Mysterium: Wem gehörten die Chemikalien in Beirut?

Stammte das Ammoniumnitrat, welches im Hafen von Beirut explodierte, aus Geheimdienstquellen? Die ganze Sache ist sehr dubios.

Von Redaktion

Libanesische und internationale Ermittler haben noch nicht den Eigentümer der 2.750 Tonnen Ammoniumnitrat identifiziert, die sieben Jahre lang im Hafen von Beirut lagerten, bevor sie am 4. August bei einem unbeabsichtigten Lagerhausbrand explodierten, bei dem über 200 Menschen getötet und mehr als 6.000 verletzt wurden.

Es wurde auf einen Wert von 700.000 Dollar zu Preisen von 2013 geschätzt, aber niemand meldete sich jemals, um es zu beanspruchen. Es ist immer noch ein Rätsel, selbst nachdem die zypriotischen Behörden auf Ersuchen von Interpol Ende letzter Woche endlich den Mann befragt haben, der die Rhosus ursprünglich im Hafen liegen lassen hatte: einen russischen Geschäftsmann namens Igor Grechushkin.

Dieser kümmerte sich nicht mehr um Schiff und Ladung, nachdem diese wegen Probleme des Schiffes und einer unbezahlten Besatzung im Hafen von Beirut einliefen und festgesetzt wurden. Ursprünglich sollte das Ammoniumnitrat von Georgien nach Mosambik geliefert werden.

Reuters hat zusammen mit anderen das Schiff untersucht, das 2018 vor Beirut vor Anker ging, und das Rätsel um die Frage, wem die gefährliche Ladung gehörte: „Zu den noch unbeantworteten Fragen gehört: Wer bezahlte für das Ammoniumnitrat, und haben sie jemals versucht, die Ladung zurückzufordern, als die Rhosus beschlagnahmt wurde? Und wenn nicht, warum nicht?“

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Reuters sagt, es seien „zahlreiche rote Flaggen“ aufgedeckt worden. Für den Anfang gibt es das hier:

Nach internationalen Seerechtskonventionen und einigen nationalen Gesetzen müssen Handelsschiffe eine Versicherung haben, die Ereignisse wie Umweltschäden, Verlust von Menschenleben oder Verletzungen durch Untergang, Überlaufen oder Kollision abdeckt. Die Rhosus war jedoch nicht versichert, wie zwei mit der Angelegenheit vertraute Quellen berichten.

Es gibt keine Versicherung und keine Einzelperson oder Firma, die bereit ist, Besitzansprüche geltend zu machen, und es gibt eine lückenhafte Papierspur, die entweder auf jahrelange Vertuschung oder Abschirmung der Verantwortung schließen lässt.

„Aber Reuters befragte und suchte in zehn Ländern nach Dokumenten, um den ursprünglichen Eigentümer dieser 2.750 Tonnen schweren Ladung zu ermitteln. Stattdessen enthüllte der Bericht eine komplizierte Geschichte von fehlenden Unterlagen, Geheimhaltung und einem Netz von kleinen, undurchsichtigen Firmen, die den ganzen Globus umspannen“, heißt es in dem Bericht.

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Eigentlich werden solche Netze von kleinen, undurchsichtigen Firmen gerne von Geheimdiensten, aber auch kriminellen Organisationen genutzt. Denn damit lassen sich Spuren leichter verwischen.

Es geht weiter: „Diejenigen, die mit der Sendung in Verbindung stehen und von Reuters befragt wurden, bestritten alle die Kenntnis des ursprünglichen Eigentümers der Fracht oder weigerten sich, die Frage zu beantworten. Zu denjenigen, die sagten, sie wüssten es nicht, gehörten der Kapitän des Schiffes, der georgische Düngemittelhersteller, der die Ladung herstellte, und die afrikanische Firma, die die Ladung bestellte, aber sagte, sie habe nie dafür bezahlt.

Die georgische Düngemittelfirma, die das Ammoniumnitrat herstellte, wurde 2016 aufgelöst, während die „Zwischenhändler“-Handelsgesellschaft, über die sie bestellt worden war – Savaro Ltd – sich weigerte, Fragen zu beantworten.

Nur dies konnte jedoch in Erfahrung gebracht werden: „Eine Quelle, die mit den inneren Abläufen des Handelsgeschäfts von Savaro vertraut ist, sagte, dass das Unternehmen Düngemittel aus Staaten der ehemaligen Sowjetunion an Kunden in Afrika verkaufte“, so Reuters.

Wie der Bericht beschreibt, sollte ironischerweise die Eigentumskette in Bezug auf eine bestimmte verschiffte Fracht der am einfachsten zu ermittelnde Aspekt einer Lieferung sein, bleibt aber in diesem Fall das am schwierigste zu entziffernde und umstrittenste Element.

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4 Kommentare

  1. Kindernachrichten: Gewaltige Explosion in Beirut | NDR.de …

    Freiheit statt Feminismus

    Jedenfalls stammt das Zeug aus Fabrikhallen des Chemie- und Pharmakartells und war für Düngemittel oder Sprengstoff hergestellt worden. Wer hat denn die Kapazitäten?
    Ja, das ist interessant, daß Bayer oder DuPont nichts vermissen? Und die vermummten Soziopathen dem Kartell das Leben ihrer Anhänger anvertrauen?

  2. Man könnte mal bei den Franzosen nachfragen!
    Die haben doch den Krieg angeführt und haben erst einmal das Gold gestohlen. Dafür haben sie dann wahrscheinlich den Dreck da gelassen , um zu Hause eine Entsorgung zu sparen!

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