Wie bekomme ich eine Abfindung, wenn ich in Rente gehe?

Ganz egal, ob junge oder ältere Arbeitnehmer: Eine Abfindung kann beiden Personengruppen angeboten werden. Solch ein Angebot klingt für viele Arbeitnehmer erst einmal verlockend, denn man bekommt eine einmalige hohe Summe und kann sich danach entscheiden, was man mit dem Geld und seiner finanziellen Zukunft anstellt.

Allerdings kommt es auf die Details an und viele Gerichte haben sich bereits mit der Frage beschäftigt: „Wie bekomme ich eine Abfindung, wenn ich in Rente gehe?“. Dieser Artikel befasst sich mit den unterschiedlichen Formeln mit denen man eine Abfindung berechnen kann und zieht Praxisbeispiele heran.

Wann gibt es eine Abfindung?

Wenn ein Arbeitnehmer eine Arbeitsstelle aufgrund einer Kündigung oder eines Aufhebungsvertrages verliert, kann er ein Recht auf eine Abfindung haben und zwar dann, wenn dieses Recht im Tarifvertrag beziehungsweise Sozialvertrag festgeschrieben wird. Auch wenn dieses Recht nicht explizit genannt wurde, sind Arbeitgeber manchmal geneigt dennoch eine Abfindung zu zahlen. Das hat den Grund, dass Arbeitgeber bei einer akzeptierten Abfindung von niedrigeren Kosten ausgehen als bei einer Weiterbeschäftigung. Hier sollten betroffene Arbeitnehmer erst einmal Ruhe bewahren und nicht sofort das Angebot annehmen bzw. den Vertrag unterschreiben. Stattdessen ist es wichtig, dass sie den Vertrag von einem Rechtsanwalt überprüfen lassen.

Gibt es eine Abfindung, wenn man in Rente geht?

In der Praxis gibt es unterschiedliche Berechnungsformeln. Da ist einmal die Berechnungsformel, bei der es um die Dauer der Beschäftigung des Arbeitnehmers geht. Je länger dieser Arbeitnehmer in einem Betrieb beschäftigt war, desto höher wird seine Abfindung ausfallen. Man legt also die berufliche Vergangenheit zugrunde. Auf der anderen Seite kann die berufliche Zukunft für die Berechnung ausschlaggebend sein. Das führt dann bei älteren Beschäftigten, die nur wenige Jahre von der Rente entfernt sind, dazu, dass sie kleine Abfindungsbeträge vorgeschlagen bekommen.

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Die Gerichte befassten sich mit einem Fall in dem letztlich das Bundesarbeitsgericht eine Klage abwies und entschied, dass eine frühere Rente im Rahmen von Sozialplänen eine Rolle spielt, sofern sie ein Teil von Rentenabschlägen zuzuordnen sind. BAG: (Urteil 1 AZR 813/11 vom 26.03.2013.)

Eine andere Auffassung hatte der Europäische Gerichtshof, der zweifelte, dass ein rentennaher Arbeitnehmer eine geringere Abfindung bekommen soll. EuGH: (C-499/08 – Andersen vom 12.10.2010).

Das Thema ist juristisch sehr komplex und es kommt auf den Einzelfall an. Die beiden eben genannten Entscheidungen machen ebenfalls deutlich, dass bis jetzt noch keine einheitliche Rechtsprechung erfolgt ist, was wiederum bedeutet, dass betroffene Personen unter Umständen bei vielen Instanzen vorstellig werden müssen, bis sie ein endgültiges Urteil erhalten.

Eine angemessene Abfindung bekommen

Ein Verlust einer Arbeitsstelle ist niemals eine freudige Situation, auch nicht, wenn eine Abfindung angeboten wird. Das liegt nicht nur daran, dass das Finanzamt einen Teil der Abfindung in Form von Steuern einbehält, sondern auch weil unterschiedliche Berechnungsformen zu unterschiedlichen Abfindungsbeträgen führen können. Um negative Überraschungen so gut wie möglich zu vermeiden, ist es wichtig sich anwaltlich beraten zu lassen. Das sollte stets vor der Unterzeichnung eines Vertrages geschehen. Demnach sollten sich Arbeitnehmer nicht unter Druck setzen lassen, sondern zunächst mit einem Anwalt sprechen.

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