Tönnies ist nur das Symptom, nicht das Problem

Die Zustände bei Tönnies und anderen Fleischverarbeitern sind schrecklich. Doch das Problem liegt vielmehr in der deutschen Politik, die das überhaupt ermöglicht.

Von Marco Maier

Immer wieder echauffiert man sich über das Verhalten von Unternehmen wie Tönnies, Amazon und diversen Paketdienstleistern, wo teils nicht gerade berauschende Arbeitsbedingungen herrschen und es Diskussionen über die Bezahlung der Arbeitskräfte gibt. Doch diese Unternehmen sind nicht das eigentliche Problem.

Wie kommt es überhaupt, dass solche Bedingungen quasi schon zur deutschen Normalität gehören? Liegt es an den Unternehmen selbst? Nur bedingt. Denn diese machen nur das, was ihnen rechtlich auch erlaubt wurde. Wäre dem nicht der Fall, würden Arbeitsinspektorate längst schon Sturm laufen und es ständig Strafen hageln. Doch dem ist nicht so.

Und warum? Weil das Problem bei der Politik liegt, die sich wohl auch von Lobbyisten hat kaufen lassen. Selbst wenn beispielsweise im benachbarten Österreich auch nicht alles Gold ist was glänzt, zeigt das dortige System der flächendeckenden Kollektivverträge und der deutlich besseren Lage von Leiharbeitskräften, dass es auch anders geht. Auslagerungen an Subunternehmen zur Einsparung von Kosten sind dort nicht im selben Maße möglich wie in der Bundesrepublik.

Wer die gesetzlichen Grundlagen dafür schafft, dass mit Billig-Arbeitskräften zu unmenschlichen Bedingungen Unternehmen betrieben werden dürfen, darf sich nicht darüber wundern, dass die Unternehmen dies im allgemeinen Kampf um günstige Preise und hohe Renditen auch entsprechend ausnutzen.

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Tönnies, bzw. die Zustände dort sind nur ein Symptom für die grundlegenden Probleme in Deutschland, weil man seitens der Politik die Arbeitnehmerrechte zunehmend ausgehöhlt hat. Wirtschaftsfreundlichkeit schließt auch Arbeitnehmerfreundlichkeit mit ein. Das scheint man in Berlin jedoch offenbar anders zu sehen. Und dabei ist es egal, ob CDU/CSU, SPD, FDP oder Grüne in der Bundesregierung sitzen.

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