Der Westen verliert seine Soft Power

„Soft power“ ist ein nützlicher Begriff, dessen Erfindung Joseph Nye in den 1980er Jahren zugeschrieben wird. „Hard Power“ ist einfach genug zu verstehen: Es ist die USS Missouri in der Bucht von Tokio oder Marschall Schukow in Berlin. Aber Soft Power ist subtiler: in Nyes Worten: „Viele Werte wie Demokratie, Menschenrechte und individuelle Möglichkeiten sind zutiefst verführerisch.“

Es gibt zwei gebräuchliche Ranglisten: Portland – Soft Power 30 – und Brand – Global Soft Power Index. Die Top Ten von Portland im Jahr 2019 waren Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Schweden, USA, Schweiz, Kanada, Japan, Australien und die Niederlande. Brands in 2020 waren USA, Deutschland, UK, Japan, China, Frankreich, Kanada, Schweiz, Schweden und Russland. Die erste Bewertung ist sehr eurozentrisch, die andere schließt Russland und China ein. Ein weiterer Unterschied ist die Position der Vereinigten Staaten, aber das macht für den Punkt meines Aufsatzes, in dem es um Soft Power damals, heute und in naher Zukunft geht, nicht wirklich viel aus.

Der Zweite Weltkrieg brachte die wahre Blüte der Soft Power der USA; von den Cargo-Kulten Melanesiens bis zu den Cargo-Kulten Europas brachten die GIs den Traum zu allen. Die USA gewannen den Krieg auf eine Art und Weise, wie es keine andere Macht tat – sie gingen immens gestärkt und reicher aus ihm hervor in einer Welt, in der ihre natürlichen Konkurrenten verarmt waren. In Bretton Woods und San Francisco gestalteten sie die neue Welt in einem Maße, wie es keine andere Macht vermochte. Und sie gestaltete sie verständlicherweise zu ihrem eigenen Vorteil, ganz in der Überzeugung, dass sie als Siegerin und Vorbild der besseren Zukunft dazu jedes Recht hatte. Nur die UdSSR und ihre Sphäre waren da mürrisch anderer Meinung.

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Das waren die glorreichen Zeiten der amerikanischen Soft Power. Ich denke oft an den Film „Roman Holiday“, in dem der amerikanische Reporter zivilisiert und höflich ist, sie nicht ausnutzt, sondern ihrem eingeschränkten Leben einen Moment der Freude und Freiheit schenkt. Die beste Art von Propaganda. (Und interessanterweise stand einer der Drehbuchautoren auf der schwarzen Liste. Was diesem intensiv pro-amerikanischen Film eine weitere Ebene gibt, nicht wahr?)

Für einen Freund, der vor und während des Zweiten Weltkriegs in England aufgewachsen ist, war alles an den USA aufregend. Das war Soft Power in Aktion: strahlende neue Zukunft. Ich würde argumentieren, dass die amerikanische Soft Power auf vier Säulen stand: die Attraktivität und Aufregung ihrer Populärkultur, ihr Ruf für Effizienz, Rechtsstaatlichkeit und den „American Dream“. Jeder Amerikaner konnte erwarten, dass seine Kinder besser dran sein würden – besser dran in jeder Hinsicht: gesünder, langlebiger, besser ausgebildet, glücklicher, reicher – als er selbst. Einiges davon war Image und Propaganda, aber genug davon war wahr, um die Menschen glauben zu machen. Die Umhüllung von Freiheit, Reichtum und Aufregung machte das Paket fast unwiderstehlich.

Die USA verdankten einen großen Teil ihrer Vormachtstellung dem puren Glück. Da sie auf immensen natürlichen Ressourcen weit weg von Feinden saßen, waren fast alle ihre Kriege freiwillig und in der Regel Kriege gegen weit unterlegene Kräfte. Aber, wie Stephen Walt argumentiert, könnte ihre lange Glückssträhne zu Ende gehen. „Das Ergebnis war ein kurzer unipolarer Moment, in dem die Vereinigten Staaten keinen ernsthaften Rivalen hatten und sowohl Politiker als auch Experten davon überzeugt waren, dass Amerika die magische Formel für den Erfolg in einer zunehmend globalisierten Welt gefunden hatte“.

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Eine Analyse von Patrick Armstrong

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2 Kommentare

  1. Mit etwas zusammemgekniffen Augen muss man erkennen, dass die Eliten erkannt haben, dass sich die Welt, auf der inzwischen fast 8 Mrd. Menschen rum wuseln, nicht mehr akkurat lenken lässt.
    Auf den Guidestones in Georgia steht es auf Platz 1 in 8 Sprachen, wohin die Reise zu gehen hat.

    Ich glaube, dass man es nun nicht mehr mit Kravallen und kriegerischen Konflikten versuchen will diese Aufgabe zu lösen, sondern mit einer dritten Art von Softpower – einer Verbreitung von genmanipulierten Impfstoffen, die vorgeblich dem Wohle der Menschen dienen sollen.

    Bei Pflanzen hat es Monsanto doch schon geschafft, dass nur noch ihr genmanipuliertes Saatgut keimfähig ist.
    Genmanipulierete Covit Imstoffe lassen sich doch die Angstverstörten gierig freiwillig in den Körper jagen, wobei sie gar nicht wissen, was das für Nebenwirkungen auf ihre Fruchtbarkeit hat.

    Das nenne ich SOFT POWER vom Feinsten.

  2. Da kommt auch noch ein wesentlicher Faktor hinzu, nämlich der finanzielle Power von Teilen des auserwählten Volkes, das man aus Rußland und Deutschland hinausgeworfen hat und die sich eine neue Heimat in den USA gesucht haben und somit das Land vermögend gemacht haben, denn ihre Transaktionen sind überall auf der Welt verteilt und mit ihren stammesgeschichtlichen Niederlassungen hatten sie schon immer große Vorteile und waren der Zeit voraus, was sich dann auch positiv in den USA niedergeschlagen hat.

    Als die gleiche Spezies vor Jahrhunderten aus Spanien vertrieben wurde, ist die Monarchie verarmt und nur das Gold in Südamerika konnte diesen Verlust ausgleichen und daran kann man erkennen welchen Einfluß sie in finanzieller Hinsicht haben und der berühmte Satz, egal wer regiert, hauptsache wir haben das Geld, kann man an der FED in den USA erkennen, das war ein Meisterstück mit Einwilligung eines US-Präsidenten und eigentlich die Krönung universeller Tätigkeit und das so gut wie konkurrenzlos, wären da nicht hie und da gewisse Probleme aufgetreten, die aber auch zu ihren Gunsten geregelt wurden.

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