Die Evangelikalen bestimmen die US-Nahostplitik so stark mit wie schon lange nicht mehr. Ein Blick hinter die Kulissen.

Präsident Trumps „Deal of the Century“ wurde diese Woche veröffentlicht. Meistens wurde es als ein rein politisches Projekt betrachtet – sei es im Hinblick auf die inneren Bedürfnisse von Trump und Netanyahu oder als ein maximaler Druck auf die Palästinenser, der funktionieren kann oder nicht. Aber es gibt eine andere (implizite) Dimension, die hinter dieser expliziten Politik liegt – ein wenig außer Sichtweite.

Mindestens ein US-Historiker hat argumentiert, dass die USA kein gewöhnlicher Nationalstaat sind, sondern als Systemführer, als „Zivilisationsmacht“ zu verstehen sind – wie Rom, Byzanz und das Osmanische Reich. Historisch gesehen hat der „Systemführer“ immer versucht, seine besondere zivilisatorische Vision in jene fernen „Länder“ einzubetten, die seinem Reich dienen oder an dieses angrenzen: Das heißt, die universalistische Vision mag an einen Staat gebunden sein, wird aber weltweit gewaltsam als „unser“ unvermeidliches Schicksal entfaltet.

Es ist nicht schwer zu verstehen, wovon wir sprechen, wenn es um Amerika geht: Politisch handelt es sich um liberale Märkte, liberalen Kapitalismus, Individualismus und Laissez-Faire-Politik – und, wenn Sie so wollen, auch um die Metaphysik des jüdischen Christentums. Für die meisten Amerikaner bestätigte der Sieg im Kalten Krieg auf spektakuläre Weise die Überlegenheit ihrer zivilisatorischen Vision durch die Niederlage und Implosion des Kommunismus. Es war nicht nur eine politische Niederlage für die UdSSR, sondern ein Triumph für Amerikas volles kulturelles Paradigma: Es war ein zivilisatorischer „Sieg“.

Was hat das mit dem zu tun, was diesen Dienstag im Ostraum des Weißen Hauses passiert ist? Nun, es gibt uns einen besseren Blickwinkel, etwas weniger offensichtliches als nur die explizite Politik zum Spektakel wahrzunehmen. Etwas, das öfter „gefühlt“ wird als ausdrücklich in Betracht gezogen.

Das liegt daran, dass der jüdische Zionismus, wie er diese Woche von Netanjahu zum Ausdruck gebracht wurde, nicht nur ein politisches Konstrukt ist, sondern auch sozusagen ein alttestamentliches Projekt. Laurent Guyénot bemerkt, dass, wenn behauptet wird, dass der Zionismus biblisch ist, dies nicht unbedingt bedeutet, dass er religiös ist. Es kann und kann auch für säkulare Juden als zentrales Leitmotiv dienen. Für säkulare Zionisten ist die Bibel einerseits eine „nationale Erzählung“, andererseits eine bestimmte zivilisatorische Vision, die an einen modernen Staat (Israel) gebunden ist.

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