Der von Präsident Erdogan geplante Istanbul-Kanal könnte die regionale Sicherheitsarchitektur in der Schwarzmeerregion grundlegend verändern.

Während seines Wahlkampfs im Jahr 2011 hat der derzeitige türkische Staatschef Recep Tayyip Erdoğan seine Absicht zum Ausdruck gebracht, mehrere grandiose politische und Infrastrukturinitiativen ins Leben zu rufen.

Das ehrgeizigste dieser Projekte ist der Bau einer neuen Wasserstraße westlich des Bosporus, die das Schwarze Meer mit dem Marmarameer verbindet. Offiziell heißt die Initiative Istanbul Canal (die als Alternative zum Bosporus dienen wird), wurde aber inoffiziell als verrücktes Projekt bezeichnet. Tatsächlich gab Recep Erdoğan der Wasserstraße vor einiger Zeit diesen Namen wegen seines enormen Preises und der komplexen Topographie seines Bettes.

Verschiedene Schätzungen gehen davon aus, dass der Bau des Kanals 15 bis 20 Milliarden US-Dollar kosten wird. Angesichts des gegenwärtigen globalen Klimas, der Beteiligung der Türkei am militärischen Konflikt in Syrien und des Drucks der US-Sanktionen hat Ankara in der Tat Schwierigkeiten, die notwendige Finanzierung für das Projekt zu finden, da China, der wichtigste Wirtschaftspartner der Türkei (der auch an der Neuen Seidenstraße-Initiative beteiligt ist), eher unwahrscheinlich zu Hilfe kommt.

Daher wird erwartet, dass ein erheblicher Teil des Geldes aus dem Staatshaushalt stammt, sofern die türkische Armee eine wichtige Rolle bei der Durchführung des Projekts spielt. Um türkische Investoren anzulocken, gibt es eine aktive Informationskampagne, in der behauptet wird, dass der Bau des Kanals zur Schaffung von mehr Arbeitsplätzen und zur Verbesserung der Wohn- und Geschäftsinfrastruktur entlang dieser Wasserstraße führen und als Wachstumstreiber für die türkische Wirtschaft wirken wird.

Dieses Pprojekt inspirierte Präsident Erdoğan bereits in den 1990er Jahren, als er Bürgermeister von Istanbul war. Dennoch ist das Konzept, einen solchen Kanal zu bauen, nicht neu und stammt aus der Ära von Süleyman dem Prächtigen (1520-1568). Später setzten sich Sultane des Osmanischen Reiches vom 16. bis 19. Jahrhundert mehrmals mit dieser Idee auseinander, doch zu dieser Zeit waren immer wichtigere Aufgaben zu lösen. 1994 erinnerte sich auch der Vorsitzende der Republikanischen Volkspartei und später der Demokratischen Linkspartei, Bülent Ecevit (der viermal türkischer Ministerpräsident war), an die Initiative des Istanbuler Kanals. Und nach einiger Zeit wurde es zu einem der Megaprojekte der Türkei, das Istanbul umgestalten sollte. Dazu gehört auch die dritte Brücke über den Bosporus, ein neuer Flughafen, eine große Moschee im asiatischen Viertel Büyükçekmece und der Plan, den Taksim-Platz zu renovieren.

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