Wir stehen vor der finanziellen Kernschmelze

Die Börsen heben ab, während die Realwirtschaft dahinsiecht. Warum? Billiges Zentralbankgeld und Trading-Glücksritter. Der große Knall kommt noch.

Von Marco Maier

Schon zu Beginn der 2000er-Jahre galt man als Schwarzseher, wenn man auf diverse Blasen hinwies. Dann kam 2007/2008 der Finanzcrash. Dieser hob das globale Finanzsystem zwar trotz der Schäden von 2000/2001 noch nicht aus den Angeln, sorgte jedoch für neue irreparable Wunden. Nun haben wir mit der „Corona-Krise“ und den ganzen Lockdowns den nächsten Schlag auf das Finanzsystem.

Das bringt mich zu der Fabel von dem jugendlichen Schäfer, der sich zuerst einen Spaß draus machte zu rufen „Die Wölfe kommen!“, weil ihm langweilig war. Das funktionierte einige Zeit gut, und jedes Mal kamen Dorfbewohner um nachzusehen. Doch irgendwann glaubte ihm keiner mehr. Nur eines Tages kam wirklich ein Rudel Wölfe und fiel über die Schafe her. Als der Junge dann „Die Wölfe kommen!“ rief, wollte ihm niemand glauben – doch am nächsten Morgen waren keine Schafe mehr da.

Diese Fabel mag zwar nicht Eins zu Eins übersetzbar sein, doch im Grunde genommen kann man diese Geschichte mit uns „Warnern“ vergleichen. Wir sehen die Zahlen, die Fakten, die Umstände – und warnen vor den möglichen Folgen. Doch weder 2001 noch 2008 kam der große Crash. Gut, es kann sein, dass wir auch 2020/2021 noch keinen totalen Zusammenbruch erleben werden (wobei ich nicht darauf wetten würde), aber wissen wir es?

Die Selbsterhaltungskräfte des Systems sind stark. Und so lange das ganze Geld der Zentralbanken irgendwie im Finanzsystem verpuffen und die Realwirtschaft nicht zu sehr in Mitleidenschaft ziehen, kommt die Welt auch dieses Mal um den Kollaps herum. Doch mit jeder Krise verschwinden noch mehr Widerstandskräfte des Systems, welches ohnehin schon extrem angeschlagen ist.

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Russland und China haben sich schon auf diesen großen Knall vorbereitet und sich mit Unmengen an Gold eingedeckt. In Moskau und Peking ist man sich sicher, dass mit dem finalen Knall an den Finanzmärkten auch Währungen wie der US-Dollar und der Euro das finale Schicksal von Fiat-Währungen erleiden: die werden auf den Papierwert reduziert (was übrigens Münzen wertvoller als Banknoten macht). Ein Schicksal, von dem auch der russische Rubel und der chinesische Yuan nicht völlig verschont bleiben werden.

Aber im Falle eines Neuaufbaus einer finanziellen Weltordnung haber sowohl Russland als auch China einen entscheidenden Vorteil: Goldreserven. Und das nicht zu knapp.

Auch wenn man davon ausgehen kann, dass in Folge eines globalen Währungscrashs die Regierungen weltweit dazu übergehen, „den Franklin Delano Roosevelt zu machen“, also den privaten Goldbesitz für illegal zu erklären, so wird doch auch deutlich, dass die „Flucht“ in Edelmetalle eigentlich gar keine so schlechte Idee ist. Vielleicht mag man die nächsten fünf Jahre oder so die eigenen Bestände nicht (offiziell) veräußern können, doch früher oder später lohnt sich das.

Wovon man ausgehen sollte, ist, dass auf die Ära des „Fiat-Geldes“ (Banknoten, Scheidemünzen und Buchgeld) die Ära der (staatlichen) Kryptowährungen folgen wird. Blockchain for the win. Bitcoin, Ethereum & Co, die bislang die Pionierstellungen übernommen haben, sind auch in diesem Falle nicht sicher. Wenn die Regierungen rund um den Erdball diese für illegal erklären, weil sie ihre eigenen Blockchain-Währungen durchsetzen wollen, bleibt kein Platz für sie.

Aber was gewiss ist, ist der Umstand, dass das bisherige Spiel der Notenbanken nicht mehr lange funktionieren wird. Aktionäre wollen eine gewisse Kapitalrendite sehen und wenn diese (aufgrund der realwirtschaftlichen Entwicklungen) nicht mehr gegeben ist, fallen auch die Börsenkurse in die Tiefe. Und wer einen Blick auf die tatsächliche Situation an den Börsen wirft, der erkennt: die aktuellen Blasen resultieren aus der Geldschwemme der Notenbanken und den vielen „Millenials“, die sich aus der Not der schwierigen wirtschaftlichen Situation heraus als „Trader“ an den Börsen versuchen. Kleinvieh macht auch Mist – vor allem mit „Hebeln“.

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Wenn man all diese Faktoren mit einbezieht, wird deutlich: das Ende naht. Und das heftiger als so manche erwartet (und vielleicht auch erhofft) haben.

Wie das (mit nicht zu großen Verlusten oder vielleicht etwas Gewinn) zu überstehen ist – dafür gibt es kein Patentrezept, nur Möglichkeiten. Denn was die Eliten schlussendlich geplant haben (auch in Sachen totaler Überwachung), weiß von uns allen niemand. Wir können nur spekulieren und unsere Mosaiksteinchen zusammensetzen.

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4 Kommentare

  1. Bei TARGET2 lassen Länder wie Italien und Spanien seit Jahren ihre Rechnungen anschreiben, überwiegend zu Lasten Deutschlands. Die TARGET2-Salden sind somit ungedeckte Kredite, die nicht in der Staatsverschuldung Deutschlands auftauchen. Ein Wirt, der einen Gast über Jahre anschreiben lässt, läuft Gefahr, dass er sein Geld nicht mehr wiedersieht. Gleiches gilt für Deutschland und seine Steuerzahler! https://incamas.blogspot.com/2020/08/bundesbank-kritisiert-gemeinsame-eu.html

  2. Target 2 ist eine „überschaubare“ Größe in der deutschen Fehldisposition / Schuldenbilanz.
    Die gesamten Schulden sind deutlich höher, möglicherweise gelingt es der „Elite“ auch noch, Teile der Derivateblase und anderer Finanzwetten dem Michel auf’s Auge zu drücken! Deren Lobbygruppen werden das konsequent und unerbittlich anstreben…
    Und zumindest den Wählern des schwarz-rot-grün- (und evtl. links-) Desasters steht die Zuweisung der Gesamtschulden zwecks Begleichung rechtmäßig zu!
    Wer nicht hören und sehen will, muss fühlen! Wer bestellt, muss auch zahlen für den Murks.
    Langjährige Kritiker (gern Verschwörungstheoretiker genannt) sollten ihre Absicherung gegen die merkelschen Flausen (=Verschwörungspraxis) längst eingerichtet haben.
    Und, wir müssten uns Gedanken machen, wie die „Zauberlehrlinge“ ihre Wiedergutmachung abzuleisten haben?!

  3. Hauptsache ist, dass die Mehrheit der Bevölkerung FREIWILLIG in die nächste Wahlzelle eilt, um „Ja, weitermachen“ mit Blankovollmacht Wahlkreuz anzuordnen.
    Die Demokratie ist eine Diktatur der Zufriedenen.

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