Indien: Koo wird zum ernsthaften Herausforderer für Twitter

Big Tech gerät immer stärker in die Defensive. Facebook, Twitter & Co werden mit ernsthaften Rivalen konfrontiert. Neben Telegram nun auch in Indien von Koo.

Von Marco Maier

Immer mehr Benutzer von Social Media-Netzwerken wenden sich von den großen Big Tech-Konzernen ab. WhatsApp (mittlerweile Teil von Facebook) wurde bereits vom russischen Konkurrenten Telegram abgelöst. Parler als Garanteur der freien Rede ist wieder zurück und könnte zur ernsthaften Konkurrenz für Twitter werden, welches zunehmend eine Filterblase für linksliberale Gutmenschen ist.

Dann gibt es auch noch VKontakte, welches als „russisches Facebook“ zunehmend an Beliebtheit gewinnt, weil auch dort kaum zensiert wird. Aber das ist noch nicht alles. Ein kleines gelbes Küken gewinnt in Indien aufgrund von Spannungen zwischen Twitter und der indischen Regierung an Prominenz.

Koo, eine neue Microblogging-App, wird von Regierungsstellen gegenüber dem weitaus größeren US-Konkurrenten bevorzugt eingesetzt.

Twitters ‚Doppelmoral‘

Die indische Regierung hatte Twitter aufgefordert, bestimmte Accounts zu löschen, die ihrer Meinung nach Fake News verbreiten.

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Sie warf Twitter vor, mit zweierlei Maß zu messen“, indem es gegen diejenigen vorging, die während der Belagerung des US-Kapitols falsche oder irreführende Informationen verbreitet hatten, aber nicht gegen diejenigen, die während der Proteste vor dem Roten Fort in Delhi am 26. Januar in ähnlicher Weise handelten.

Twitter kam dem zunächst nach, revidierte dann aber seine Entscheidung und stellte die gesperrten Konten wieder ein. Die Liste der Konten, die die Regierung gesperrt haben wollte, umfasste die von Journalisten, Nachrichtenorganisationen und Oppositionspolitikern.

In der Zwischenzeit haben Anhänger der indischen Regierung, darunter auch Politiker der Regierungspartei, mit ihren Fingern abgestimmt und die neue Plattform von Koo genutzt, um ihre Meinung zu äußern. Sie haben auch Hashtags geteilt, die ein Verbot von Twitter in Indien fordern.

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Was kann Koo?

Der besondere Reiz von Koo für indische Microblogger liegt darin, dass es derzeit in fünf Landessprachen sowie in Englisch betrieben wird, wobei die Einführung von 12 weiteren Sprachen geplant ist.

Es wurde im März letzten Jahres gestartet und hat eine Auszeichnung von der indischen Regierung erhalten, die versucht, eine größere Selbstständigkeit zu fördern.

Koo funktioniert sehr ähnlich wie Twitter und hat nach eigenen Angaben seit dem Start drei Millionen Downloads, von denen ein Drittel aktive Nutzer sind.

Harte Zeiten für Facebook, Twitter & Co

Über kurz oder lang werden wohl mehrere parallele Social Media-Welten entstehen. Neben (vorwiegend) nationalen Netzwerken (wie z.B. in China) werden Apps wie Koo und Parler wohl auch international zunehmend für jene Menschen attraktiv, die von der ständigen Zensur und der Einschränkung der Meinungsfreiheit genug haben.

Interessanterweise sind es vor allem die Konservativen und Rechten, die sich für die Meinungs- und Pressefreiheit einsetzen, während die Liberalen und Linken für immer mehr Einschränkungen stehen. Und da Facebook, Twitter, Google & Co von US-Liberalen geführt werden, sind sie für die Konservativen zunehmend uninteressant.

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Ein Kommentar

  1. Die Installation von Parler funktioniert nicht – im App Store ist es nicht vorhanden, auf der alternativen Seite ist es auch nicht da und auf den Microsoftsystemen dauert die Vorbereitung auf den Download mehrere Stunden.

    Wenn jemand den Installationsfile für Apple oder Windows hat, möge er ihn bitte hierher senden – [email protected]

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