Erdogan lässt gegen Syrien und Russland die Muskeln spielen

Der türkische Präsident will seine Position gegenüber Damaskus und Moskau mit aller Gewalt durchsetzen. Erdogan droht mit harten Maßnahmen.

Von Redaktion

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat ein Ultimatum gegen Damaskus und Moskau gestellt und darauf bestanden, dass die Streitkräfte von Assad die Deeskalationszone von Idlib verlassen und die Angriffe gegen das türkische Militär stoppen müssen. Andernfalls behält sich Ankara das Recht vor, das mit Moskau vermittelte Abkommen über Syrien zu begraben und seine volle Kampfkraft einzusetzen.

Außerdem hat Erdogan Russland zum ersten Mal für den Tod von Zivilisten in Idlib verantwortlich gemacht und gewarnt, dass Jets, die jetzt Siedlungen angreifen, nicht mehr so frei agieren können wie früher, schreibt die Wirtschaftszeitung Kommersant.

In seinem Telefongespräch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin kündigte Erdogan an, dass eine Einigung erzielt worden sei, wonach Delegierte des Außenministeriums, des Verteidigungsministeriums und der Geheimdienste Gespräche in Moskau führen würden. Die beiden vorangegangenen Verhandlungsrunden in Ankara am Samstag und Montag brachten keine Ergebnisse, heißt es in der Zeitung.

Während sich Moskau und Ankara über die Schuld der gegenwärtigen Situation und das Memorandum von Sotschi streiten, haben die Vereinigten Staaten die türkische Seite voll und ganz unterstützt. Der Experte des Rates für internationale Angelegenheiten Russlands, Kirill Semenov, merkt an, dass Erdogan trotz seiner kriegerischen Rhetorik keinen direkten Konflikt mit Damaskus anstrebt. „Er signalisiert, dass er Ende Februar mit Moskau einen neuen Deal über Idlib abschließen will“, sagte Semenov und stellte fest, dass die Forderung, regierungsnahe Truppen aus der Deeskalationszone abzuziehen, als Ausgangspunkt für Verhandlungen angesehen werden könnte.

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Eine hochrangige diplomatische Quelle sagte Wedomosti, dass Erdogans Rhetorik bei seinen Gesprächen mit Putin weit von seinem üblichen Ton abweiche. Das ist schlecht, weil die Türkei durch die Verwendung von weit hergeholten Vorwänden die Erfüllung ihrer Verpflichtungen verzögert und die herausfordernde Situation in Syrien noch verschlimmert. Erdogan hofft, dass das Problem während des bevorstehenden Besuchs der türkischen Delegation in Moskau unter der Leitung des stellvertretenden Außenministers Sedat Onal gelöst wird.

Rückblickend auf frühere Erfahrungen dürften hier jedoch keine Illusionen zu erwarten sein, heißt es in der Quellenangabe. Während des Besuchs der russischen Delegation in der Türkei am 8. und 10. Februar versäumten es die Seiten, ihre Positionen in irgendeiner Frage näher zu bringen, da die türkischen Verhandlungsführer keine unabhängige Haltung entwickelt hatten. Eine Quelle in der Nähe des russischen Generalstabs hat Provokationen in Syrien in naher Zukunft nicht ausgeschlossen.

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