Russland ist nicht unser Feind

Europa muss konstruktiv mit Russland zusammenarbeiten. Hasstiraden von US-Agenten in Führungspositionen bringen uns nicht weiter. Die Welt wird multipolar.

Von Marco Maier

Würde man sich nur auf das verlassen, was die Mainstreammedien und die Vertreter der politischen Parteien immer wieder von sich geben, könnte man glauben, wir befänden uns mit Russland im Krieg. Kaum ein Tag vergeht, an dem es nicht geradezu Hasstiraden, Unterstellungen und Vorwürfe hagelt.

Doch wenn man einmal etwas genauer hinblickt, erkennt man, dass die meisten dieser „Kalten Krieger“ enge Verbindungen zu den Vereinigten Staaten besitzen. In Deutschland beispielsweise sind es transatlantische Think Tanks (Atlantik-Brücke, Aspen Institute, Bilderberger usw.), in den früheren Ostblockstaaten zumeist Politiker, die während der Sowjetzeit im westlichen (vorzugsweise US-amerikanischen oder britischen) Exil lebten.

Beispiele aus dem östlichen Europa gefällig? Wie wäre es mit den Spitzenpolitikern der baltischen Staaten, mit denen sich Deutschlands Außenminister, Heiko Maas, jüngst traf:

So ist beispielsweise der konservative estnische Premierminister Jüri Ratas Baptist. Die aus den Vereinigten Staaten Missionare in alle Welt sendende evangelikale Sekte prägt auch die politische Ausrichtung der Mitglieder.

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Egils Levits, der aktuelle lettische Präsident, gehörte zur Lettischen Volksfront, welche das Land in die Unabhängigkeit von der Sowjetunion führte. Es ist allseits bekannt, das CIA und MI6 die Unabhängigkeitsbewegungen in den Sowjetrepubliken unterstützten. Krišjānis Kariņš, der lettische Premierminister, wurde hingegen in Delaware in den USA geboren und war während seiner Jugend in der amerikanisch-lettischen Gemeinschaft aktiv.

Litauens Präsident, Gitanas Nausėda, erhielt ein Stipendium der deutschen DELTA-Stiftung des deutschen Unternehmers Dr. Fridolin Scheuerle, bildete sich sogar im Bundestag und der Weltbank in Washington D.C. weiter und gilt sowohl als EU- als auch als NATO-freundlich, wie auch dessen Premierminister, Saulius Skvernelis. Dieser hat zwar keine direkten westlichen Verbindungen, wuchs aber nahe der polnischen Grenze auf, weshalb er auch polnisch spricht.

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Wenn wir nun bei Polen sind, welches zusammen mit den baltischen Ländern die ausgeprägteste Russphobie in den östlichen EU-Staaten aufweist und sich stets den Angloamerikanern anbiederte. Präsident Mateusz Morawiecki stammt aus einer antikommunistischen Dissidentenfamilie und ist Teilnehmer der transatlantisch ausgerichteten Münchner Sicherheitskonferenz.

Auch wenn es in den Bevölkerungen dieser Länder gewiss historisch bedingt gewisse Abneigungen gegen Moskau gibt, so sollten auch diese Menschen verstehen, dass Russland nicht deren Feind ist. Man verweist gerne auf die Ukraine, doch was man dabei nicht aus den Augen lassen sollte, ist der Umstand, dass es die USA (wer erinnert sich noch an Victoria „Fuck the EU“ Nuland, die sich beklagte, die USA hätten 4,5 Milliarden Dollar in den Regime Change gesteckt, und es sei nichts dabei rausgekommen?) und die EU damals waren, die den Putsch der prowestlichen und nationalistischen Gruppen (die sogenannte „Maidan-Revolution“) aktiv unterstützten.

Ein Putsch gegen Präsident Janukowitsch, der zwar Russland-freundlich war, aber auch der Opposition Zugeständnisse machen wollte. Inklusive vorgezogene Neuwahlen, die wahrscheinlich ohnehin angesichts der knappen Mehrheitsverhältnisse zwischen den beiden großen Gruppen zu deren Gunsten ausgegangen wäre. Vor allem die aggressive Vorgehensweise durch die ukrainischen Nationalisten und die Völkermordphantasien gegenüber der russischen Minderheit sorgten dafür, dass sich einerseits die Krim wieder Russland anschloss und andererseits die Menschen im Donbass Widerstand leisteten und sich für unabhängig von Kiew erklärten.

Man stelle sich vor, der Kreml hätte gar nicht darauf reagiert und die Separatisten nicht unterstützt (was übrigens verfassungswidrig wäre, da Russland für die Auslandsrussen eine Verantwortung trägt), dann wären heute wahrscheinlich NATO-Raketen nur 600 Kilometer von Moskau entfernt stationiert und der Schwarzmeerhafen auf der Krim wäre zur NATO-Basis umfunktioniert worden. Das war kein „russischer Angriff“ (wie es immer wieder dargestellt wird), sondern rein defensive Maßnahmen, die auch die Vereinigten Staaten im umgekehrten Fall beispielsweise umgesetzt hätten.

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Europa braucht Russland so wie Russland Europa braucht. Mit solchen Aktionen wie in der Ukraine und dem ständigen Bedrohungsaufbau in Osteuropa schafft man jedoch kein Vertrauen, sondern vor allem Misstrauen. Vor allem dann, wenn Politik und Medien ständig nur Tiraden in Richtung Moskau schleudern.

Die Welt ist nicht bipolar, nicht ein „wir gegen die“. Die Welt ist multipolar, ein Zusammenarbeiten dort, wo Kooperation nötig ist und mit gegenseitigem Respekt. So wie es zwischen dem orthodoxen Russland, dem kommunistischen China und dem islamischen Iran beispielsweise auch funktioniert. Man mischt sich da trotz all der Unterschiede nicht in die internen Angelegenheiten der anderen Länder ein. Dann funktioniert das auch, wie man deutlich erkennt. Und die Europäer können das genauso machen.

Die NATO auflösen, die US-Soldaten nach Hause schicken und sich dann einen Platz in der neuen multipolaren Welt suchen – das ist es, was die Europäer machen sollten, anstatt sich Feindbilder aufzubauen. Man kann sowohl mit den USA, als auch mit Russland, China, Indien und allen anderen Ländern dieser Welt auf konstruktive Art und Weise zusammenarbeiten, anstatt sich stets als moralinsaurer Oberlehrer aufzuführen, der jedoch selbst mehr als genug Dreck am Stecken hat.

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Ein Kommentar

  1. Es stimmt:wir brauchen einander und müssen endlich dieses Freund/Feind-Gedudel ablegen.Daß z.B. in Deutschland eine ganze Reihe Menschen anderer Nationalitäten seit vielen Jahren leben,empfinde ich größtenteils als Bereicherung.Und manchmal erinnern sie auch daran,was Gastfreundschaft ist.Das sollte uns beschämen,denn vor der „Schau mal,was ich alles habe-Zeit“ gab es sowas bei uns auch.?

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