„Ein Impfstoff oder nichts“ – Philippinen planen Beginn der russischen Impfstoffversuche

Präsident Duterte setzt auf den russischen Impfstoff und will als Vorbild für sein Volk selbst einer der ersten sein, die ihn injiziert bekommen. Die Philippinen werden auch an der Phase 3-Studie teilnehmen.

Von Redaktion

Ein paar Tage nachdem der philippinische Präsident Rodrigo Duterte sich als Freiwilliger für eine Testdosis des von Russland für die Phase 3-Studie zugelassenen Impfstoffs gemeldet hatte (nachdem Präsident Wladimir Putin sagte, dass eine seiner beiden erwachsenen Töchter während „des Experiments“ eine Impfstoff-Kur erhalten habe), haben die Philippinen offiziell zugestimmt, klinische Versuche mit „Sputnik V“ durchzuführen.

Ein Sprecher von Duterte sagte am Donnerstag, dass die Versuche im Oktober beginnen würden und dass der Impfstoff „Sputnik V“, falls sie erfolgreich verlaufen, bis April oder Mai 2021 für den öffentlichen Gebrauch registriert würde, so die Financial Times.

Die Russen verwenden für den Impfstoff einen „Adenovirus-Vektor“. Diese Technologie wird jedoch auch von der Partnerschaft zwischen der Universität Oxford/AstraZeneca genutzt, die kürzlich einige vielversprechende Daten veröffentlicht hat, die eine Markterholung ausgelöst haben. Oberflächlich betrachtet könnte dies die Behauptungen zu bestätigen scheinen, dass „von Russland unterstützte“ Hacker die britische Impfstoffforschung gestohlen haben. Zumindest werden entsprechende Vorwürfe in den westlichen Medien bereits laut.

Obwohl er bis zum Frühjahr warten muss, wird Duterte nach Angaben seines Sprechers Harry Roque tatsächlich einer der ersten sein, dem der Impfstoff im Land injiziert wird: „Das ist keine metaphorische Aussage“, sagte Roque in einem Online-Briefing mit Journalisten. „Er ist bereit, sich dem zu unterziehen.“

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Die Experten sagten der FT, dass der Ausbruch des Virus im Lande inmitten der von Duterte angeordneten wirtschaftlichen Wiedereröffnungen, die ihn dazu inspirierten, die restriktiven Lockdowns in der Hauptstadt Manila wieder einzuführen, wieder aufflamme, und dass seine Strategie eindeutig darin besteht, so schnell wie möglich einen Impfstoff auf den Markt zu bringen.

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„Ich denke, Dutertes Strategie ist ein Impfstoff oder gar nichts“, sagte Richard Heydarian, ein politischer Analyst und Autor eines Buches über den Staatschef. „Dieser Mensch ist von der typischen populistischen Abneigung gegen die Krise zu einem der weltweit größten Befürworter von Lockdowns geworden“. Allerdings gilt Heydarian als liberaler Kritiker Dutertes und veröffentlicht auch immer wieder äußerst kritische Artikel in ausländischen Publikationen, in denen er die Politik des im Lande weiterhin hoch angesehenen Staatschefs scharf attackiert.

Sicherlich wird das Aufkommen des Impfstoffs auf den Philippinen wahrscheinlich auf eine Mischung aus Skepsis und Hoffnung stoßen, da das Land in der Vergangenheit immer wieder durch Impfstoffe verbrannt wurde: Wie die FT betont, hat das Land 2018 den Dengvaxia-Dengue-Impfstoff von Sanofi ausgesetzt, nachdem philippinische Beamte ihn mit einer Flut von Krankheiten und Todesfällen in Verbindung brachten, obwohl Sanofi darauf bestanden hat, dass der Impfstoff „sicher“ sei.

Russische Ärzte und Lehrer beginnen, sich impfen zu lassen, am Mittwoch sollen fortgeschrittene Studien beginnen, an denen „mehrere tausend Menschen“ teilnehmen und die mehrere Länder umfassen, darunter die VAE, Saudi-Arabien und möglicherweise Brasilien sowie Mexiko.

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