Gerät der Dollar-Standard außer Kontrolle?

Wenn sich die Kommentatoren auf die Krankenhausaufenthalte zweier Golfmonarchen konzentrieren und wahrscheinliche Nachfolgefragen permutieren, könnten sie den Wald für die Nachfolgebäume verpassen: Natürlich ist der Tod entweder des Emirs von Kuwait (91 Jahre alt) oder des Königs Salman von Saudi-Arabien (84 Jahre alt) eine ernste politische Angelegenheit. Insbesondere König Salmans hat das Potenzial, die Region wieder in Schwung zu bringen (oder auch nicht). Doch die Stabilität am Golf hängt heute weniger davon ab, wer Erfolg hat, sondern vielmehr von tektonischen Verschiebungen in der Geofinanzierung und Politik, die gerade erst sichtbar werden. Es ist an der Zeit, sich von den abgestandenen Gedanken darüber zu verabschieden, wer in diesen dysfunktionalen Familien „oben und unten“ und wer „unten und draußen“ ist.

Es ist eine Tatsache, dass die Stabilität in der Golfregion darauf beruht, dass genug Energie verkauft wird, um die innere Unzufriedenheit aufzukaufen und die überdimensionierten Überwachungs- und Sicherheitseinrichtungen zu bezahlen.

Im Moment sind die Zeiten hart, aber die finanziellen „Polster“ der Staaten sind gerade dabei, sich zu halten (wenn auch nur für die großen Drei: Saudi-Arabien, Abu Dhabi und Katar). Für andere ist die Lage schlimm. Die Frage ist, ob der gegenwärtige Status quo fortbestehen wird. An dieser Stelle werden die Warnungen vor Verschiebungen bestimmter globaler tektonischer Platten immer lauter.

Der kuwaitische Erbfolgekampf ist ein Sinnbild für die Kluft am Golf: Ein Kandidat für das Amt des Emirs, (der Bruder), steht mit Saudi-Arabien und seinem von den Wahhabiten geführten „Krieg“ gegen sunnitische Islamisten (die Muslimbruderschaft). Der andere Kandidat, (der älteste Sohn), wird von der Muslimbruderschaft, Katar und der Türkei aktiv unterstützt. So sitzt Kuwait fest am Abgrund des Golfs – eine Region mit bedeutenden, aber entmachteten schiitischen Minderheiten und einem sunnitischen Lager, das wegen der Unterstützung der Muslimbruderschaft gespalten ist und sich „im Krieg“ mit sich selbst befindet; oder was (höflich gesagt) „autokratische säkulare Stabilität“ genannt wird.

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So interessant das auch ist, ist das wirklich noch so relevant?

Der Golf wird, was vielleicht noch wichtiger ist, als Geisel zweier riesiger Finanzblasen gehalten. Die wirkliche Gefahr für diese Staaten könnte sich als von diesen Blasen ausgehen, die geradezu ein Teufel sind, wenn sie in irgendein sanftes, gasförmiges Ausströmen eingestochen werden. Sie werden von der Massenpsychologie aufrechterhalten und enden in der Regel katastrophal in einem „Wutanfall“ oder einem „Zusammenbruch“ des Marktes – und mit dem daraus resultierenden Risiko einer Depression, sollten die Zentralbanken jemals versuchen, den Fuß vom monetären Beschleuniger zu nehmen.

Die allgegenwärtige „Vermögensblase“ in den USA ist berühmt. Die Zentralbanken machen sich seit Jahren Sorgen darüber. Und die Fed wirft mit Geld um sich – mit Hingabe – um zu verhindern, dass sie platzt. Aber wie bereits angedeutet, sind solche Blasen sehr anfällig für Psychologie – und das könnte sich ändern, wenn die berühmte V-förmige, erwartete wirtschaftliche Erholung in die virusbedingte Ferne rückt. Doch vorerst glauben die Anleger, dass die Fed es nicht wagen wird, sie implodieren zu lassen – dass die Fed absolut keine andere Wahl hat, als sie weiterhin mit immer mehr Geld zu bewerfen (zumindest bis zu den Wahlen im November … & was dann?).

Weniger sichtbar ist diese andere riesige ‚Vermögensblase‘: Der chinesische Immobilienmarkt. Mit seinem geschlossenen Kapitalkonto verfügt China über eine riesige Summe (etwa 40 Billionen Dollar), die auf kollektiven Bankkonten herumschwappt. Dieses Geld kann nicht ins Ausland fließen (zumindest nicht legal), so dass es zwischen drei Vermögensmärkten rotiert: Wohnungen, Aktien und Rohstoffe. Aber in Wohnungen zu investieren ist der absolute König! 96 Prozent der Chinesen in den Städten besitzen mehr als eine Wohnung: 75 Prozent des Privatvermögens besteht aus Investitionen in Eigentumswohnungen – wobei 21 Prozent im städtischen China mangels eines Mieters leer stehen.

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Eine Analyse von Alastair Crooke.

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2 Kommentare

  1. Wir haben erkannt, daß wir eine völlig falsche Vorstellung von Viren hatten. Viren sind etwas Normales, die töten ihre Wirte nicht, weil sie sich dann selber töten würden. Viren wollen sich verbreiten. Und uns macht das, was uns nicht tötet, stärker. Die Immunabwehr hat profitiert.
    Biotechviren, die ihre Opfer töten, sind damit auch widerlegt. – Das war zwar nie mein Interesse, aber in der Not macht man sich schlau.

    Das wissen die Staatsspitzen natürlich auch. Daß Widerstand entstehen wird, daß Firmen zusammenbrechen werden und Unruhen und Arbeitslosigkeit steigen. Trotz dem halten sie am Lockdown fest.
    Coca Cola sieht das nicht anders als die Discounter und Merkel. Zusammenhalten wird beschworen, der Teamgeist, der Teamplayer angesprochen.
    Und wir fragen uns, warum stürzt die Börse nicht ein? Warum gibt’s keinen Krach wie bei 9/11 und dann eine Rauchwolke?
    Das Wirtschaftsluder ist zäh. Noch zäher scheinbar der Finanzmarkt?
    Warum steigen die Zentralbankzinsen nicht, nicht hier und nicht in den USA? Die sind schon 2008 nicht angezogen, obwohl alle Auguren und Expertenblätter die Hyperinflation gesehen haben und nun schon wieder sehen.
    Günter Rexrodt hat unter Helmut Kohl die Wirtschaftspolitik „umgestellt“ von nachfrageorientiert auf angebotsorientiert. Das ist ein Unterschied zur Sichtweise der Experten, die nur von einem graduellen Unterschied ausgehen. In deren Augen haben sich die Kapitalmarktkräfte nur beschleunigt auf neoliberal.
    Das System ist Corporatismus. Ich weiß nicht, ob der im Netz richtig beschrieben wird. Da muß man in Bücher gucken, Schacht, Mussolini, Pinochet (Chile heute) und seine Buhle Maggie, Chicago-Boys und Friedman.

    Trotzdem stellt sich die Frage, warum gibt’s keine Kernschmelze? Eine kritische Masse gibt es doch immer?

  2. @Lutz Gerke

    „Warum entsteht keine Kernschmelze?“

    Weil die Protagonisten diese bereits laufende Kernschmelze noch nicht zur Explosion bringen wollen. Die Party, die Umverteilung von Vermögen von arm zu reich, ist noch nicht abgeschlossen. Es sind bisher erst 400 Mrd. $ in die Taschen von Fink. Bezos und Konsorten geflossen. Ein interessantes Zeichen ist die Tatsache, dass Buffet begonnen hat eigene Aktien zurückzukaufen. Das ist das Signal, dass der Ausverkauf beginnt und ein zweiter Logdown ansteht, um die Schafe ruhig zu halten.

    Es ist eigentlich traurig, dass die Masse immer wieder auf die gleichen Tricks hereinfällt. Diesmal ist es ein Virus, also die Angstkarte. Wer noch einen Rest an Naturverbundenheit für sich in Anspruch nimmt, hätte angesichts der vielen Fehler in der Argumentationskette der Virenhyper erkennen können, das was nicht stimmt. Ganz abgesehen von der Tatsache, dass z.B. die sogenannten Kinderkrankheiten von der Natur gewollte Stärkungsmaßnahmen sind, die bei einem gesunden Organismus nie zu Verwerfungen führen. Es ist sogar wahrscheinlich, dass der Versuch des Wegimpfens, insbesondere mit lukrativen Kombinationsimpfungen, die späteren Zivilisationskrankheiten neben der Fehlernährung hervorrufen. Der nun anstehende zweite Logdown (mit weniger Toten?) wird die Endphase einläuten und dann auch nach deflatorischen Tendenzen die erhoffte hohe Inflation auslösen. In diesem Szenario wird das FED System zerstört und ein Dollar 2.0 mit Rohstoffunterlegung (Gold, Silber etc) Einzug halten. Die EU wird wohl Selbstmord begehen und die Nationen zu ihren eigenen Währungen zurückkehren. Der Kulminationspunkt ist m.E. die Wiederwahl Trumps im November.

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