CDU-Vorsitz: Röttgen kandidiert

Nicht nur Merz, Spahn und Laschet werden als künftige CDU-Chefs gehandelt – Norbert Röttgen hat nun seine Kandidatur angemeldet.

Von Michael Steiner

Ein Blick auf die potentiellen Nachfolger von Annegret Kramp-Karrenbauer und auch von Angela Merkel zeigt, dass man von der CDU offenbar nicht mehr viel erwarten kann. Jeder der möglichen Kandidaten steht für ein „nicht besser dafür anders“ im politischen Stil.

Doch neben den bisher schon genannten Kandidaten Friedrich Merz, Jens Spahn und Armin Laschet bringt sich nun auch ein weiterer Kandidat selbst ins Rennen um die deutsche Spitzenpolitik.

Der CDU-Außenexperte Norbert Röttgen (54) hat seine Kandidatur für den CDU-Vorsitz angemeldet. Das meldet die „Rheinische Post“ unter Berufung auf ein Schreiben Röttgens an Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer. Er sei der festen Überzeugung, dass es um weit mehr gehe als den Parteivorsitz und schon gar nicht um die Interessen Einzelner, argumentiert Röttgen.

„Die Lage ist so ernst, dass es um die Zukunft der CDU geht und darum, was sie für die Stabilität Deutschlands bedeutet“, erklärte Röttgen. Dies wolle er in einem offenen Prozess in die CDU einbringen.

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Röttgen war von 2009 bis 2012 Bundesumweltminister und setzte sich 2010 in einer Mitgliederbefragung um den NRW-Landesvorsitz gegen Armin Laschet durch. Die Landtagswahlen 2012 verlor er, woraufhin Bundeskanzlerin Angela Merkel ihn aus dem Kabinett entließ. Als Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages konnte er sich danach international neu profilieren.

Röttgen gilt als strikter Transatlantiker und hatte bereits im Jahr 2006 einen Interessenskonflikt auszutragen. Er sollte mit 1. Januar 2007 Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) werden, weshalb er sein Amt als Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion im Oktober 2006 aufgeben, jedoch an seinem Bundestagsmandat bie zum Ende der Legislaturperiode (Herbst 2009) behalten wollte.

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Dies sorgte damals für massive Kritik. Die ehemaligen BDI-Präsidenten Hans-Olaf Henkel und Michael Rogowski kritisierten Röttgen in einem Offenen Brief und sahen darin „unlösbare Interessenskonflikte“. Insbesondere deshalb, weil es sich hierbei um einen Lobbyistenjob handelt. Nur wegen der zunehmenden Kritik nahm Röttgen dann seine Zusage für den Posten zurück.

Allerdings gilt er trotz seiner Religiosität gesellschaftspolitisch als vergleichsweise liberal und als Befürworter von Schwarz-Grün. Zudem gilt er als scharfer Putin-Kritiker und dürfte deshalb auch bei den transatlantischen Eliten einige Pluspunkte erhalten, zumal die Bundeskanzlerin in Bezug auf Russland eher auf die klassische Realpolitik und auf einen gewissen Pragmatismus setzte, wie es auch die Debatte um die Gaspipeline Nord Stream 2 zeigt. Unter einem Bundeskanzler Norbert Röttgen sähe dies deutlich anders aus.

Nun stellt sich nur noch die Frage, ob er sich gegen die anderen politischen Schwergewichte innerhalb der CDU durchsetzen kann. Gerade Friedrich Merz kann sich derzeit große Chancen ausrechnen, nicht nur Annegret Kramp-Karrenbauer sondern auch Angela Merkel abzulösen.

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4 Kommentare

  1. Als kalter Krieger und Transatlantiker passte er gut in die Chaostruppe Merkel, AKK, Merz und Brinkhaus.
    Und vielleicht gelingt ihm auch noch ein Feuerchen an Russlands Westgrenze. Bin mir aber ganz sicher, die Retourkutsche verkraftet er nicht, wir allerdings auch nicht!
    Andererseits, vermutlich läuft mit ihm die Abwicklung der CDU noch schneller…

      1. Der Migrationspakt ist unterzeichnet, der Posten im EU-Präsidium mit einer Jüngerin besetzt, die Linksdrift in Deutschland abgeschlossen und die Kandidaten mit kleiner Ausnahme des Jüngsten im Bewerberkarusell ist auch soweit gerichtet und deshalb kann man tatsächlich davon ausgehen, daß alles beim alten bleiben wird.
        Hier werden keine Innovationen mehr zu erwarten sein, das sind allesamt Idiologen, die schon lange bestimmten Richtungen verpflichtet sind und der Bürger hat das Nachsehen, denn Wahlen haben nur noch abschreckenden Charakter, warum auch soll man wählen, in Thüringen hat man ja gesehen, wie man mit der Entscheidung der Bürger umgeht und niemand geht auf die Barrikaden, obwohl die Axt an die Demokratie angelegt wurde, wenn sie überhaupt noch eine Bedeutung hat.

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