Wie wirkt sich Covid-19 auf unser Sexualleben aus?

Welche Veränderungen bringen die Covid-Lockdowns und die Aufrufe zur „sozialen Distanzierung“ für das menschliche Sexualleben mit sich?

Von Redaktion

Covid-19 verändert weltweit das Leben, sowohl im öffentlichen als auch im privaten Bereich. Fast sechs Monate nach Beginn sogenannten Pandemie beginnen Wissenschaftler gerade erst damit, eine Bilanz darüber zu ziehen, wie sich das Coronavirus auf die menschliche Sexualität auswirkt.

Dr. Nicola Döring, Professorin für Medienpsychologie und Mediendesign an der Technischen Universität Ilmenau in Deutschland, hat sich auf sexualitätsbezogene Mediennutzung und mediale Darstellungen von Sexualitäten spezialisiert. In einem kürzlich in den Archives of Sexual Behaviour veröffentlichten Artikel untersuchte Döring einige der vielen Möglichkeiten, wie Covid-19 unser Sexualleben – vielleicht langfristig – verändert.

Zunächst einmal sollte es kaum überraschen, dass es weit weniger Gelegenheitssex zwischen Kurzzeitpartnern gegeben hat. Lockdowns und der Ruf nach sozialer Distanzierung dämpfen effektiv persönliche Dates und Verkupplungen. Dies könnte ein Silberstreif am Horizont sein, bemerkte Döring.

„Die erwartete Verringerung des Gelegenheitssex dürfte die Übertragung von HIV und Geschlechtskrankheiten verringern, und in der Literatur gibt es bereits erste Hinweise auf einen entsprechenden Rückgang der Neuinfektionen.

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Auch wenn die Menschen möglicherweise keinen Gelegenheitssex persönlich haben, hat die Technologie dazu beigetragen, die physische Distanz zu überbrücken. Gesundheitsorganisationen empfehlen Video- und Telefonsex, und es scheint, dass viele ihren Rat befolgen.

Ein weiterer Nebeneffekt der Coronavirus-Pandemie: Die Nutzung von Pornographie ist in die Höhe geschossen. Pornhub, die beliebteste pornografische Website der Welt, stellt seit März ihre Verkehrsdaten offen zur Verfügung. Im Vergleich zu den Durchschnittswerten vor der Coronavirus-Pandemie ist der Verkehr pro Tag um etwa 17 Prozent gestiegen und hat auch nach dem Ende der Lockdowns und der Lockerung der Beschränkungen in vielen Teilen der Welt keine Anzeichen einer Verlangsamung gezeigt.

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Die Daten von Pornhub deuten auch darauf hin, dass Quarantänen und Pandemien nun erotisiert werden. Die Zuschauer sind aktiv auf der Suche nach Pornographie im Zusammenhang mit „Corona“ und „Quarantäne“. Dies sei zu erwarten, schreibt Döring.

„Aktuelle Ereignisse spiegeln sich in den sexuellen Phantasien der Menschen wider und werden so auch zum Gegenstand der Pornographie. Coronavirus-Fantasien und Pornografie haben wahrscheinlich sehr unterschiedliche Funktionen: Angstabwehr, Erotisierung der Bedrohung, Neugier auf das Bizarre, Wunsch nach Grenzüberschreitung, Hoffnung auf Genesung usw.“.

Angesichts des erhöhten Pornoverbrauchs, des stark eingeschränkten Gelegenheitssex und der Tatsache, dass viel mehr Menschen von zu Hause aus arbeiten, können wir mit ziemlicher Sicherheit erwarten, dass die Masturbation zugenommen hat. Eine frühe Studie aus China stützt diese Hypothese.

Wir können auch vermuten, dass Menschen, die mit ihren Sexualpartnern zusammenleben, öfter Sex haben. Weniger sicher ist jedoch, ob es einen „Coronavirus-Babyboom“ geben wird. Aufgrund der Ungewissheit, die mit der anhaltenden Pandemie und der beispiellosen Störung der Wirtschaft verbunden ist, haben Paare möglicherweise weniger Lust, schwanger zu werden. Diese Logik wurde in einer türkischen Studie aufgezeigt, in der verheiratete Frauen berichteten, mehr Sex zu haben, aber nur wenige sagten, dass sie beabsichtigen, schwanger zu werden. Anfang 2021 könnten wir Hinweise auf einen Babyboom oder -bust oder vielleicht überhaupt keine Veränderung der Geburtenraten sehen.

Anfang 2021 ist auch der Zeitpunkt, an dem wir optimistisch sein können, dass Coronavirus-Impfstoffe weithin verfügbar sind. Dann werden wir herausfinden, ob unser Sexualleben wieder so wird, wie es vorher war, oder ob es unwiderruflich verändert wird.

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