Hat Russland tatsächlich einen Vorteil im Kampf um Multipolarität?

Es gibt eine wachsende Überzeugung, dass wir uns gerade in einem halbwegs unsichtbaren Vierten Weltkrieg befinden und dass in diesem Konflikt eine Seite einen inhärenten Vorteil hat. Wir sollten einen Blick auf dieses Konzept werfen, um zu sehen, ob daran etwas Wahres dran ist und ob dieser besondere Vorteil die globalen Angelegenheiten beeinflusst.

Der Erste Weltkrieg war der schrecklichste Unfall der Geschichte zwischen den großen Imperien Europas, der zu ihrem endgültigen Selbstmord führte. In ihrer Asche kämpften die 3 großen Ideologien des 20. Jahrhunderts, der Liberalismus, der Kommunismus und der Faschismus in einer Zwei-gegen-Eins-Schlacht um die Kontrolle der Zukunft. Die Sieger gingen dann direkt in einen jahrzehntelangen, indirekten Konflikt über, den wir den Kalten Krieg nennen. Aber letztendlich sollten wir aufgrund seiner globalen Auswirkungen und Stellvertreterkonflikte auf dem ganzen Planeten vielleicht anfangen, ihn in den Schulbüchern der Kinder als Dritten Weltkrieg zu bezeichnen. Die kommunistischen Verlierer des Kalten Krieges wurden entweder neu formatiert und ausgeplündert (Russland + Warschauer Pakt), zu Vasallen degradiert (China) oder wurden noch irrelevanter (Kuba). Der Kapitalismus siegte und oberflächlich betrachtet schien alles friedlich. Doch dann hielt jemand in Deutschland eine historische Rede.

Es gibt eine wachsende Schule des Denkens, dass Putins historische Münchner Rede im Jahr 2007 die Eröffnungssalve war, die zu der aktuellen Situation führte, in der wir uns befinden. Wenn der Zweite und der Dritte Weltkrieg Schlachten um die Herausbildung eines dominanten wirtschaftlichen/politischen Systems waren, dann ist die Frage dieses Mal nuancierter, aber genauso spaltend – wie wird die Globalisierung stattfinden, zu welchen Zwecken und wer wird einen Platz am Tisch haben?

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Die Münchner Rede des Führers eines der wiedererstarkten Spieler auf der Verliererseite des Kalten Krieges machte deutlich, dass Russland nicht still und leise in die Nacht gehen und unter der Herrschaft einer Welt, die um die USA herum geformt ist, verblassen würde. Hier wurde das ganze Konzept der „Multipolarität“ zum ersten Mal populär. Die russische Seite schlug vor, dass es zahlreiche große Zivilisationen auf der Erde gibt, die verschiedene Machtpole repräsentieren, und dass in Zukunft jede von ihnen ihre unverwechselbare Kultur beibehalten und ein Mitspracherecht bei der weiteren Entwicklung in unserer globalisierten Welt haben würde. Offensichtlich hat Washington durch sein Verhalten dieses Angebot stillschweigend abgelehnt. Der Beltway hat eine ganz andere Vision.

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Eine Analyse von Tim Kirby

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2 Kommentare

  1. Im 2. WK waren die Ideologiegeber gegeneinander, nicht die Deutschen gegen die Russen und die Russen gegen die Deutschen. Wenn man heute mal fragt, ob es Ressentiments gegen Rußland gibt, dann herrscht eine merkwürdige Affinität zu den Russen – und umgekehrt.
    Bemerkenswert ist, daß Josef Stalin kein Russe war. Er gehörte nur zur buckligen Verwandtschaft. Und Adolf Hitler war auch kein Deutscher. Er war auch nur ein buckliger Verwandter. Und beide Verwandte haben eine Menge Unheil über die Völker gebracht. Wir wissen das von den Russen und die Russen wissen das von uns.

    Multikulti ist nichts, weil allen abverlangt wird, sich mit wer weiß wie vielen Völkern und Mentalitäten blendend zu verstehen. Einfacher ist es, sich mit einem anderen Volk oder Staat zusammenzuschließen. Da lernt man Russisch und Deutsch und gut is.
    Woher die Affinität kommt, kann ich nicht sagen? Der russische Bär und der klirrende Winter scheinen hier aber besser anzukommen als das Morgenland, wo immer die Sonne scheint?

    Vielleicht ist es gerade die Trübsal und Tragik (Tschaikowsky, Dostojeswky), die immer wieder den Blick nach Rußland lenken? Vielleicht ist es das Gemüt?
    Vielleicht wollen die Völker gar nicht den Himmel erstürmen, sondern als Adler und Bär ihr schweres Schicksal genießen?

  2. Natürlich gibt es unterschiedliche Zivilisationen, das zweifelt ja kein vernünftiger Mensch an. Die Frage ist nur, wer diese Bezeichnung verdient hat im Sinne des Wortes, denn zivilisiert sein ist nicht nur eine Zuordnung in Machtinteressen und Volksstrukturen, es ist auch eine Geisteshaltung und wie man in der Geschichte erkennen kann, wurde diese öfter durch die Führungen solcher Zivilisationen schwer durcheinander gewirbelt.

    Der Kern einer Zivilisation als solcher ist gemeinhin friedlich, bis dann welche kommen und glauben, anderen aus unterschiedlichen Überlegungen heraus ihren zivilisatorischen Stempel aufzudrücken
    und das geschieht leider sehr oft in einer unzivilisierten Art und der Mensch als solcher ist zumindest nach Schopenhauer grundsätzlich schlecht und trotz allgemeiner höherem Bildungsstand im Vergleich zum 17. Jahrhundert als Beispiel, sind eben viele bis heute immer noch unzivilisiert geblieben, dabei lächelnd und freundlich, andere mit bösem Gesicht, aber immer noch das Schwein verkörpernd, was in vielen drinn steckt und solange das nicht überwunden wird, werden wir zwar weiterhin Zivilisationen haben, die uns aber über deren Fähigkeiten nicht hinwegtäuschen sollten, daß noch viel Handlungsbedarf besteht um dem Anspruch eines zivilisierten Menschen gerecht zu werden.

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