Ein neuer Nahostkrieg wäre für die Region und für die ganze Welt verheerend. Es ist Zeit für eine Friedensinitiative unter russischer und chinesischer Führung.

Von Marco Maier

Die Ermordung von Generalmajor Qassam Soleimani durch US-Drohnen bringt die Region dem Krieg näher. Teheran wird reagieren müssen, um das Gesicht zu wahren. Doch ein solcher Krieg wäre für den ganzen Nahen Osten verheerend und würde die Region wirtschaftlich um Jahrzehnte zurückwerfen.

Wir haben erst kürzlich beobachten können, wie verwundbar die Ölanlagen Saudi-Arabiens sind. Die Houthis (und wahrscheinlich auch der Iran) haben gezeigt, dass man mit einfachen Mitteln großen Schaden anrichten kann. Man kann davon ausgehen, dass dies mehr oder weniger ein Warnschuss war. Die Botschaft Teherans lautete: „Wir können wenn wir wollen!“ Eine Botschaft, die auch in Riyadh gehört wurde.

Nicht umsonst versucht die Saudi-Führung bereits über Mittelsmänner mit Teheran zu verhandeln. Allen sektiererischen Differenzen zum Trotz wissen die Saudis, dass sie im Falle eines solchen Krieges die großen Verlierer sein werden. Denn im Gegensatz zum Iran kann Saudi-Arabien nicht auf ein starkes eigenes Militär setzen – da nützen selbst die Unmengen an US-Kriegsgerät nicht viel. Nicht zu vergessen, dass die Iraner über ein kriegserprobtes Militär verfügen, während die Saudis aus Angst vor einem Militärputsch stark auf Söldner setzen.

Sollte es zu einem umfangreichen militärischen Konflikt kommen, wären Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar und Kuwait im Visier der iranischen Raketen und Drohnen. Sämtliche Öl- und Gasanlagen würden in Rauch aufgehen. Die iranischen Anlagen wären zwar genauso davon betroffen, doch im Gegensatz zu den arabischen Golfstaaten verfügt der Iran noch über eine vergleichsweise diversifizierte Wirtschaft, die das Land widerstandsfähiger machen.

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Doch ein solcher Krieg würde wohl nicht nur hunderttausende wenn nicht gar Millionen Menschenleben fordern, sondern dazu noch neue riesige Fluchtbewegungen auslösen. Wohin mit all den Millionen Arabern und Iranern? Viele der Nachbarländer haben selbst enorme Probleme und sind kaum in der Lage, ihre eigenen Bevölkerungen ausreichend zu versorgen. Noch dazu würde ein solcher Krieg die Ölpreise in schwindelerregende Höhen treiben und eine neue Wirtschafts- und Finanzkrise auslösen. Kaum vorstellbar, dass die Europäer in einem solchen Fall irgendwelche Grenzen öffnen werden.

Es ist an der Zeit, dass sich die regionalen Hauptakteure (insbesondere Saudi-Arabien und der Iran) unter einer neutralen Vermittlung (z.B. Russland und China) zusammensetzen, ihre sektiererischen Streitigkeiten beiseitelegen und die Kriegstreiber in Washington und Jerusalem ignorieren. Denn sind wir einmal direkt: wer spornt denn diesen Konflikt immer wieder von der Seitenlinie aus an?

Gerade die Saudis sollten sich einmal dessen bewusst werden, dass es den Amerikanern nur darum geht, mehr Waffen zu verkaufen und so die Aktionäre der Rüstungsindustrie – also vor allem die westliche Finanzoligarchie – zu beglücken. Die ganzen Milliarden für das Militär könnten die Araber doch zukunftssicher besser in die wirtschaftliche Diversifizierung stecken und ihre Länder auf die Zeit nach dem Öl vorbereiten. Doch so lange die Hardliner den Ton angeben, wird dies schwierig.

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