Gewalt, Vergewaltigung & Mord – Arbeitshölle Nahost?

Im Nahen Osten werden Hausmädchen aus armen Ländern immer wieder zu Opfern bestialischer Arbeitgeber. Der jüngste Fall erschüttert die Philippinen.

Von Marco Maier

Vor wenigen Tagen erst wurde die Leiche von Jeanelyn Villavende aus Kuwait zurück an die Philippinen überführt. Die 26-Jährige aus Norala (South Cotabato, Mindanao) hatte erst fünf Monate zuvor ihre Arbeit als Hausmädchen in dem Golf-Emirat begonnen. Die Obduktion ergab, dass sie während ihrer Zeit dort offensichtlich über einen längeren Zeitraum körperlich misshandelt wurde.

Und nicht nur das. Zumindest kurz vor ihrer Ermordung durch ihre Arbeitgeber wurde sie auch vergewaltigt. Dies zeigen laut philippinischen Medienberichten die Obduktionsergebnisse des National Bureau of Investigation (NBI). Das Interessante: die übermittelten Obduktionsergebnisse aus Kuwait beschreiben keine Zeichen für Vergewaltigung und frühere Misshandlungen. Typisch für konservativ-muslimische Länder, in denen die ausländischen Gastarbeiter(innen) faktisch rechtlos sind.

Doch dieser Fall ist kein Einzelfall. Jährlich werden tausende Fälle von Gewalt gegen Gastarbeiter, der sexuelle Missbrauch von Hausangestellten und immer wieder auch Mordfälle bekannt. Unzählige Fälle – gerade von Vergewaltigung – bleiben unregistriert, weil sich die jungen Frauen schämen und nicht wollen, dass dies bekannt wird. Gerade dann, wenn sie selbst aus christlich-konservativen Familien stammen. Und wenn sie infolge von Vergewaltigungen schwanger werden, gibt es umgehend eine Ausweisung, weil die Kinder sonst das Anrecht auf die Staatsbürgerschaft hätten. Das erlaubt kein Nahost-Land.

Ich selbst habe in den vergangenen Jahren mit vielen – ehemaligen und aktiven – Hausmädchen gesprochen, die im Nahen Osten Geld verdienen mussten. Es gibt kaum eine, die nicht entweder selbst schlechte Erfahrungen machte oder zumindest jemanden kennt, die selbst zum Opfer von Missbrauch oder Missbrauchsversuchen wurde. Eine von ihnen hat sogar zwei Töchter als Resultat von Vergewaltigungen in Katar zur Welt gebracht – doch die finanzielle Not zu Hause hat sie dazu gebracht, immer wieder in den Nahen Osten zu gehen um dort zu arbeiten und Geld für die Familie zu verdienen. Aufopferung bis zur Selbstaufgabe.

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All diese Fälle sorgen jedoch auch für Proteste. In Indonesien sorgten die anhaltenden Missbrauchsfälle und die Verurteilung von zwei Arbeiterinnen in Saudi-Arabien sogar dafür, dass 2015 ein Verbot erlassen wurde, Frauen als Hausmädchen in insgesamt 21 Länder (darunter Saudi-Arabien, die Emirate, Oman, Katar und Bahrain) zu vermitteln. Doch der Druck im Inland wächst, da für viele arme Familien die Entsendung eines Mitglieds als Hausmädchen oftmals eine Quelle des finanziellen Überlebens ist. Im Normalfall verdienen diese monatlich rund 400 US-Dollar. Doch dafür wurden aus Jakarta Forderungen in Sachen Arbeitsschutz erhoben: Maximale Arbeitszeiten für Hausmädchen und ein Leben außerhalb des Hauses ihres Arbeitgebers.

Auch wenn es im Grunde genommen eine „Win-Win-Situation“ für beide Seiten ist, zumal die Golfstaaten so an benötigte Arbeitskräfte kommen und die Überweisungen der Auslandsarbeiter die Wirtschaft von Ländern wie den Philippinen, Indonesien, Bangladesh, Indien oder Nepal unterstützen, so mangelt es doch an ausreichenden Rechten und elementarem Schutz für die Gastarbeiter. Gerade für die Hausmädchen, die faktisch von der Gnade ihrer Arbeitgeber abhängig sind.

Sollte sich dies nicht ändern, wäre es wohl an der Zeit, dass die Haupt-Entsendeländer von Hausmädchen kollektiv einen Entsendebann aussprechen und die Umsetzung von Schutzrechten einfordern. Man kann solche grausamen Vorfälle, wie jenem von Jeanelyn Villavende, damit zwar auch nicht völlig verhindern, aber zumindest für mehr Sicherheit sorgen. Doch wird es so weit kommen?

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