Die Türkei erklärt Syrien faktisch den Krieg

Die Türkei „nimmt alle bekannten Ziele des syrischen Regimes“ als Vergeltung für einen Luftangriff unter Beschuss. Die Lage eskaliert.

Von Redaktion

Der türkische Kommunikationsdirektor gab gestern Abend bekannt, dass seine Streitkräfte alle ihnen bekannten syrischen Militärpositionen aus der Luft und vom Boden aus unter Beschuss genommen haben. Er führte diesen Angriff als Vergeltung für den Luftangriff an, der gestern gegen ihre Soldaten gerichtet war.

„Die Türkei nimmt alle bekannten Ziele des syrischen Regimes mit Luft- und Bodenfeuerunterstützungselementen unter Beschuss“, sagte der Kommunikationsdirektor, wie von der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu zitiert wurde.

„Das Blut der Helden wird nicht umsonst sein, unsere Aktivitäten in Syrien werden fortgesetzt, bis die Hände gebrochen sind, die unsere Flagge erreichen“, fuhr der Direktor fort und fügte hinzu, „die Türkei fordert die internationale Gemeinschaft, insbesondere die Akteure des Astana-Prozesses, auf, ihrer Verantwortung nachzukommen.“

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Gestern Abend tauchten eine Reihe von Berichten über einen Luftangriff auf, der auf die Positionen des türkischen Militärs im Süden von Idlib abzielte.

Der Gouverneur der türkischen Provinz Hatay gab später bekannt, dass 22 türkische Soldaten getötet und viele weitere infolge des Luftangriffs verwundet wurden, der dem syrischen Militär angelastet wurde.

Dabei ist das syrische Militär völkerrechtlich völlig im Recht, die illegal im Land befindlichen türkischen Truppen zu bekämpfen. Immerhin handelt es sich hierbei um ein feindliches Eindringen in das Territorium Syriens.

Die türkische Forderung gegenüber den Partnern des Astana-Prozesses – also auch Russland und den Iran – ist jedoch höchst zynisch, zumal Ankara diverse islamistische Milizen (die teils auch mit Al-Kaida verbunden sind) unterstützt.

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Inzwischen sieht es so aus, als ob die Lage im Norden Syriens zu eskalieren beginnt. Ein offener Krieg zwischen der Türkei und seinem südlichen Nachbarn scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Vor allem jedoch stellt sich die Frage, ob Ankara den NATO-Bündnisfall ausruft, obwohl es die Schuld der Türkei ist, dass es überhaupt so weit kam.

Doch die neoosmanischen, nationalistischen Bestrebungen der Türkei zu unterstützen, die offensichtlich auch auf die Erweiterung des türkischen Territoriums abzielen, stehen eigentlich den Interessen der Europäer entgegen.

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6 Kommentare

  1. Das wird dem Türkischen Staat samt seinem Harakiri – Regime das Genick brechen.
    Dann steht auch der türkischen Islamisierung in Deutschland einem führungslosem und finanziellem Problem gegenüber.

  2. Interessanter Fall, also zusammengefasst:
    -Türkei ist uneingeladen mit Militär in Syrien (das ist eigtl schon eine Kriegserklärung)
    -Türkei unterstützt/baut Terroristen auf und hetzt sie gegen Syrien (moralisch note 6 und auch Kriegserklärung)
    -Türkei droht quasi seit jahren jeden tag damit jeden zu töten der ihre Souverinität gefährdet, doch scheißen auf die Souverinität Syriens.
    -Erdogan hat das eigene Militär kaputt gemacht, nahezu alle fähigen Generäle/Kommandeure sitzen in haft oder wurden gefeuert. Nun sitzen da seine getreuen Islamisten Freunde auf den Stühlen, aber die haben keine Ahnung, genau wie er selbst.
    -Erdogan weiß dass er keine Chance hat da ewig Syrien zu belagern und das Land zu klauen, da die Iraner und Russen Syrien beistehen.
    -Nun bettelt er bei der NATO um Hilfe und erpresst sie gleichzeitig mit einem Flüchtlingsstrom von insgesammt ca 4mio Syrern.

    Spannend ist nun, wird die NATO der Türkei helfen? Ich meine die Türken werden eigentlich seit geraumer Zeit nur noch kritisiert für dass was sie in Lybien und Syrien tun. Und man will ja auch nicht, dass die Türkei sich vergrößert, man hatte ja Pläne den Norden Syriens an die Kurden zu schenken.

    Ich denke nicht, dass hier der Bündnisfall ausgelöst wird. Dafür ist die Türkei schlichtweg 1. zu unbeliebt, 2. sind die Vorbereitungen für einen Krieg gegen Russland noch nicht abgeschlossen, 3. Will man nicht, dass die Türkei ihre Ziele erreicht, da sie nicht mit den Zielen der EU/NATO harmonieren.

  3. Na ja, die Staturen der NATO sind da ja recht eindeutig. Schon Mr. Trump hat versucht, die NATO zu missbrauchen. Die Frage wird sein, was passiert, wenn Syrien auf türkischem Staatsgebiet angreift. Dann wird es „interessant“

    1. Das ist ganz einfach, dann wird es eine russische Westerweiterung. Was dem einem Recht ist dem anderm billig. Das wäre die knallharte Antwort zur unerlaubten NATO Osterweiterung.

      1. Wie leicht zu sehen, bei etwas „gutem Willen“ findet sich auch für schwierige Probleme eine akzeptable Lösung, wie die hier aufgezeigte.
        Der Sultan hat sich verzockt und selber – da sich nicht an faire Verabredungen haltend – in die Ecke manövriert.
        Nach meiner Einschätzung hat er ja wohl nicht nur sein Gesicht verloren, und zielsicher gleich 2-3 mal auf’s falsche Pferd gesetzt. Saladin würde sich den Bart herausreißen, könnte er das Desaster sehen.
        Merke: Sogar in Nahost wird Trickserei und Falschheit manchmal bestraft.

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