Nach Corona: Höhere Steuern, weniger Leistungen

Für die Zeit nach der Coronakrise darf man wohl mit Steuererhöhungen und Leistungskürzungen durch den Staat rechnen.

Von Redaktion

Ifo-Chef Clemens Fuest rechnet mit Steuererhöhungen und Kürzungen von staatlichen Leistungen zur späteren Gegenfinanzierung der stark steigenden Staatsausgaben in der Corona-Krise. „Es wird künftig entweder höhere Steuern oder geringere staatliche Leistungen geben. Vermutlich beides“, sagte Fuest der „Rheinischen Post“.

Die Grenze für den derzeitigen Anstieg der Staatsverschuldung liege dort, wo die Gläubiger das Vertrauen in die Bonität des Staates verlören. „Bei niedrigen Zinsen und ohne attraktive Alternativen kann man die Staatsverschuldung sicherlich über eine Schuldenquote von 90 Prozent hinaus ausdehnen. Japan ist dafür ein Beispiel“, sagte der Präsident des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung.

Allerdings stellt sich ohnehin die Frage, wie lange das Dauerverschuldungsspiel überhaupt noch gut geht. Steigende Zinsen bei der Refinanzierung bestehender Altschulden engen den Spielraum in den Staatshaushalten irgendwann wieder dramatisch ein. Je mehr Steuergeld für den Schuldendienst aufgewendet werden muss, umso weniger kann für die eigentlichen staatlichen Aufgaben verwendet werden.

Die Arbeitslosigkeit werde im laufenden Jahr deutlich steigen. „Viele Szenarien führen zu einer Arbeitslosenzahl über drei Millionen. Es kann aber auch mehr werden“, sagte Fuest. Wobei dies nur die offizielle Arbeitslosenzahlen sind, die traditionell schöngerechnet werden. In Wirklichkeit sind es deutlich mehr.

Loading...

Wie die Bundesregierung in ihrer neuen Konjunkturprognose mit minus 6,3 Prozent in diesem Jahr zu planen, „finde ich in Ordnung, aber natürlich kann es auch anders kommen“, erklärte der Ökonom. Es sei „eher optimistisch“ zu erwarten, dass der Rückgang der Wirtschaftsleistung bereits bis Ende 2021 wieder aufgeholt werden könne.

Lesen Sie auch:  Scharfe innerparteiliche Kritik an Merkels Corona-Wiederaufbaufonds

„Der Exit-Prozess muss dafür eher zügig und ohne Rückschritte verlaufen, und wir brauchen bald eine Impfung oder ein wirksames Medikament für die Behandlung“, sagte Fuest. „Nicht nur bei uns, auch im Rest der EU und in den USA müsste die Epidemie überwunden sein.“ Nur wenn diese Voraussetzungen erfüllt seien, sei ein Aufholen bis Ende 2021 jetzt noch möglich.

Spread the love

Wir brauchen ihre Unterstützung!

Liebe Leser, wenn Sie keine Premiumartikel lesen möchten, aber uns dennoch unterstützen wollen, dann können sie das auch mit einer Spende auf unser Bankkonto tun. Fragen Sie per eMail: [email protected] nach den Bankdaten oder übersenden Sie einen Unterstützungsbeitrag einfach per Paypal. Danke für Ihre Hilfe!

Loading...

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.