Proviziert Washington Indien zu einem Krieg mit China?

US-Außenminister Mike Pompeo schlug kürzlich in einer Videokonferenz vor, dass die USA einen Teil ihrer Truppen aus Deutschland in die Region um Indien verlegen könnten, und verwies auf wachsende Sicherheitsbedenken der USA im asiatischen Raum. Angesichts des dramatischen Anstiegs der Spannungen zwischen Indien und China über umstrittene Grenzen in der Region Nepal und Bhutan, wo Berichten zufolge mehrere Soldaten beider Seiten im Nahkampf ums Leben kamen, stellt sich die Frage, ob Washington absichtlich versucht, Kriegsfeuer zwischen den beiden asiatischen Riesenmächten zu entfachen. So unwahrscheinlich dies derzeit auch sein mag, es zeigt, wie instabil unsere Welt inmitten der „wirtschaftlichen Depression des Coronavirus“ und des wahrgenommenen Machtvakuums der USA auf dem Rückzug wird.

Bei einem virtuellen Brüsseler Forum des Deutschen Marshall-Fonds am 25. Juni wurde Außenminister Pompeo nach den jüngsten Aussagen gefragt, wonach das US-Militär beabsichtige, ein Kontingent seiner Streitkräfte aus Deutschland abzuziehen. Er antwortete, dass die chinesische Bedrohung Indiens und südostasiatischer Staaten einer der Gründe sei, warum Amerika seine Truppenpräsenz in Europa reduziere und sie an anderen Orten einsetze. Er zitierte nicht näher bezeichnete jüngste chinesische Aktionen als „Bedrohungen für Indien, Bedrohungen für Vietnam, Bedrohungen für Malaysia, Indonesien und die Herausforderung des Südchinesischen Meeres“ und fügte hinzu: „Wir werden sicherstellen, dass das US-Militär angemessen aufgestellt ist, um die Herausforderungen zu bewältigen.“

Die Radcliffe-Linie

Die Grenzen zwischen China und Indien sowie Pakistan sind eine der komplexesten und wohl sensibelsten Regionen für potenzielle Konflikte, seit der britische Vizekönig Lord Mountbatten 1947 das britisch-indische Empire in ein dominant muslimisches Pakistan und ein dominant hinduistisches, aber säkulares Indien aufteilte.

Lesen Sie auch:  Taiwan kauft 66 F-16-Kampfjets

Diese Teilung wurde von Gandhi und anderen politischen Führern in Indien abgelehnt, die sich stattdessen für ein einheitliches föderales Indien aussprachen, wobei die Mehrheit der muslimischen Staaten oder hinduistischen Staaten innerhalb eines vereinten Indiens eine bedeutende Autonomie beibehalten würden. Mountbatten enthüllte stattdessen die heimlich gezogenen Grenzen eines neuen Pakistans und Indiens auf eine Weise, die ein verheerendes Gemetzel zwischen Hindus und Muslimen auslöste, als 14 Millionen Menschen plötzlich entlang der sogenannten Radcliffe-Linie vertrieben wurden, die die Provinzen Punjab und Bengalen von Britisch-Indien willkürlich zwischen dem neuen Pakistan und Indien spaltete. Zur gleichen Zeit, als Mountbatten nach England zurückkehrte, ließ er den Status von Jammu und Kashmir absichtlich ungelöst. Dies versicherte eine dauerhafte Spannung und einen möglichen Kriegsauslöser zwischen den beiden ehemaligen Teilen Britisch-Indiens. Radcliffe, der noch nie in Indien gewesen war, wurde 1948 für seinen Dienst mit dem Großritterkreuz des Ordens des britischen Empire ausgezeichnet.

Jetzt wenden wir uns der ungelösten Region zu, die seit der britischen Teilung ein ständiger Reibungspunkt ist, nämlich Kaschmir.

Der vollständige Premium-Artikel ist nur für Abonnenten sichtbar.

Bitte hier klicken und ein Abo (Werbefreiheit, Extras) 

bereits ab € 4,95/Monat abschließen!

Liebe Leser, wenn sie keine Premiumartikel lesen möchten, aber uns dennoch unterstützen wollen, dann können sie das auch mit einer Spende auf unser Bankkonto tun. Fragen sie per email: [email protected] nach den Bankdaten oder übersenden sie einen Unterstützungsbeitrag einfach per Paypal. Danke für ihre Hilfe!

Eine Analyse von F. William Engdahl.

Spread the love

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.