Große US-Banken haben seit 2000 195 Milliarden Dollar an Bußgeldern gezahlt

Wo das große Geld im Spiel ist, wird auch im großen Stil Schindluder getrieben. Dies zeigt sich auch in den (teils eher symbolischen) Geldstrafen für die Großbanken.

Von Redaktion

Wenn die „too big to fail“-Banken mit ihren Händen in der Keksdose erwischt werden (oder die gesamte Weltwirtschaft an den Rand des Zusammenbruchs bringen, wie es 2008 der Fall war), kommt oft niemand ins Gefängnis und die Banken zahlen am Ende eine saftige Geldstrafe und lassen die „jugendlichen Indiskretionen“ hinter sich. Das führt unweigerlich zu Witzen darüber, dass die Zahlung von Bußgeldern zu den Geschäftskosten von Großbanken gehört.

Aber erst wenn man die über die letzten zwei Jahrzehnte gezahlten Summen zusammenrechnet, wie es die FT in einem am Wochenende veröffentlichten Bericht getan hat, kann man wirklich sehen, wie sehr diese Bußgelder tatsächlich zu den Kosten der Geschäftstätigkeit der Banken gehören. In den letzten 20 Jahren haben die sechs größten US-Banken fast 200 Milliarden Dollar an Strafen und Bußgeldern gezahlt.

Die Interessengruppe Better Markets fand heraus, dass die Bank of America, Citigroup, Goldman Sachs, JPMorgan Chase, Morgan Stanley und Wells Fargo seit dem Jahr 2000 zusammen 195 Milliarden Dollar gezahlt haben. Die Gruppe behauptet, dass die Zahlen zeigen, dass sich das Verhalten der Banken verschlechtert hat, da sie seit der globalen Finanzkrise mehr Geldstrafen zahlen mussten als vor der Krise.

Auch die Deutsche Bank musste Unsummen zahlen

Und in dieser Berechnung sind die Geldstrafen für europäische Großbanken noch gar nicht einmal mit inbegriffen. Allein die Deutsche Bank hat in den letzten Jahren enorme Summen abdrücken müssen. So zum Beispiel 7,2 (statt wie ursprünglich gefordert 14) Milliarden Dollar für für Schäden durch betrügerisches Verhalten auf dem US-Immobilienmarkt zu zahlen – und zusätzlich einen Schadenersatz von 1,9 Milliarden Dollar an Freddie Mac und Fannie Mae zu leisten.

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Hinzu kamen 600 Millionen Dollar an Strafe für Geldwäsche in Russland. Für Zinssatzmanipulationen musste die Großbank 725 Millionen Euro an die EU-Kommission bezahlen und zusätzlich insgesamt 2,5 Milliarden Dollar an britische und US-Behörden. Wobei manche Insider gewitzelt hatten, dass die Deutsche Bank an den Manipulationen mehr verdient habe als sie an Strafen hatte zahlen müssen – es also nach wie vor ein Plusgeschäft war.

Aber das ist noch nicht alles. Für Verletzungen des US-amerikanischen Iran-Embargos wurden 260 Millionen Dollar fällig (die Commerzbank zahlte 1,4 Milliarden Dollar) und für ihre Epstein-Beziehungen gab es noch 150 Millionen an Strafzahlung oben drauf. Doch denken Sie nicht, dass das jetzt schon alles war. Es gibt noch Anschuldigungen wegen Geldwäsche über die Danske Bank und wer weiß, welche Leichen da noch im Keller liegen. Aber man könnte diese knapp 13 Milliarden Dollar an Strafzahlungen eigentlich noch den 195 Milliarden Dollar der US-Großbanken hinzufügen.

Immer mehr Verfahren gegen US-Banken

Zwischen 2000 und 2008 gab es 85 größere Klagen gegen US-amerikanische Banken. Zwischen 2008 und 2012 waren es 110 Fälle, von denen die meisten mit Hypotheken zu tun hatten. Aber seit 2012, so Better Markets, gab es weitere 204 Klagen.

Der Geschäftsführer von Better Markets, Dennis Kelleher, sagte: „Es sind alles größere Klagen . . . Es ist nicht so, dass es eine ‚broken windows‘-Theorie nach dem Crash war, bei der Staatsanwälte jeden kleinen Verstoß ahnden. Wenn sie an höhere Standards gehalten würden, wären sie alle aus dem Geschäft, weil die Rückfälligkeit wirklich ziemlich schockierend ist.“

Er fuhr fort: „Es ist absolut schockierend, dass JPMorgan sich jetzt in drei separaten Strafanzeigen für ungeheuerliches, jahrelanges kriminelles Verhalten schuldig bekannt hat.“

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Auch Banken wie JP Morgan wiederholen die Fehler der Vergangenheit. Im Oktober zahlte die Bank 920 Millionen Dollar für die Manipulation des Metallmarktes – dies geschah, nachdem die Bank 2014 Versäumnisse bei der AML zugegeben und sich 2015 schuldig bekannt hatte, die Devisenmärkte manipuliert zu haben.

JP Morgan lag nach der Bank of America an zweiter Stelle bei den Bußgeldern und Strafen. Die Bank of America hat seit dem Jahr 2000 91 Milliarden Dollar für 86 Rechtsfälle gezahlt, während JP Morgan etwas mehr als 40 Milliarden Dollar als Ergebnis von 83 Fällen gezahlt hat. B of A sagt, dass die meisten dieser Bußgelder „mit Hypotheken zusammenhängende Probleme waren, die vor den Akquisitionen von Unternehmen durch die Bank of America vor mehr als 10 Jahren stattfanden“.

Goldman Sachs hat auch massive Multi-Milliarden-Dollar-Vergleiche abgeschlossen, vor allem wegen der Plünderung des malaysischen Entwicklungsfonds 1MDB.

Wenn man die Bußgelder mit den insgesamt 1,3 Billionen Dollar an Nettoeinnahmen vergleicht, die die Banken in denselben 20 Jahren erwirtschaftet haben, wird klar: Die „Kosten für die Geschäftstätigkeit“ in der Welt des Investmentbankings sind es durchaus wert.

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