Orisha im Weinberg

Als im Herbst die Trauben
blau und schwer an verschlungenen Zweigen hingen
und der Himmel sich mit grauen Schleiern bedeckte
war das Licht erschöpft
von all den Reifungen die es vollbracht hatte.
Jetzt hängen über Nacht gefrorene Tropfen
in braunem Geäst und der Rauhreif
dämpft nun jeden Schritt.

Der Atem vor dem Mund wie Watte
hat seine Wärme verloren.
Das Leben hat sich in die Erde zurückgezogen
und bereitet alles auf das lange Schweigen vor.
Erster Schnee kommt wie ein pulv´riges
Leichentuch über tote, braune Pflanzenschlingen.

Ich wate knietief durch dunklen Orgelklang
den ein Orisha in den Schnee geflochten hat.
Heilig ist das Weben der Natur
und so legt er den Finger auf die Lippen
und deutet mir heimlich zu sein.

Aus dem pulv´rigen Leichentuch des Neuschnee
webt er ein Tischlein-deck-Dich fürs kommende Jahr
Ich senke den Blick – Stille.

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