht klar, wie London sein großes Ziel erreichen kann, Russland in der Arktis, der Ostsee, dem westlichen Balkan und dem Schwarzen Meer einzukreisen. Neben der Kürzung von 10.000 Soldaten wird das britische Militär auch auf zwei Fregatten, 14 C-130 Hercules-Truppentransporter, 24 Typhoon-Kampfflugzeuge und Hawk-Jets verzichten.

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Die neue Strategie, wie sie in dem veröffentlichten Dokument angekündigt wird, zeigt, dass die Briten versuchen, ein unabhängiger Akteur auf der Weltbühne zu sein, ohne zu erkennen, dass die Tage ihrer imperialen Vorherrschaft vorbei sind und dass sie vollständig in der Einflusssphäre der USA aufgegangen sind. Das Vereinigte Königreich war den größten Teil des 20. Jahrhunderts über ein Zwischenglied zwischen den USA und der Europäischen Union, um Moskau in Schach zu halten. Nach dem Brexit ist das Vereinigte Königreich jedoch vollständig in Washingtons Schirm aufgegangen, da der Inselstaat seinen Einfluss und seine Macht nicht unabhängig ausüben kann.

Da sie nicht über das Militärbudget oder die wirtschaftlichen Mittel verfügen, um mit China, Russland, den USA oder sogar Deutschland auf Augenhöhe zu sein, glauben sie, dass sie durch die Verkleinerung ihres Militärpersonals einen prägnanteren und nischenorientierten Apparat aufbauen können. Die Briten glauben, dass sie ihren Einfluss in weit entfernte Gebiete wie den Balkan und das Schwarze Meer projizieren können, indem sie Cyber-Kriegsführung entwickeln. Dies war ein erwartetes Ergebnis, da die Briten versuchen, unabhängig zu agieren, aber letztendlich werden sie nichts erreichen können, wenn es nicht an der Seite der USA geschieht.

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Obwohl die britische Strategie die Veränderungen im internationalen System in Richtung Multipolarität bezeugt und anerkennt, ist London immer noch ein Teil des westlichen Blocks und kann keine unabhängigen Aktionen durchführen. In diesem Sinne sind die geopolitischen Ambitionen Großbritanniens umstritten, da es sie nicht ohne erheblichen externen Input erreichen kann.

Ungewöhnlich an dem Dokument ist, dass es betont, dass China ein britischer Partner ist. Erst letzte Woche sagte der britische Außenminister Dominic Raab im britischen Parlament: „Ich denke, wir sehen es so: China ist hier, um zu bleiben. Wir glauben nicht, dass wir in eine alte Mentalität oder ein altes Paradigma des Kalten Krieges zurückfallen. Es gibt Positives und wir sollten nach Bereichen des konstruktiven Engagements suchen – natürlich in der Wirtschaft und im Handel. Jeder macht mehr oder weniger Handel mit China.“

Obwohl dies eine große Veränderung in der Politik Londons gegenüber Peking ist, haben sie dennoch Sanktionen gegen China an demselben Tag beschlossen, an dem die EU und andere englische Länder solche verhängten. Man kann also vermuten, dass London versucht, den Druck Washingtons, die Beziehungen zu China zu straffen, auszugleichen, indem es stattdessen die Maßnahmen gegen Russland beibehält und intensiviert, wie das neu veröffentlichte Dokument belegt.

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2 Kommentare

  1. Da tritt wieder die angelsächsische Allianz zu Tage, wie immer, wenn es darum geht sich die Nüsschen gemeinsam zu teilen und die Frage über Sinn und Unsinn darf man sich dabei gerne stellen, denn das dürften die letzten Zuckungen einer Spezies sein, die seit Jahrhunderten die Welt geknebelt hat und jetzt feststellt, daß sie was vergeigt haben, was sich nicht mehr auf normalem Weg korrigieren läßt und nur noch mit der Ausübung durch Gewalt kurzfristigen Erfolg bescheren kann.

    Von Rußland sollte jeder vernünftige Mensch die Finger weg lassen, wenn er noch nicht lebensmüde ist, denn wenn sich jemand die letzten Jahrzehnte an bestehende Abmachungen gehalten hat, dann waren es diese östlichen Nachbarn, was man in der gleichen Zeit von den anderen nicht immer behaupten kann.

    Das muß ja nicht heißen, daß die stringende Politik nach innen und außen jedermanns Geschmack ist, aber man muß auch deren Geschichte berücksichtigen um dann für bestimmte Vorgänge eine andere Sicht zu erhalten, denn es ist schon ein Unterschied ein Land mit 22 Mill. Quadratkilometer zu verwalten, als ein vergleichsweise kleines Ländchen, wo man von einem Ende zum anderen sehen kann und dazu hin kommt noch die überbordende Arroganz einer Nation, die sich schon immer für äußerst wichtig gehalten hat und dennoch gerade in den letzten Jahren zu den Verlierern gehört und Hongkong ist so ein Beispiel, wie man es nicht hätte machen sollen um dann solche verwirrten Zustände zu erreichen und weitere Dinge könnte man aufzählen um den Leser vom Gegenteils des Erfolgs zu überzeugen.

    Wie immer im Leben haut man beim eigenen Versagen auf die Kriegstrommel und könnte im Ernstfall in wenigen Minuten von der Landkarte verschwinden, was sicherlich niemand will, aber die logische Konsequenz wäre, wenn es um das eigene Überleben der Gegenseite geht. Wir hatten gottseidank die letzten 75 Jahre einigermaßen Ruhe, wäre da nicht die ewige Kriegsallianz, die überall herumzündelt und dann noch zum Schluß einen Weltenbrand auslöst. Wer das nicht beendet und in vernünftige Verhandlungen eintritt hat anderes vor, ansonsten wäre ja das Verhalten durch nichts zu begründen, denn niemand hat uns im Westen den Krieg erklärt, es sei denn man versucht so eine Situation herbei zu reden, was moralisch aber nicht zu vertreten wäre, weil es grundlos ist.

  2. Das Nordseeöl geht zur Neige. Die Briten werden wie Assad als Nettoeinkäufer am Markt auftreten. Syrien hat auch kaum noch Öl. Der Peak in der Nordsee sollte 2016/17 erreicht worden sein. Vielleicht aber auch früher. Denn, das ist ja der Witz an endlichen Ölreserven, je mehr man fördert, desto schneller sind sie alle.

    Man kann jetzt die bekloppte Theorie des regenerativen Öls als Entwarnstufe heranziehen, aber man sollte vorher schauen, woher sie kommt, welches die Anhaltspunkte sind und ob das für alle Bohrlöcher gilt. Bisher gilt es nur für eines in Rußland.

    Wenn die Briten kein russisches Öl kriegen, dann müssen sie ihre Kriegsschiffe zurückrüsten auf Kohle.

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