Es gibt kein Entkommen aus unserer techno-feudalen Welt

Die politische Ökonomie des digitalen Zeitalters bleibt praktisch terra incognita. In Techno-Feudalismus, der vor drei Monaten in Frankreich veröffentlicht wurde (noch keine englische/deutsche Übersetzung), bietet Cedric Durand, ein Ökonom an der Sorbonne, einen entscheidenden, globalen öffentlichen Dienst, während er die neue Matrix durchforstet, die unser aller Leben kontrolliert.

Durand stellt das digitale Zeitalter in den größeren Kontext der historischen Entwicklung des Kapitalismus, um zu zeigen, wie der Washingtoner Konsens schließlich zum Silicon Valley-Konsens metastasierte. In einer entzückenden Wendung brandmarkt er den neuen Hain als die “kalifornische Ideologie”.

Wir sind weit entfernt von Jefferson Airplane und den Beach Boys; es ist eher wie Schumpeters “kreative Zerstörung” auf Steroiden, komplett mit “Strukturreformen” im Stile des IWF, die die “Flexibilisierung” der Arbeit und die völlige Vermarktung/Finanzialisierung des Alltags betonen.

Das digitale Zeitalter war von Anfang an entscheidend mit der rechten Ideologie verbunden. Die Inkubation wurde von der Progress and Freedom Foundation (PFF) durchgeführt, die von 1993 bis 2010 aktiv war und bequemerweise u.a. von Microsoft, At&T, Disney, Sony, Oracle, Google und Yahoo finanziert wurde.

1994 hielt die PFF eine bahnbrechende Konferenz in Atlanta ab, die schließlich zu einer bahnbrechenden Magna Carta: Buchstäblich, “Cyberspace und der amerikanische Traum: eine Magna Carta für die Wissensära” führte, die 1996, während der ersten Amtszeit Clintons, veröffentlicht wurde.

Nicht zufällig wurde die Zeitschrift Wired, genau wie PFF, 1993 gegründet und wurde sofort zum Hausorgan der “kalifornischen Ideologie”.

Unter den Autoren der Magna Carta finden wir den Futuristen Alvin “Future Shock” Toffler und Reagans ehemaligen wissenschaftlichen Berater George Keyworth. Vor allen anderen begriffen sie bereits, wie “der Cyberspace eine bioelektronische Umgebung ist, die buchstäblich universell ist”. Ihre Magna Carta war der privilegierte Fahrplan zur Erforschung der neuen Grenze.

Diese randianischen Helden

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Eine Analyse von Pepe Escobar

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3 Kommentare

  1. Ob Wissensära oder Großer Sprung nach vorne, man beschreibt seine chauvinistischen Ansprüche mit großen Worten. Irgendwie leben wir schon wieder im Gegenteil dessen, was wir sagen. Ganz wie bei Orwell. Wer für Frieden und Freiheit demonstrieren will, ist ein Rechter und wird verboten. Der idealtypische Demonstrant läuft hinter einer düsteren Fahne her, kleidet sich schwarz, ist vermummt und bewaffnet und tritt im Block auf.
    Das Internet war und ist ein militärisches Projekt und ein großer brodelnder Kessel.

    1. Alles ist wie vor 2.500 Jahren im Königreich Israel:

      17Da werden die Lämmer sich weiden an jener Statt, und Fremdlinge werden sich nähren in den Wüstungen der Fetten.
      18Weh denen, die am Unrecht ziehen mit Stricken der Lüge und an der Sünde mit Wagenseilen
      19und sprechen: Laß eilend und bald kommen sein Werk, daß wir’s sehen; laß herfahren und kommen den Anschlag des Heiligen in Israel, daß wir’s innewerden.
      “20Weh denen, die Böses gut und Gutes böse heißen, die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen, die aus sauer süß und aus süß sauer machen!”
      21Weh denen, die bei sich selbst weise sind und halten sich selbst für klug!
      22Weh denen, die Helden sind, Wein zu saufen, und Krieger in Völlerei;
      23die den Gottlosen gerechtsprechen um Geschenke willen und das Recht der Gerechten von ihnen wenden!
      (vgl. Jes 5, 16-23)

      Dies ist die Prophezeiung Jesajas. Kurz nach seinem Ableben ist es geschehen. Das Königreich Israel ging wie geweissagt unter.

      Jeremia sagte später die Zerstörung Jerusalems voraus. Natürlich prangerte er wie Jesaja vorher die Zustände an, die zur Zerstörung führen würden.

      Man kann beide Propheten als Argumentationsvorlage benutzen. Es gibt nichts Neues unter der Sonne.

      Jesaja geht nur bis Kap. 40!

      Die Propheten sind brandaktuell.

  2. Das digitale Zeitalter hat zwei große Probleme. Mit zunehmendem Maße ist das menschliche Hirn nicht mehr kompatibel und entwickelt sich gleichzeitig zur allumfassenden Kontrollinstanz.

    Damit nicht alles aus dem Ruder läuft, wird die Verbindung Hirn und Chip die logische Folge sein und das entmenschlicht und wer sich damit abfinden will kann es gerne über sich ergehen lassen oder dieser Entwicklung Einhalt gebieten, denn nicht alles was neu ist muß auch vorteilhaft sein, wenn man den biologischen und geistigen Aufbau der menschlichen Kreatur berücksichtigt.

    Wer heute noch im Kindesalter ist, der müßte sich vor der Zukunft grauen und Leute wie Orwell und auch viele andere haben vor dieser Entwicklung immer wieder gewarnt, die einzigen Unfähigen sind die Politiker, die den Kommerz und ihr damit verbundenes Bestehen über alles stellen und damit der Menschheit einen Bärendienst erweisen und am besten kann man es mit dieser Fehlentwicklung an der Euphorie Richtung Mars betrachten, wo ein trostloser Brocken Gestein zur Zukunft erklärt wird, wo insgeheim niemand wohnen wollte, nicht einmal jene, die daraus auch noch ihren Nutzen ziehen.

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