Deutschlands wirtschaftliche Erholung verliert an Schwung

Die wirtschaftlichen Aussichten Deutschlands für das Jahr 2020 werden immer düsterer. Die führenden Forschungsinstitute des Landes haben die Prognosen für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) für dieses Jahr und darüber hinaus nach unten korrigiert.

Von Redaktion

In einer am Mittwoch veröffentlichten gemeinsamen Wirtschaftsprognose warnten Deutschlands prominente Wirtschaftswissenschaftler davor, dass die sogenannte Coronavirus-Pandemie „erhebliche Spuren“ in der deutschen Wirtschaft hinterlasse, und fügten hinzu, dass „ihre Auswirkungen hartnäckiger sind als im Frühjahr angenommen“, berichtete CNBC

Sie revidierten ihre Wirtschaftsaussichten sowohl für 2020 als auch für 2021 um etwa einen Prozentpunkt nach unten. Sie erwarten nun einen Rückgang des BIP um 5,4 Prozent im Jahr 2020 (niedriger als eine frühere Prognose von -4,2 Prozent) und ein Wachstum von 4,7 Prozent (weniger als eine frühere Prognose von 5,8 Prozent) im Jahr 2021 und von 2,7 Prozent im Jahr 2022.

Die „Gemeinschaftsdiagnose“ erscheint zweimal jährlich im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums und wird vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und dem ifo-Institut in München sowie mehreren anderen Organisationen erstellt.

Sie erklärten, die Herabstufung folge einer pessimistischeren Einschätzung des Erholungsprozesses.

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„Obwohl ein wesentlicher Teil des im Frühjahr eingetretenen Produktionsrückgangs bereits wieder aufgeholt ist, ist der verbleibende Aufholprozess der schwierigere Teil der Rückkehr zur Normalität“, so Stefan Kooths, Leiter der Prognose am Kieler Institut, zu den Aussichten.

Die Rückstufungen sind nicht überraschend angesichts einer zweiten Welle von Coronavirus-positiv-Testungen, die Europa und nicht weniger Deutschland heimsucht, ein Land, das für seine erste Reaktion auf das Virus im Frühjahr gelobt wurde. Deutschland konnte die Zahl der durch das Virus verursachten Todesfälle niedrig halten und liegt immer noch unter 10.000, weit unter der in Großbritannien, Frankreich, Spanien und Italien, die alle über 30.000 Todesfälle zu beklagen hatten. Nichtsdestotrotz hat Deutschland, wie seine Nachbarn, einen starken Anstieg der Infektionen zu verzeichnen, da eine zweite Welle über den Kontinent hinwegfegt.

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Am Dienstag wurden nach Angaben der Gesundheitsbehörde Robert Koch-Institut 4.122 neue Fälle gemeldet, am Mittwoch über 5.132 neue Fälle.

Deutschland hat landesweit wieder restriktive Maßnahmen eingeführt, obwohl die Regeln von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sind. In einigen Virus-Hotspots müssen Bars und Restaurants vorzeitig schließen, und jetzt führen einige Bundesländer Beschränkungen für Reisende ein, die aus Teilen des Landes mit hohen Infektionsraten kommen. Vor diesem Hintergrund scheint eine Erholung des Gastgewerbe- und Tourismussektors in weiter Ferne.

„Die Aktivität in diesem Teil der deutschen Wirtschaft wird noch für einige Zeit gedämpft bleiben und erst dann zum Rest der Wirtschaft aufschließen, wenn die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie weitgehend fallen gelassen werden, was wir nicht vor dem nächsten Sommer erwarten“, fügte Kooths hinzu.

Wie bei anderen europäischen Volkswirtschaften, wie z.B. Großbritannien, ist die Regierung sehr darauf bedacht, keinen weiteren nationalen Lockdown einzuführen, der den Fertigungssektor zu Beginn des Jahres stillgelegt hat. Dies sei ein Schlag für die exportorientierte deutsche Wirtschaft. Insbesondere, da dieser Sektor die Erholung anführt, wie Ökonomen anmerken.

„Der Aufschwung wird vor allem von den Exporten getragen, die im Zuge der Krise besonders stark geschrumpft waren“, heißt es in dem Bericht, und Kooths fügt hinzu: „Die Folgen der Krise sind noch lange nicht vorbei, wenn der Einbruch aufgeholt ist. Es wird erwartet, dass die Produktionskapazitäten mittelfristig um etwa ein Prozent unter den Schätzungen vor der Krise liegen werden, obwohl die längerfristigen Schäden der Krise besonders schwer abzuschätzen sind“.

Die Covid-19-Krise hat sich auch deutlich auf den Arbeitsmarkt ausgewirkt. Trotz des massiven Rückgriffs auf Kurzarbeitsregelungen gingen bis Mitte des Jahres schätzungsweise 820.000 Arbeitsplätze verloren, berichteten die Institutionen.

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Seither ist die Zahl der Erwerbstätigen wieder leicht angestiegen, doch das Vorkrisenniveau wird voraussichtlich erst Mitte 2022 erreicht werden. Es wird erwartet, dass die Arbeitslosenquote in diesem und im nächsten Jahr auf 5,9 Prozent steigt und 2022 leicht auf 5,5 Prozent sinkt.

Das wichtigste Risiko für die Prognose ergibt sich nach Ansicht der Experten aus dem noch unsicheren Verlauf der Pandemie. Die Institute gehen davon aus, dass ab Frühjahr 2021 die Maßnahmen zur Krankheitsbekämpfung so weit zurückgenommen werden können, dass sie bis zum kommenden Herbst keine signifikanten Auswirkungen mehr auf die Wirtschaftstätigkeit haben. Doch das ist ungewiss.

„Zur Prognoseunsicherheit trägt auch das unklare Ausmaß der krisenbedingten Unternehmensinsolvenzen im In- und Ausland bei. Darüber hinaus geben verschiedene Handelskonflikte weiterhin Anlass zur Sorge. Ein positives Risiko für die Aussichten ist der starke Anstieg der privaten Ersparnisse, der sich, wenn er schneller als in der Prognose angenommen freigesetzt wird, in einer rascher als erwarteten Erholung niederschlagen könnte, insbesondere in den konsumnahen Wirtschaftsbereichen“, so der Bericht.

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Ein Kommentar

  1. Genau da kommen wir wieder an den Punkt der Unglaubwürdigkeit der Politiker, der „Experten“ und ihr Sprachrohr, die MSM.

    Erinnern wir uns doch an das Frühjahr, als dieser Personenkreis unisono und vehement eine Rezession leugnete. Plötzlich wurde sie zugegeben und wenige Tage später kamen bereits „Erfolgsmeldungen“ über einen Wiederaufschwung.
    Dazu wurden in den lokalen Medien Start-ups vorgestellt und propagiert, über die man nur milde lächeln konnte.

    Wirkliche Unternehmensgründer werden dagegen abgeschreckt. Wer will seine Kraft, seine Ideen und sein Geld in etwas hineinstecken, was jederzeit durch eine rechtlich nicht abgedeckte Willkürentscheidung vernichtet werden kann und dauerhaft die eigene Existenz gefährdet?

    Von den bereits entlassenen und denen, die die Entlassung noch vor sich haben werden, altersbedingt, viele gestandene, erfahrene Fachkräfte nicht mehr in das Berufsleben zurückkehren. Kleinstunternehmen und kleine Mittelstandsunternehmen, die mit den Corona-Maßnahmen in das „Aus“ manövriert wurden, werden nur schwer oder gar nicht ersetzbar sein. Diese und weitere Komponenten treten in den Trendberechnungen der „Wirtschaftswissenschaftler“ erst gar nicht auf.

    Wenn die staatlich verordnete Insolvenzverschleppung endet, werden wir ein böses Erwachen erleben. Es wird ein Misstrauen in den zwischenbetrieblichen Beziehungen geben wie nie zuvor. Also das pure Gift für einen Wiederaufschwung, wo es eigentlich um die optimistische Realisierung gemeinsamer Interessen gehen müsste.

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