Entweder, oder? Sowohl als auch!

Auf der weltpolitischen Bühne muss mehr Kooperationsgeist herrschen. Nur so lassen sich die bestehenden Probleme lösen. Die ewigen Feindbilder sind von gestern.

Von Marco Maier

In den letzten Jahren hat sich das geopolitische Klima weiter verschärft. Zwei Blöcke – der Wertewesten unter Führung der USA und der EU auf der einen Seite, die Multipolaristen unter Führung Russlands und Chinas auf der anderen Seite – haben sich dabei herauskristallisiert. Dies sorgt jedoch dafür, dass viele globalen Probleme nicht rational angegangen werden, sondern ideologische Gräben zu unüberwindbaren Hürden avancieren.

Dabei setzt vor allem Washington auf das „entweder, oder“-Prinzip, während vor allem Russland (aber auch China) nach dem „sowohl als auch“-Prinzip vorgeht.

Als Beispiel kann der Disput um die Erdgaspipeline Nord Stream 2 von Russland nach Deutschland dienen. Die USA drohen mit Sanktionen gegen die am Bau beteiligten Unternehmen, „weil man nicht vom ‚Feind‘ kauft“. Nun gut, in diesem Fall geht es nicht nur darum, dass die Europäer (abgesehen von den Polen und Balten) Lieferungen von vergleichsweise günstigem russischen Erdgas gegenüber dem teureren Flüssiggas (LPG) aus US-Frackingproduktion bevorzugen, welches zuerst einmal per (nicht gerade umweltfreundlichen) Tankern auf den „Alten Kontinent“ geschickt werden muss.

Hierbei geht es auch um die unverhohlene „America First“-Politik der Trump-Administration, die auch für offene Konfrontationen zwischen Washington und dessen „Alliierten“ sorgen. Die früheren US-Administrationen haben gegenüber ihren „Verbündeten“ zwar auch gerne erpresserische Methoden angewendet, doch in den letzten Jahren sorgte Donald Trump für ernsthafte Zerwürfnisse, weil er überall nur „schlechte Deals“ für die Vereinigten Staaten sieht. Aber das nur mal am Rande.

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Wichtiger ist der Umstand, dass hier die typische „entweder, oder“-Politik angewandt wird: Entweder ihr stoppt das Pipelineprojekt, oder wir decken euch mit Sanktionen ein.

Ein ähnliches Spiel läuft mit der Türkei, die russische S-400-Luftabwehrsysteme gekauft hat und deshalb von Washington vom F-35-Programm ausgeschlossen wurde. Dabei hätte Präsident Erdogan auch die amerikanischen Patriot-Systeme gekauft, wenn dies mit einem besseren Preis und einem Technologietransfer verbunden gewesen wäre. Darauf wollten sich Pentagon und Weißes Haus nicht einlassen, also hat der „Sultan vom Bosporus“ in Moskau eingekauft.

Auch in Asien beschweren sich zunehmend Regierungschefs, dass sie zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China „zerquetscht“ werden. Wobei auch hier der politische Druck vor allem aus Washington kommt, während Peking kein Problem damit zu haben scheint, wenn es neben den Amerikanern tätig ist – genauso wie Moskau bei den Handelspartnern keine „Eifersucht“ zeigt.

Insofern könnte die Welt – vor allem der Westen – ein wenig von den Indern lernen. Schon im Kalten Krieg „blockfrei“ hält Neu Delhi auch heute nicht viel von „entweder, oder“, sondern setzt vor allem auf ein „sowohl als auch“. Man hält zum Beispiel gemeinsame Truppenübungen sowohl mit den USA als auch mit Russland ab und trotz der Grenzstreitigkeiten mit China arbeitet man in verschiedenen Gremien wie BRICS und der SCO konstruktiv zusammen.

Insofern könnten vor allem die Vereinigten Staaten und die EU (bzw. die NATO) etwas „indischer“ werden und anstelle vom Aufbau von Feindbildern und Konfrontationen auf mehr Kooperation und die gemeinsame Lösung von bestehenden Problemen setzen. Auch wenn man bei bestimmten Fragen anderer Ansicht ist.

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3 Kommentare

  1. „Sperrt die Ideologen ein, dann wird der Friede sicher sein“ heißt ein Sprichwort.

    Ideologien -gleich welcher Couleur, ob religiös und/oder politisch- kennen ein „entweder – oder“, sondern nur „Und willst Du nicht mein Bruder sein, so schlag‘ ich Dir den Schädel ein.“

    DAS ist das Grundproblem. – Heilung liegt nur in der Erkenntnis und infolgederen in Bewusstwerdung und infolgederen in der „Goldenen Mitte“ und der „Goldenen Regel“:

    „Was Du nicht willst das man Dir tu‘, das füg‘ auch keinem/keiner anderen zu“ und auch in den sinngemäßen Worten Immanuel Kants:

    „Die Freiheit des Einen endet dort wo die Freiheit des/der Anderen beginnt“.

    Es wäre alles so einfach…. 🙂

  2. Korrektur:

    „Ideologien -gleich welcher Couleur, ob religiös und/oder politisch- kennen kein „sowohl als auch“, sondern nur ein „entweder – oder“ nach dem Motto „Und willst Du nicht mein Bruder sein, so schlag‘ ich Dir den Schädel ein.“

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