Bundeskanzlerin Angela Merkel warnte in Davos davor, dass Libyen zu einem neuen Syrien avancieren könnte, welches neue „gewaltige Migrantenfluten“ produziert.

Von Redaktion

Die anhaltende Krise in Libyen war offenbar ein zentrales Thema beim Weltwirtschaftsforum in Davos in dieser Woche. Bundeskanzlerin Angela Merkel warnte die Versammlung der Weltwirtschaft und der politischen Führer, dass Libyen das neue Syrien werden könnte. Dies im Anschluss an die Berliner Friedenskonferenz vom vergangenen Wochenende, die keinen versprochenen Waffenstillstand herbeiführen konnte.

Libyen bereitet sich darauf vor, Ground Zero für den nächsten verheerenden Stellvertreterkrieg in der Region zu werden, und es ist sogar in letzter Zeit zu beobachten, dass syrische Dschihadisten selbst über Flüge aus der Türkei hereinkommen. Europa bereitet sich aufgrund der Kämpfe auch auf die nächste potenzielle Flüchtlings- und Migrantenwelle vor. Merkel machte die führenden Politiker der Welt in ihren Kommentaren am Donnerstag darauf aufmerksam und sagte: „Wir müssen wachsam sein.“ Sie warnte: „Und jetzt, wenn wir nach Libyen schauen, müssen wir sehr vorsichtig sein, dass dasselbe dort nicht noch einmal passiert.“

„Wir haben einen ersten Versuch unternommen, und das ist nur ein erster Versuch, eine Lösung für Libyen zu finden, bevor Libyen selbst in diese Falle des Stellvertreterkriegs gerät, wie wir ihn in Syrien gesehen haben“, sagte Merkel. „Lassen Sie uns alle zusammenkommen, wenn diese Länder uns auffordern, den Terrorismus in ihrem Teil der Welt zu bekämpfen, wie wir es mit der Gesamtkoalition in Syrien getan haben“, fügte Merkel vor dem Davoser Publikum hinzu, erwähnte jedoch nicht, dass der Westen selbst einen großen Anteil hatte einen Krieg des Regimewechsels gegen Assad zu orchestrieren. Auch die heutige Lage in Libyen ist der westlichen Intervention zu verdanken, die dem Staatschef Muammar al-Gaddafi das Leben kostete und das nordafrikanische Land ins Chaos stürzte.

Obwohl allgemein anerkannt ist, dass der Krieg in Syrien, der seit 2011 tobte, größtenteils mit dem Sieg der syrischen Armee und Assad endete, brodelt er in Wirklichkeit immer noch an Orten wie Idlib, der von Al-Qaida (HTS) besetzt ist, und dim Norden und Nordosten, wobei die Türkei und amerikanische Truppen syrisch-kurdische Gebiete besetzen.

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Die meisten Schätzungen gehen davon aus, dass in Syrien nach acht Jahren Kampf zwischen 400.000 und fast 600.000 Menschen ums Leben gekommen sind. Und die berüchtigtsten Terrororganisationen der Welt sind in dieser Zeit entstanden – insbesondere der Islamische Staat, der zuvor syrische „Rebellen“ aus dem benachbarten Irak willkommen geheißen hatte. Rund sechs Millionen Syrer flohen im Verlauf des Konflikts aus dem Land. In Libyen beträgt die Zahl der Todesopfer nach Jahren der Kämpfe seit Gaddafis Tod derzeit nicht mehr als Zehntausende.

Merkel verwies auf das Potenzial für eine neue Explosion von Flüchtlingen an Europas Ufern aufgrund der Libyen-Krise. „Wir müssen präventiver handeln und diesen Ländern Gutes tun, um diese enormen Migrantenfluten zu verhindern“, sagte sie.

Es muss daran erinnert werden, dass Deutschland möglicherweise die einzige europäische Großmacht war, die sich weigerte, die von den USA, Frankreich und der NATO angeführte militärische Intervention zu unterstützen, die Gaddafi 2011 gestürzt hat.

Der damalige deutsche Außenminister Guido Westerwelle warnte vor acht Jahren: „Ihr eigener Instinkt lautet: Wir müssen etwas tun.“ Aber eine militärische Intervention besteht darin, an einem Bürgerkrieg teilzunehmen, der noch lange dauern könnte.“ Er hatte sich mit voller Unterstützung Berlins verpflichtet: „Deutschland hat eine starke Freundschaft mit unseren europäischen Partnern. Aber wir werden an keiner militärischen Operation teilnehmen und ich werde keine deutschen Truppen nach Libyen schicken.“

Im Anschluss an das Versprechen enthielt sich Deutschland zusammen mit Russland, China und anderen Staaten der Stimme der Vereinten Nationen, die eine militärische Aktion in Libyen genehmigten und dem Land eine von der NATO geführte Flugverbotszone auferlegten. Das daraus resultierende Chaos des Zusammenbruchs der Regierung Gaddafi (nachdem der langjährige libysche Staatschef außerhalb von Sirte selbst von von den USA unterstützten Dschihadisten gefoltert und hingerichtet worden war) hat zu über acht Jahren Anarchie und erneutem Krieg geführt. Jetzt mit zwei Hauptregierungen und gegnerischen Militärs die um die Kontrolle kämpfen, sowie mehreren rivalisierenden Milizen und Dschihadistengruppen.

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2 thoughts on “Merkel: Libyen wird „neuer Syrien-Stellvertreterkrieg“ mit „gewaltigen Migrantenfluten“”

  1. Was die Welt nicht alles braucht.
    Glauben wenigstens die Politiker. Wenn sich Merkl nun als Warnlampe aufspielt ist das wie wenn sich ein Gartenbock ein Diplom umzuhängt.

    Libyen war vorher der deutschen Beteiligung zum Kriegsangriff auf das Land okay.
    Hat wer ein entschiedenes Veto von Merkl gegen den Überfall aufs Land vernommen?

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