Wird Putin Lukaschenko retten?

Nach 26 Jahren einer stabilen politischen Führung beginnt Präsident Lukaschenkos Macht zu bröckeln. Moskau könnte intervenieren, um eine „zweite Ukraine“ zu verhindern.

Von Marco Maier

Weißrussland steht vor schwierigen Zeiten. Seit 26 Jahren regiert Präsident Alexander Lukaschenko das osteuropäische Land, welches seitdem politisch als äußerst stabil gilt. Doch mit der jüngsten Präsidentenwahl änderte sich dies.

Zwar galten die Wahlen in der ehemaligen Sowjetrepublik noch nie als wirklich „frei“ und „fair“, doch nach den erfolgreichen Farbrevolutionen in anderen Staaten in der Region (z.B. in Georgien und der Ukraine), sowie der wachsenden Unzufriedenheit in Teilen der Bevölkerung, scheinen die oppositionellen Kräfte nun ihre Zeit gekommen zu sehen.

Lukaschenko, der sich in den letzten Jahren einen Schlingerkurs zwischen Ost und West leistete, muss nun einen „weißrussischen Maidan“ fürchten. Geostrategisch liegt Weißrussland nämlich zu günstig, als dass diverse westliche Kräfte (von der CIA über das neoliberale US-Establishment bis hin zur EU) die Gunst der Stunde nicht ergreifen würden, um einen Machtwechsel zu ihrem Vorteil zu erreichen. Doch dies ist schwierig, da selbst die meisten oppositionellen Kräfte nicht wirklich als „pro-westlich“ gelten, sondern die Bindung an Russland bevorzugen. Auch sind EU-Flaggen bei den Protesten in Minsk nicht willkommen.

Unter den weißrussischen Sicherheitskräften – Polizei und Armee – scheint der Wille den Präsidenten um jeden Preis zu schützen nicht mehr besonders ausgeprägt zu sein. Vielleicht fürchtet man Säuberungswellen in den eigenen Reihen wie in der Ukraine, so dass es einigen Widerwillen gibt. Kein Wunder also, dass Alexander Lukaschenko seinen russischen Amtskollegen Wladimir Putin darum bat, in seinem Land zu intervenieren um die Unruhen zu beenden.

Loading...
Lesen Sie auch:  Chef des Auslandsgeheimdienstes: Russland plant nicht, sich in die US-Präsidentschaftswahlen einzumischen

Dies stellt für den Kreml ein großes Problem dar.  Lukaschenkos Weißrussland ist seit langem ein wichtiges Mitglied der eurasischen Wirtschaftsunion – eine wichtige Priorität für Putin – und ein verlässlicher Verteidigungspartner in der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit, der an die NATO grenzt und nicht weit von der russischen Enklave Kaliningrad entfernt ist. Während Putin und Lukaschenko ein unruhiges Verhältnis unterhalten haben, hält es Putin für ein Gräuel, dass ein öffentlicher Aufstand einen „gewählten“ Führer beseitigen würde. So wird Russland dafür sorgen, dass das Regime in Weißrussland an der Macht bleibt. Im Moment befindet sich Lukaschenko in der schwierigen Lage, eine gewaltsame Niederschlagung eingeleitet zu haben, die nicht erfolgreich war. Seine Legitimität schwindet dahin, und er hat immer noch keine Kontrolle.

Doch wie soll sich der Kreml verhalten? Ein russischer Einmarsch zur Rettung von Lukaschenko könnte das hohe Ansehen Moskaus im Land ruinieren. Immerhin müssten die Russen zehntausende Soldaten ins Nachbarland entsenden, um die Aufstände unter Kontrolle zu bringen – ein Bild, welches man vermeiden möchte. Eine höchst schwierige Lage für Wladimir Putin.

Spread the love

Wir brauchen ihre Unterstützung!

Liebe Leser, wenn Sie keine Premiumartikel lesen möchten, aber uns dennoch unterstützen wollen, dann können sie das auch mit einer Spende auf unser Bankkonto tun. Fragen Sie per eMail: [email protected] nach den Bankdaten oder übersenden Sie einen Unterstützungsbeitrag einfach per Paypal. Danke für Ihre Hilfe!

Loading...

Ein Kommentar

  1. Er wird Weißrussland retten mit oder ohne. Betonung liegt auf ohne … NATO. Von dem Gesindel lungert nun schon genug um Rußland herum. Es wird keine Wiederholungen geben. Er hat bei der Krim dem Wertstoffrestewesten ein klares Stopp auf die dreckigen Pfoten gehauen. Das nennt man Frieden.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.