Washington: „Der Iran kann bis Jahresende eine Atombombe bauen“

Führt die von Washington eingeleitete Eskalation zum Bau der ersten iranischen Atombombe? Und mehr: führt dies zu einem „Präventivangriff“ der USA auf den Iran?

Von Marco Maier

In Washington versucht man um jeden Preis das Auslaufen von Sanktionen gegen den Iran zu verhindern. Dazu passt es hervorragend, dass sich die USA aus dem Atomabkommen mit Teheran zurückzogen und die iranische Führung daraufhin schrittweise dazu überging, mehr spaltbares Material zu erzeugen, um Washington erneut in das Abkommen zurückzubringen.

Nun, da die iranischen Anlagen immer mehr spaltbares Material erzeugen, warnt Washington davor, dass der Iran bis zum Ende des Jahres womöglich genügend davon zur Verfügung hat, um damit eine Atombombe zu bauen.

Also, die irre Logik der neokonservativen Kriegstreiber in Washington muss man erst einmal verstehen. Zuerst ziehen sich die USA aus dem Nukleardeal (JCPOA) zurück, welches Teheran in Sachen nuklearem Material massivst beschränkt, woraufhin die Iraner wegen den weiterhin aufrecht erhaltenen Sanktionen damit beginnen eine „jetzt erst recht“-Mentalität zu entwickeln.

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Dies führte dazu, dass die Anreicherungsanlagen mehr und mehr an spaltbarem Material produzieren, welches wohl bald schon eine kritische Masse erreicht. Etwas, das nicht der Fall wäre, hätten die Neocons aufgrund ihres pathetischen Hasses auf den Iran nicht dermaßen agiert.

Stattdessen versucht Washington nun mit den sogenannten „Snapback“-Sanktionen (die es übrigens nur als Vertragspartner verhängen dürfte, was es allerdings aufgrund des Rückzugs nicht mehr ist) den Druck auf Teheran weiter zu erhöhen. So wird US-Präsident Donald Trump am heutigen Montag eine neue Executive Order herausgeben, die es den Vereinigten Staaten erlauben, Nicht-US-Akteure mit Sanktionen zu bestrafen, die konventionelle Waffen an den Iran verkaufen.

Nun fragt man sich, ob die Warnung aus Washington, dass der Iran bis Ende des Jahres in der Lage sein soll, eine Atombombe zu bauen, für eine „Oktober-Überraschung“ in Form eines „Präventivangriffs“ im Stile von George Bush sorgt. Die „Kriegsfalken“ in Washington könnten sich erhoffen, dadurch Pluspunkte bei den Wahlen im November zu sammeln.

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Doch auf der anderen Seite heißt es schon seit rund zwanzig Jahren, dass der Iran nur wenige Monate davon entfernt ist, eine Atombombe zu bauen…

Klar, noch ein Staat mit Nuklearwaffen – und dazu noch ein islamistisches Regime – wäre nicht gerade vorteilhaft für die Welt, zumal dann auch Saudi-Arabien (welches übrigens mehr Terrorgruppen finanziert/unterstützt hat als der Iran) mit dem Bau von solchen Massenvernichtungswaffen beginnen würde, doch auf der anderen Seite… Atombomben schützen.

Atombomben schützen vor US-Invasionen, wie das Beispiel Nordkorea zeigt. Selbst die größten Kriegstreiber in Washington würden das (zumindest derzeit) nicht riskieren wollen, sonst wären sie schon längst in Nordkorea einmarschiert. Hätte der Irak damals unter Saddam Hussein tatsächlich nukleare Waffen besessen – glauben Sie, die Amerikaner und ihre HiWis wären dort einmarschiert und hätten es riskiert, dass Atomraketen in Richtung Israel fliegen?

Für den Iran wäre der Besitz von Atomwaffen in erster Linie ein Schutz vor einer militärischen Intervention der USA, Israels und deren Verbündeten. Und trotz all der Feindseligkeiten zwischen Teheran und Tel Aviv/Jerusalem beschränkt sich die Unterstützung des Irans für militante Gruppen wie die Hisbollah und diverse Palästinensergruppen auf ein verhältnismäßig geringes Niveau. Etwas Geld und ein paar Waffen, die jedoch nie zu einer existenziellen Bedrohung für Israel avancieren können.

Das Problem für die Amerikaner ist ja nicht die Terrorfinanzierung an sich (sonst würden sie Katar nicht zum „wichtigen Nicht-NATO-Verbündeten“ erklären wollen oder eng mit den Saudis zusammenarbeiten), sondern dass sich der vom Iran finanzierte Terror faktisch ausschließlich gegen Israel richtet. Für die US-Politiker, die dem Motto „Israel über alles“ folgen, ist dies ein Gräuel.

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2 Kommentare

  1. Die einzige Evolution, die die Welt gesehen hat, ist die Evolution der Waffentechnik.

    Wir haben auch ganz gute Waffen. Würden alle EU-Armeen zusammen gefaßt und alle Waffen nach innen geliefert, hätte die EU bessere Waffen und ein größeres stehendes Heer als die USA.

    1. Statist, das ist tröstlich zu wissen, denn die nächste Bedrohung für uns wird der Islam sein. Nach dem Willen des Propheten sind alle Gebiete, die schon Mal unter Islamischer Herrschaft gestanden haben, zurück zu erobern. Das sind die Iberische Halbinsel, der Balkan bis kurz vor Wien, Süditalien, Südfrankreich.
      Buchtipp: „Wenn schwarze Schwäne Junge kriegen“, von Markus Krall.

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