Amerikas Moment der Offenbarung

Der bedeckende Baldachin, der sich über den Globus von TINA drückt (there is no alterative – es gibt keine Alternative), reißt. Der Stoff reißt an den Nähten. Nun, da die US-Gerichte ihre Rolle bei der Entscheidung von Klagen im Zusammenhang mit der Wahl am 3. November aufgegeben haben, scheint es, dass Präsident Trump einen letzten Versuch unternehmen wird, den Lauf der Dinge zwischen dem 6. und 20. Januar (Tag der Amtseinführung) zu ändern. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels sagen etwa 140 republikanische Abgeordnete, dass sie das Ergebnis bestimmter Wahlen am 6. Januar anfechten werden. Ob diese Anfechtung (in allen Dimensionen) Erfolg haben wird, ist fraglich.

Was dann? Nun, das rote (republikanische) Amerika – ob zu Recht oder zu Unrecht – sieht, dass der 20. Januar für sie „das Ende der Fahnenstange“ sein könnte. Acht von zehn Republikanern glauben, dass die Wahl gestohlen wurde; dass das entscheidende Senatorenrennen in Georgia wahrscheinlich auch „gestohlen“ wird; dass die Zerstörung kleiner und mittlerer Unternehmen durch Lockdown eine vorsätzliche Strategie war, um die Oligarchen des Big Business weiter zu konsolidieren; und dass die roten Amerikaner letztendlich mit einer „Annullierung“ durch einen ankommenden „Soft-Totalitarismus“ konfrontiert sein werden, der von Big Tech orchestriert wird. Dies ist ihre Perspektive – ihre Epiphanie, die Offenbarung. Es ist, um es gelinde auszudrücken, düster.

Mit solch einer düsteren Aussicht, die dem roten Amerika bevorsteht, hat sich das Gerede in Richtung Sezession oder Trennung (wenn auch noch nicht in Richtung Scheidung) gedreht – die Optimisten sehen eine geordnete Übereinkunft, die es dem roten und blauen Amerika erlaubt, einen politischen Lebensraum zu finden, während sie die praktischen Bindungen von Geographie, Handel, Währung, Schulden, Diplomatie und militärischer Gewalt anerkennen. Aber viele erwarten eine rachsüchtige Unterdrückung und keine Höflichkeit.

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Eine Sezession per se ist jedoch unwahrscheinlich – und würde, wenn sie versucht würde, wahrscheinlich schlecht enden. Die Abspaltung findet jedoch de facto bereits in kleinem Umfang statt: Hausumzüge (sagen Immobilienmakler) werden zum einen von der übergreifenden „Farbe“ des Viertels, das verlassen wird, und zum anderen von der „Farbe“ des gewünschten Zielortes (d.h. Rot oder Blau) bestimmt, während sich Amerika in zwei „Stämme“ aufteilt.

Ja, viele amerikanische (und westliche) Mythen über die amerikanische Identität und Politik liegen zerschmettert am Boden. Viele befinden sich noch immer in einem Schockzustand. Sie hatten sich ihre Wahlen als irgendwie sakrosankt vorgestellt. Sie hatten sich die Gerichte als Schlichter vorgestellt. Und sie hätten sich nie vorstellen können, einen US-Präsidenten zu sehen, der so lächerlich gemacht und gedemütigt wird, von den MSM. Die Realität hat sie wie ein Schlag ins Gesicht getroffen.

Und ja – TINA ist vorbei; ein Markt für Alternativen ist nun offen für das Geschäft. Die Wellen dieses unerwarteten Schocks einer amerikanischen Epiphanie werden sich bis in die Europäische Union ausbreiten (auch wenn die europäischen Staats- und Regierungschefs derzeit ein Nelson’sches (blindes) Auge auf das Teleskop werfen), und die europäischen Medien sind willfährig darin, einfach alles zu ignorieren, außer dem Tech-Narrativ der Realität.

Aber noch viel mehr als das: Der Riss dieses bedrückenden TINA-Schirms erlaubt es anderen zivilisatorischen Staaten, Kritik oder Politik, die gegen ihr Wertesystem gerichtet ist, selbstbewusst zurückzuweisen. Wenn das rote Amerika die Werte des Westens rundheraus ablehnen kann und umgekehrt, warum sollten dann andere Zivilisationen die Werte der westlichen Aufklärung nicht ablehnen?

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Eine Analyse von Alastair Crooke

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6 Kommentare

  1. Der neue Kandidat ist einer der Sorte von Katholiken, die sich vor dem Gemetzel noch den Segen der Kirche verabreichen lassen, bevor das Blut an ihren Händen klebt.

    Die tragen keinerlei Empathie in sich und sind rücksichtslose Egoisten die ohne mit der Wimper zu zucken ihre eigenen Interessen verfolgen und den Herren dienen, die ihnen persönlich zum Vorteil gereichen.

    Da wird ein Mann ohne Chancen durch vermutlichen Wahlbetrug plötzlich vom Looser zum Sieger erklärt, obwohl es ganz offensichtlich ist, das er niemals die Stimmenzahl seines früheren Präsidenten erreichen könnte und dennoch 80 Mill. Stimmen erhält, deren Zahl mit großen Fragezeichen zu versehen ist und mit hoher Wahrscheinlichkeit nachgeholfen wurde.

    Man wollte einen Querdenker und mißliebigen Präsidenten einfach los werden und das Kapital wirkt Wunder, wenn es richtig eingesetzt wird, koste es was es wolle und außerdem nur eine Vorleistung darstellt, weil man es in Kürze über die Fortsetzung von Kriegen wieder hereinholt und dafür ist der Neue genau der richtige Mann, während der eigentliche Friedenspräsident in die Wüste geschickt wird.

    Das alles ist das klassische Lehrbeispiel von der Verkommenheit einer Klasse, die sich mittlerweile in unüblicher Art und Weise vermengt hat, Kapital mit Sozialismus zum Zwecke weiterer Ausbeutung, bis das Kapital dann auch zum Opfer wird, denn nirgendwo auf der Welt hatte der Kapitalismus Bestand, wenn sich die Roten erst mal richtig ausgebreitet haben, das werden sie erst noch lernen müssen und China ist das lebende Beispiel, was sie noch erwartet.

    Im übrigen ist deren Politik aus der Profitgier heraus doch sehr in Frage zu stellen, weil dadurch die Interessen der USA gefährdet sind und wer so leichtsinnig handelt, der verspielt die eigene Zukunft, die vermutlich schwerst geschädigt wird.

  2. Das gibt’s nur in den USA, wie die ‚New York Post‘ berichtete:
    Immobilienmaklerin Jenna Ryan aus Frisco / Texas, düste mit ihren Freunden im Privatjet gen Osten „um das Capitol zu stürmen . . .“ O-Ton Jenna: „Wir, das Volk, sind ‚pissed off‘ weil die Wahl gestohlen wurde. Gott wollte, daß wir Widerstand leisteten und das war der schönste Tag in meinem Leben. Trump ist mein Prez“.

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