Die Geopolitik kehrt nach Deutschland zurück

Für Amerikaner, Russen, Briten, Franzosen und Spanier ist der Begriff Geopolitik Normalität. Deutschland muss dies erst wieder lernen. Ansätze gibt es bereits.

Von Marco Maier

Wenn es um die Geopolitik geht, macht sich in Deutschland generell eine große Ahnungslosigkeit breit. Mit ein Grund dafür ist der Umstand, dass das Thema insbesondere seit Ende des Zweiten Weltkriegs sehr stiefmütterlich behandelt wurde. Die große Politik auf der Weltbühne überließ man den Siegermächten, während man sich selbst eher auf die (west-)europäische Einigung konzentrierte.

Doch die europäische Sicherheitsarchitektur beginnt sich langsam aber sicher zu ändern. Auch wenn sich die NATO mittlerweile bis tief in den europäischen Osten erstreckt, sorgt die US-amerikanische Arroganz – Wir führen, ihr folgt! – zunehmend zu Abkapslungstendenzen. Dies macht sich auch in der Bildung europäischer Parallelstrukturen zur NATO bemerkbar, sowie in der Forderung nach einer Aufstellung einer eigenen EU-Armee.

Einer der den Mangel an geopolitischem Verständnis in Deutschland offenbar erkannt hat, ist EVP-Fraktionschef Manfred Weber (CSU). Er fordert gegenüber dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ nicht nur die Bildung einer EU-Interventionsarmee ein, sondern auch eine gesamteuropäische Perspektive auf geostrategische Fragen, die in der Ausbildung von Offizieren verankert werden müsse.

„Um eine gemeinsame strategische Kultur in Europa zu entwickeln, braucht es eine europäische Militärakademie – etwa nach dem Beispiel von West Point in den USA“, schlug der CSU-Europapolitiker vor, der die NATO dennoch als „zentrales Schutzschild der westlichen Welt“ verteidigt.

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Aber: es wird deutlich, dass sich in der politischen Kultur Deutschlands langsam etwas ändert. Denn faktisch zeitgleich betont der deutsche UN-Botschafter Christoph Heusgen (CDU) gegenüber der „Rheinischen Post“, dass Deutschland „international eine besondere Rolle und auch eine Führungsaufgabe“ zukomme. „Manchmal sieht man im eigenen Land vielleicht auch den Wald vor lauter Bäumen nicht“, sagte der enge Vertraute von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

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Deutschland sei der zweitgrößte Geber der Vereinten Nationen und trete dafür ein, wofür die UNO stehe – für eine internationale regelbasierte Ordnung. „Für viele Länder, Russland, China oder auch die USA, steht das internationale Regelwerk nicht immer im Mittelpunkt. Deshalb schauen viele auf Deutschland.“ Die Bundesrepublik werde in New York als sehr starkes Land angesehen.

Das große Problem Deutschlands ist, dass gerade die führenden Politiker mit Außenbezug (ob nun Bundespräsident Steinmeier, Bundeskanzlerin Merkel oder Außenminister Maas) faktisch ahnungslos sind, was die Geopolitik anbelangt. Dies zeigt sich auch im Umgang mit den USA, mit Russland und China, die heutzutage auf der politischen Weltbühne faktisch den Ton angeben.

Dabei könnte Berlin zusammen mit Paris, Rom und Madrid an einem eigenen geoplitischen Profil der Europäischen Union arbeiten, welches den Interessen der Menschen in Europa dient – und nicht wie bisher vor allem dem US-Establishment, welches über die transatlantischen Organisationen Einfluss auf die europäische Außen- und Sicherheitspolitik nimmt.

Doch die einseitige Fixierung auf Washington und die NATO sorgt in der europäischen Sicherheitsarchitektur für eine starke Schlagseite nach Westen. Für die europäischen Völkerschaften, die historisch (durch die eigenen Kolonien) sowohl nach Westen als auch nach Osten (die Indoeuropäer kamen aus Asien und die slawischen Völker sind eine große Völkerfamilie) verbunden sind, sollte beispielsweise Moskau nicht ferner sein als Washington.

Als Europäer schließen sich pro-amerikanisch und prorussisch nicht wirklich aus. Vielmehr sollte es hier ein „sowohl als auch“ geben. Zumindest in einem gewissen Rahmen unter Berücksichtigung der eigenen Interessen, wie es eine multipolare Weltordnung eigentlich auch vorsieht. Kooperation wo möglich und Konkurrenz wo nötig als Leitbild einer vielseitigen Welt, ohne den bislang vorherrschenden (Kultur-)Imperialismus des Westens, der sich ethisch und moralisch allen anderen Völkern und Kulturen überlegen fühlt und (wie unzählige Beispiele der Amerikaner, Briten, Franzosen & Co belegen) dabei den eigenen überhöhten Ansprüchen noch nicht einmal ansatzweise gerecht werden.

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Die Deutschen selbst, müssen sich mit der Geopolitik erst (wieder) vertraut machen und dabei von den großen geopolitischen Schulen ist Ost und West lernen. Bis dahin ist es allerdings noch ein langer Weg und vielleicht ist es dann schon zu spät, um noch Einfluss darauf zu haben, wie es mit Europa weitergeht.

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2 Kommentare

  1. Mit Merkel, Steinmeier und Maas sowie der EU in der jetzigen Form ist das Wunschdenken. Das sind alles nur Erfüllungsgehilfen der Internationalisten (Banken, Kriegsindustrie, Petroindustrie). Die wollen kein unabhängiges Europa mit Partnerschaften zu Russland, China und USA, ohne Militärblocks und ohne Rüstungsspirale. Die wollen Krieg oder einen deindustrialisierten Bauern- und Fahrradfahrerstaat aus Deutschland machen. Den Rest Europas wollen sie klein halten. Das könnte aber auch, was die Umweltver-schmutzung angeht zu unserem Vorteil für den Tourismus in einem Frischluft Europa genutzt werden. In einem Europa, in dem die Arbeitsplätze in den Umweltschutz, Naturerhaltung /-wiederherstellung und sanften Tourismus verlagert werden. Vorausgesetzt mit Geoengineering ist irgendwann Schluss. Aber es geht ja immer nur ums Produzieren und Konsumieren, um Arbeitsplätze in der Produktion von irgendetwas.

  2. NIEMALS ! Solange Deutschland besetzt ist, gibt es weder eine eigene Aussenpolitik, noch Geopolitik ! Alles was von unseren Marionetten kommt ist Vorgabe der Besatzer

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