Die aktuelle Verbreitung von Covid-19 und die Engpässe bei Medikamenten durch den Lockdown in China zeigen, wie wichtig die Renationalisierung der Pharmaindustrie ist.

Von Marco Maier

Es gibt mehrere Gründe, warum die Pharmaindustrie generell nicht in private Hände gehört. Einige davon haben wir bereits in früheren Artikeln angesprochen. Unter anderem auch hier:

Verbietet die Pharmaindustrie!

Oder hier:

Big Pharma: Rockefeller vernichtete die Naturmedizin

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Hinzu kommt, dass es bereits vor der sogenannten „Corona-Krise“ immer wieder zu Lieferengpässen bei Medikamenten kam, wovon wir auch schon (siehe hier) berichteten. Und wenn es mit bestimmten Medikamenten keinen Profit mehr zu machen gibt, dann werden diese eben nicht mehr produziert (siehe hier).

Immerhin ist die Gesundheitsbranche eine, die man (siehe hier) getrost als Cash Cow für die globale Finanzoligarchie betrachten darf. Goldman Sachs hatte nicht umsonst schon einmal angemerkt, dass Pharmakonzerne nicht darauf aus sein sollten, Menschen zu heilen, sondern die Behandlung so lange wie möglich andauern zu lassen. Gesundete Patienten bringen kein Geld mehr ein. Selbst die Deutsche Apotheker-Zeitung berichtete davon.

Aber das ist nicht alles. In den letzten Wochen gab es zunehmend Berichte, wonach die Lieferung und Herstellung von Medikamenten aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus in China ins Stocken geriet. Warum? Weil entweder viele Medikamente selbst oder aber deren Grundbestandteile im Reich der Mitte produziert werden. Die Auslagerung erfolgte vor allem aus Gründen der Profitmaximierung. Oder glaubt jemand wirklich, dass Preisvorteile weitergegeben werden?

Wohl kaum, es existiert ja auf dem riesigen Pharmamarkt wegen der Patente nur ein schwacher Wettbewerb und günstigere Generika werden wegen, nennen wir es doch einfach beim Namen: Korruption, Lobbyismus und Bestechung, von den Ärzten oftmals nicht verschrieben.

Eine Renationalisierung (also eine Verstaatlichung bzw. Vergemeinschaftung) der Pharmaindustrie brächte mehrere Vorteile mit sich:

  • Dezentralisierte Forschung und Produktion für mehr Versorgungssicherheit
  • Forschung auch an seltenen (für Konzerne nicht rentable) Krankheiten
  • Non-Profit-Produktion von Medikamenten zugunsten der Sozialkassen
  • Mehr Kooperationsmöglichkeiten zwischen den einzelnen Ländern

Das heißt: Sollte wie im aktuellen Fall die Lieferkette aus einem Land ausfallen, stünden noch weitere Lieferketten zur Verfügung. Teils im Inland, teils auch aus anderen Ländern. Menschen mit seltenen Krankheiten hätten die Möglichkeit, eine medizinische Behandlung zu finden, die nicht Unsummen kostet.

Aber auch für die Krankenkassen und die Mitgliedsbeiträge wäre dies ein Segen. Denn selbst wenn in Europa, Nordamerika oder Japan hergestellte Medikamente in der Produktion etwas teurer sein dürften als jene die derzeit in China oder Indien produziert werden, fallen die zig Milliarden an Euro oder Dollar für die Pharmaindustrie-Aktionäre weg. Dafür jedoch gibt es mehr gut bezahlte Jobs in den heimischen (staatlichen) Pharmaunternehmen und medizinischen Forschungszentren.

Big Pharma: Entscheiden über Leben und Tod

Da die staatlichen Pharmaunternehmen nicht in Konkurrenz miteinander stehen, wären für alle frei verfügbare Datenbanken möglich. „Open source“-Medikamente sozusagen und jeder kann daran mitarbeiten. Dann spielt es keine Rolle mehr, ob Wissenschaftlerteams in Deutschland, Russland, den USA, China, Japan, Australien, Israel oder Großbritannien daran arbeiten – wer neue Ergebnisse hat, teilt diese mit seinen Kollegen auf der ganzen Welt.

Es gibt so viele Bereiche in der Wirtschaft, in denen die Privatunternehmerschaft deutlich mehr Vorteile gegenüber der staatlichen Verwaltung bringt, doch im Gesundheitswesen ist dies nicht unbedingt der Fall. Vor allem dann, wenn die menschliche Gesundheit für die Profitmaximierung missbraucht wird, wie es derzeit immer vorkommt.

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3 thoughts on “Wir brauchen eine Renationalisierung der Pharmaindustrie”

  1. Vermute mal, daß dieser Gedanke nahezu aussichtslos ist, denn die Kapitalströme haben sich schon lange der Filetstücke bedient und die Chinesen sind ja gerade dabei den Mittelstand hierzulande aufzukaufen und wenn wir das durchsetzen wollten, bräuchten wir eine Reconquista auf finanzieller, materieller und persönlicher Ebene und das ist nicht mehr durchführbar, weil das Industriekapital sich schon längst in anderen Händen befindet und das Privatkapital bedeutungslos ist und allenfalls noch dazu dient, für eine Entschuldung des Staates herzuhalten, was diesem nützt und die Besitzer schwerst schädigt, sollte das eintreffen. Im übrigen wäre das nichts neues, wer alt genug ist weiß noch vom Hörensagen der Alten, was das bedeuten kann und die Jungen können es noch erfahren, wenn es soweit ist.

  2. Das Problem liegt hier bei der Politik. Wenn man nur beamtete Politiker hat, die absolut kein Wissen über funktionierende Marktwirtschaft haben, dann läuft es eben nicht. Das nächste große Problem ist die Zwangsversicherung.
    Diese läd gerade zu die Pharma ein, hier richtig abzusahnen. Hätten wir eine Grundversorgung, die nur aus Kostenübernahme für Krankenhaus und Zahnersatz, besteht und der Rest freiwillig zu versichern wären, hätten wir keine Probleme mit den Preisen. So aber haben die Menschen 20-30 Medikamente zu Hause, ohne die Einzunehmen, aber weil sie eben verordnet werden und kostenlos sind.

    1. Wie wahr! Bilanz einer Demokratie, wie sie verkommen vorliegt/ Ausblick?
      Es fehlt nur noch die Verkohlung der Leiche (Demokratie).
      Ohne polemisch werden zu wollen:
      So wie es seit den 60er jahren und derzeitig lauft, liefert uns Demokratie den allerschlimmsten Schrott an die Schaltstellen und in die Parlamente.

      Ausblick?
      Ohne Enthaltsamkeit der verlockenden Kirschen und einer knallharte Auseinandersetzung gegen das eingesessene Establishment kann ich mir eine Rückgewinnung verlorenen Terrains nicht mehr vorstellen.

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