„Blame Game“ – Schuld sind immer die Anderen

In den Vereinigten Staaten manifestiert sich das „Blame Game“ immer stärker in Politik und Gesellschaft. Mal sind es die Russen, mal die Chinesen und mal die Weißen. Irgendwer findet sich immer.

Von Marco Maier

Als Hillary Clinton die Präsidentschaftswahl gegen Donald Trump verlor, war für die Demokraten der Schuldige gleich ausgemacht: die Russen waren es. Obwohl die US-amerikanische Konzernmedienlandschaft beinahe wie gleichgeschaltet für die politisch routinierte Demokratin war und gegen den auf dem politischen Parkett unerfahrenen Republikaner, gewann dieser schlussendlich doch.

Kaum an der Macht, ging es infolge der nunmehr unmaskierten „America First“-Politik (wie es sich für das „exceptional country“ nun einmal gehört, egal welche der beiden großen Parteien am Ruder ist) immer schärfer gegen China los. Erst kam der Handelskrieg, dann ging es im Zuge der Ausbreitung von Covid-19 (dem „chinesischen Virus“, wie es Trump nennt) auch generell auf weltpolitischer Ebene scharf gegen Peking weiter. Wer, wenn nicht die Chinesen sollen nun für die ganze Misere verantwortlich sein.

Doch als ob das nicht genug wäre, töten ein paar Polizisten offenbar einen schwarzen Kriminellen – und der ganze Vorgang wird auch noch gefilmt. Die ohnehin schon extrem gespaltene und politisch zunehmend radikalisierte US-Gesellschaft erlebt einen weiteren Höhepunkt der Eskalation. Dieses Mal sind es die „Black Lives Matter“-Bewegung (BLM) zusammen mit der Antifa und anderen linksgerichteten Gruppierungen, die gewaltsam plündernd und Feuer legend durch die Städte ziehen.

Der Vorfall rund um George Floyd, um den sich der ganze Aufstand schlussendlich entzündete, war nur ein Katalysator. Aber auch hier geht nur ein neues „Blame Game“ los. Die Schwarzen und deren linksgerichteten Verbündeten werfen der (noch) weißen Mehrheitsgesellschaft vor, rassistisch und diskriminierend zu sein. Wenn man dafür eben auch noch den Laden in der Nachbarschaft plündert, der einem Schwarzen gehört welcher es durch harte Arbeit aus dem Ghetto geschafft hat – dann sei dem eben so. Hauptsache man kann mit geraubten Sachen seine Trauer über das Opfer von US-Polizeigewalt bekunden.

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Auch wenn dies alles völlig unterschiedliche Vorgänge sind, zeigen diese drei Beispiele ein ähnliches Schema: für die eigene Misere wird ein außenstehender Schuldiger gesucht. Selbst wenn man damit die Dinge zu sehr vereinfacht.

Trump hat die Präsidentschaft nicht wegen angeblicher russischer Einmischung gewonnen, sondern weil das US-Wahlsystem die (traditionell eher republikanisch orientierten) ländlichen Bundesstaaten bevorzugt und sich die Wahlkämpfe vor allem auf die „Swing States“ konzentrieren, weil die anderen quasi ohnehin eine „sichere Bank“ für die jeweilige Partei sind. Trump hatte dort trotz der massiven medialen Pro-Clinton-Propaganda einfach die besseren Karten.

Auch der Handelskrieg gegen China (sowie gegen die EU) ist ein selbstgemachtes Problem der Vereinigten Staaten. Jahrzehntelang hat man die Auslagerung der industriellen Produktion in die Billiglohnländer und vor allem in das Reich der Mitte unterstützt, weil man die US-Konsumgesellschaft mit billigen Produkten versorgen wollte. Dass dadurch gutbezahlte Industrie-Jobs verloren gingen und schlechtbezahlte Dienstleistungsjobs diese Einkommensverluste nicht wettmachen konnten, war hierbei der Politik egal. Die Wahlkampagnen der einzelnen Politiker werden ohnehin vorwiegend von jenen Konzernen und Konglomeraten finanziert, die von den Auslagerungen durch höhere Profitmargen profitieren. Chinas Aufstieg haben die US-Politiker beider Parteien mitzuverantworten.

Was die Covid-Krise anbelangt liegt noch Vieles im Dunkeln. Ist das Virus natürlich entstanden oder kommt es aus dem Labor? Wenn es aus dem Labor kommt, haben es dann (wie Peking behauptet) die Amerikaner in einem klassischen Geheimdienst-Coup bei einem Militärwettbewerb nach Wuhan geschleppt (wo passenderweise gleich ein Biolaboratorium der Stufe 4 ist, während man die Covid-Tests übrigens in welche der Stufe 2 durchführen darf…), oder ist es tatsächlich von dort hinausgelangt? Wir wissen es nicht. Aber Donald Trump und dessen Administration befinden sich faktisch im Wahlkampf und müssen die vielen an bzw. mit Covid-19 Verstorbenen ja irgendwie irgendjemand anderem anlasten.

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Dann haben wir noch die BLM-Proteste. Klar, für einen durchschnittlichen Schwarzen ist es wahrscheinlich schwieriger gesellschaftlich aufzusteigen als für einen durchschnittlichen Weißen. Immerhin liegt beispielsweise die finanzielle Ausstattung der Schulen in der Hand der jeweiligen lokalen Verwaltung. Arme Städte und Bezirke (und das sind nunmal vorrangig jene, die vorwiegend von Schwarzen und Latinos bewohnt werden) können deutlich weniger Geld in die Bildung investieren als jene die wirtschaftlich und finanziell besser dastehen. Aber solche strukturellen Nachteile lassen sich mit Ehrgeiz und dem Willen zum Aufstieg sukzessive ausmerzen.

Zudem gibt es auch noch staatliche Programme, die ethnische Minderheiten fördern und so versuchen, die strukturellen Ungleichheiten zumindest ein wenig auszugleichen. Die BLM-Vorwürfe kann man (wenn der Einwurf an dieser Stelle erlaubt ist) mit dem nachkolonialen Afrika vergleichen. Auch dort suhlt man sich oftmals lieber in der Opferrolle um Entschädigungen und andere finanzielle Zuwendungen zu erhalten, anstatt das Schicksal in die eigene Hand zu nehmen und das eigene Land auf Fortschritt und wirtschaftliche Erfolge zu trimmen, die auch der breiten Bevölkerung zugute kommen.

Offenbar, so scheint es, lieben die Amerikaner, die Schuld für eigenen Miseren Anderen in die Schuhe zu schieben, anstatt sich auf die wirklichen Ursachen zu konzentrieren und diese Probleme anzugehen. Und das ist ein Problem. Und zwar für uns alle, die so den Schwarzen Peter für das eigene amerikanische Versagen zugeschoben bekommen.

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Ein Kommentar

  1. Schuldprojektion – darin sind die Amis zwar Meister, aber die anderen kommen da gleich hinterher.

    Z. B. 1400 Jahre islamische Expansion auf größtenteils alles andere als sanfte Art und Weise wird ebenfalls nur allzugerne geleugnet:

    http://derprophet.info/inhalt/anhang34-htm/

    Auch die islamische Eroberung des ehemals christlichen Libanon ging alles andere als sanft vonstatten – eine geflüchtete Christin berichtet – und das ist noch nicht so lange her:

    https://www.youtube.com/watch?v=IbDCzm0PqX0

    https://www.youtube.com/watch?v=Wrokk5BXMNk

    Doch selbst in den alltäglichen zwischenmenschlichen Bereichen „will es niemand gewesen sein“ wenn etwas schiefging – immer wird sofort nach einem anderen Schuldigen gesucht, wird geleugnet, anderen in die Schuhe geschoben was das Zeug hält.

    Selbstreflektion ist bei den meisten Menschen kaum bis nicht vorhanden. – Sitzt ihnen uralte Angst vor Strafe in den Zellen? – Angst, ausgestoßen zu werden, seine Position zu verlieren, schwach und besiegbar und erpressbar und ausbeutbar zu wirken, wenn man seine Fehler, seine schlimmen Taten zugibt und zu ihnen steht?

    Kein Volk hat davon abgesehen dies in dem Maße getan wie die Deutschen, die bereut, gebüßt, bezahlt haben und dadurch offenbar sogar in einen pathologischen Selbsthass geraten sind, der nun offenbar in der Selbstvernichtung endet.
    Vielleicht sollten die Deutschen endlich mal sich klarmachen, dass sie wirklich jetzt genug gebüßt und bezahlt haben – zumal die Kriegsgenerationen nahezu weggestorben sind und die, die noch leben, waren damals Kinder – maximal Jugendliche.
    Es gibt keine Erbschuld – auch nicht für die Deutschen.

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