Ein Iran-Krieg steht vor der Tür

US-Kriegsschiffe die vor iranischen Gewässern kreuzen sollen dort iranische Schnellboote beschießen dürfen. Das wäre der Auftakt zu einem neuen Golfkrieg.

Von Marco Maier

Die Amerikaner waren schon immer gut darin, von innenpolitischen Problemen mit Kriegen abzulenken. Kriege sind gut fürs Geschäft und die sich abzeichnende Massenarbeitslosigkeit kann man wohl am besten mit der Einberufung von Soldaten bekämpfen. Und auch wenn Donald Trump in seinem Wahlkampf behauptete, keine neuen Kriege zu starten, scheint das nun hinfällig zu sein.

Gestern erst verkündete der US-Präsident auf seinem Lieblings-Mitteilungsinstrument Twitter, dass er der US-Marine quasi den Feuerbefehl auf iranische Schnellboote gab: „Ich habe die United States Navy angewiesen, alle iranischen Kanonenboote abzuschießen und zu zerstören, wenn sie unsere Schiffe auf See belästigen.“

Um es etwas zynisch zu formulieren: Wenn die Iraner es wagen, sich US-Kriegsschiffen zu nähern, die tausende Kilometer von ihrer Heimat entfernt, quasi direkt vor den nationalen Gewässern des Irans, Washingtons militärische Macht demonstrieren, dann werden sie zum Abschuss freigegeben. Im Idealfall, so hofft man, schießen sie zurück, so dass die gewaltige amerikanische Propagandamaschine (samt ihren Anhängseln in Europa) behaupten kann, die Iraner hätten zuerst das Feuer eröffnet und man sich nur dagegen gewehrt.

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Man sollte diesbezüglich nicht vergessen, dass die Amerikaner schon öfter ihre eigenen Schiffe versenkten, um hinterher einen (für die Öffentlichkeit) plausiblen Kriegsgrund zu haben.

Der stellvertretende Vorsitzende des JCOS sagte der Presse gerade, dass ein kürzlich erfolgter Satellitenstart aus dem Iran genauso gut ein getarnter Raketentest gewesen sein könnte. Es zeigte Fähigkeiten, die zeigen, dass der Iran in der Lage ist, amerikanische Verbündete (auch bekannt als Israel und Saudi-Arabien) in der Region zu bedrohen. Er prangerte den Start als „ein weiteres Beispiel für bösartiges iranisches Verhalten“ an.

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Hier ein paar Auszüge:

Eine solche Rhetorik ist besorgniserregend.

Dabei sollte man bedenken, dass der Iran aufgrund der jahrzehntelangen westlichen Sanktionen und der Ausbreitung des Coronavirus ohnehin schon geschwächt ist. Ganz zu schweigen von der Ermordung des IRGC-Kommandeurs Soleimani durch einen US-Drohnenangriff im Irak vor wenigen Monaten.

Offenbar scheinen einige – kriegsgeile, neokonservative – Strategen im Weißen Haus und im Pentagon nun einen „perfekten Zeitpunkt“ für eine militärische Auseinandersetzung mit dem Iran ausgemacht zu haben. Die aktuelle Schwäche Teherans soll ausgenutzt werden, um dem islamistischen Regime dort den Garaus zu machen.

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Doch mit welchem Recht? Das internationale Völkerrecht (die vom Westen gerne als „internationale regelbasierte Ordnung“ bezeichnet wird) ist es jedenfalls nicht. Aber das hat Washington ja eigentlich noch nie so wirklich interessiert – außer für verbale Phrasen und propagandistische Maßnahmen. Vielmehr ist es das „Recht des Stärkeren“, so wie die globale Realpolitik zumeist funktioniert.

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Ein Kommentar

  1. Beim Iran dürfte es eine andere Sache werden im Falle einer großen Auseinandersetzung. Die USA haben aus ihren alten Fehlern gelernt und wenn es tatsächlich zu einem gesichtsverlierenden Zustand für sie käme, dann würde der Iran die ganze militärische Macht zu spüren bekommen und das hätte dann mit einem konventionellen Krieg vermutlich wenig zu tun, man sollte auch die Israelis dabei nicht vergessen. Im übrigen haben die Iraner nicht allzuviele Freunde in der Gegend und das käme noch erschwerend hinzu.

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