Transatlantiker Merz kritisiert Washington

Wenn selbst eingefleischte Transatlantiker wie Friedrich Merz damit beginnen, Washington scharf zu kritisieren, liegt einiges im Argen. Deutschland muss sich emanzipieren.

Von Marco Maier

Friedrich Merz war lange Zeit Präsident der Atlantik-Brücke – einem Verein, der die Stärkung dess transatlantischen Bündnisses zum Ziel hat und eigentlich dafür sorgen soll, dass Deutschland weiterhin an die Vereinigten Staaten gebunden bleibt. Doch der CDU-Vorsitzkandidat und vormalige BlackRock-Manager scheint vom Verhalten des Washingtoner Establishments inzwischen die Faxen dicke zu haben.

So rief Merz gegenüber den Funke-Zeitungen zu einem Neuanfang in den transatlantischen Beziehungen auf. „Meine Erwartung betrifft vor allem Stil und Form des Umgangs“, sagte er. „Ich möchte in Deutschland keinen Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika mehr sehen, der uns öffentlich belehrt, was wir hier zu tun haben und ich möchte dort einen Präsidenten treffen, der uns Respekt entgegenbringt und uns als gleichberechtigte Partner akzeptiert.“

Damit attackierte er den neokonservativen Richard Grenell, der als US-Botschafter in Deutschland mehr den Stil eines alliierten Besatzungskommandeurs pflegte denn als diplomatischer Repräsentant seines Landes. Dass Präsident Donald Trump ebenfalls sein Fett wegbekam wundert nicht, zumal die CDU seit einigen Jahren ohnehin sehr Demokraten-affin ist da die Führung dieser Partei in der Öffentlichkeit zumindest so tut, als ob sie die Interessen der „Partner“ und „Verbündeten“ respektiert, während man weiterhin vor allem die US-Eigeninteressen (bzw. jene der Finanzoligarchie und der Wall Street) vertritt.

Scharf kritisierte Merz die Gerüchte um einen Abzug von US-Truppen aus Deutschland. „So ein Umgang mit Verbündeten, der gehört sich einfach nicht“, sagte er. „Und falls diese Soldaten auf polnischem Staatsgebiet stationiert würden, wäre das eine so erhebliche Provokation für Russland, dass daraus zusätzliche Unsicherheit entstehen würde.“ Damit zeigt der Transatlantiker zumindest etwas Gespür für die Realpolitik, gerade was eine Verlagerung von US-Truppen aus Deutschland nach Polen betrifft.

Loading...
Lesen Sie auch:  Das CDU-Kanzler-Dilemma

Der frühere Unionsfraktionsvorsitzende wandte sich auch gegen die Sanktionsdrohung der USA gegen Unternehmen, die sich an der Ostseepipeline Nord Stream 2 beteiligen. „Das ist eine völlig inakzeptable Einmischung in unsere eigenen Angelegenheiten“, sagte er. Hierbei geht es nämlich um die deutsche (und auch europäische) Energiesicherheit.

Konklusiv kann man anhand der Aussagen Merz‘ sagen: das transatlantische Verhältnis ist so schlecht wie noch nie. Wenn selbst eingefleischte Transatlantiker solche Töne des Missfallens spucken wird deutlich, dass eine Fortsetzung des bisherigen außenpolitischen Kurses der Vereinigten Staaten eine Auflösung der bestehenden transatlantischen Strukturen mit sich bringen kann.

Insbesondere dann, wenn Donald Trump erneut zum US-Präsidenten gewählt wird. Kein Wunder also, dass Merz auf den scheinbar senilen demokratischen Kandidaten Joe Biden setzt, der unter anderem wegen seiner Erpressung der ukrainischen Staatsführung zugunsten seines Sohnes während seiner Zeit als Vizepräsident unter Präsident Barack Obama, aber auch wegen seines andauernden Fehlverhaltens gegenüber Frauen unter Beschuss geriet.

Aber mit Biden an der Staatsspitze und damit einem gefügigen Präsidenten für den Deep State ist eine Fortsetzung der Prä-Trump-Politik wieder möglich. Etwas, was sich die Transatlantiker sehnlichst wünschen. Dabei wäre es wünschenswert, wenn sich Deutschland wirklich emanzipiert und vom Blockdenken abkehrt. Gute Beziehungen zu den Vereinigten Staaten sind ebenso wünschenswert wie gute Beziehungen zu Russland oder aber auch zu China. Beziehungen, die auf gegenseitigem Respekt beruhen und eine konstruktive Zusammenarbeit auf globaler Ebene ermöglichen, ohne ständig Feindbilder aufzubauen.

Spread the love

Wir brauchen ihre Unterstützung!

Liebe Leser, wenn Sie keine Premiumartikel lesen möchten, aber uns dennoch unterstützen wollen, dann können sie das auch mit einer Spende auf unser Bankkonto tun. Fragen Sie per eMail: [email protected] nach den Bankdaten oder übersenden Sie einen Unterstützungsbeitrag einfach per Paypal. Danke für Ihre Hilfe!

Loading...

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.