Ein Epidemiologe der Harvard University warnt vor einem katastrophalen Viren-Ausbruch der „thermonuklear, pandemisch-Level schlimm“ sein könnte. Die Ansteckungsrate des Coronavirus sei sehr hoch.

Von Marco Maier

Während manche Menschen versuchen, den aktuellen Coronavirus-Ausbruch zu verharmlosen und manche schon deutlich schlimmere Zahlen präsentieren als es die offiziellen Zahlen sagen, gibt es auch einige rationale Stimmen aus der Wissenschaft. Hierbei geht es vor allem darum, auf die potentiellen Gefahren aufmerksam zu machen, die hinter der aktuellen Infektionswelle stecken.

Einer von ihnen ist der Epidemiologe Dr. Eric Feigl-Ding, ein Wissenschaftler für öffentliche Gesundheit an der Harvard University. Erst kürzlich twitterte er, dass er „wirklich tief besorgt über diesen neuen Ausbruch des Coronavirus“ sei, weil das Virus eine „Aufwärtskurve der Infektionskurve zu haben scheint, die viel steiler ist als die von SARS“.

Bei der Bestimmung des Infektionspotentials eines Virus ist „R0“ („r-naught“) wohl die wichtigste Variable. Dies ist die durchschnittliche Anzahl von Sekundärfällen, die sich aus jeder Neuinfektion in einer völlig anfälligen Population ergeben.

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Natürlich tragen staatliche Eingriffe und wachsamere Hygienemaßnahmen, sobald die Öffentlichkeit von der Bedrohung erfährt, dazu bei, die r-naught-Variable des Virus zu senken. Aber denken Sie daran, nCoV (der Name der WHO für das Virus) verbreitet sich unter den Menschen in Wuhan bereits seit Wochen in aller Stille. Und wie Dr. Feigl-Ding erklärt, deuten frühe Anzeichen darauf hin, dass nCoV ansteckend ist, bevor Symptome auftreten.

Epidemiologische Forscher aus Großbritannien unter der Leitung von Jonathan Read haben bereits geschätzt, dass die Übertragungsrate des Wuhan-Coronavirus bei einem R0-Wert von zwischen 3,6 und 4,0 liegt. Das entspricht in etwa jener von SARS. Alleine in China könnte das Virus demnach hunderttausende Todesfälle verursachen.

Nachfolgend die R0-Werte verschiedener Krankheiten. Der Wert gibt an, wie viele Neuinfektionen ein bereits infizierter Krankheitsträger durchschnittlich verursacht, falls keine Immunität dagegen vorliegt (hier eine Erklärung in englischer Sprache). Je höher der Wert umso ansteckender ist die Krankheit.

Dr. Feigl-Ding hat angesichts dieser Werte bereits eine Warnung ausgesprochen:

„HEILIGE MUTTER GOTTES – das neue Coronavirus ist ein 3.8 !!! Wie schlecht ist dieser reproduktive R0-Wert? Das ist ein thermonuklearen Pandemie-schlechtes Ausmaß – ich habe in meiner gesamten Karriere nie einen tatsächlichen Viralitätskoeffizienten außerhalb von Twitter gesehen. Ich übertreibe nicht.“

Wie Dr. Feigl-Ding weiter erklärt und Reads Ergebnisse als Ausgangspunkt verwendet, könnte die Zahl von 4.000, die von einigen Wissenschaftlern genannt wird, als die wahre Zahl viraler Fälle in Wuhan viel zu niedrig sein. Der Epidemiologe warnt, dass bis Anfang Februar fast eine Viertelmillion Chinesen infiziert sein könnten.

Er warnt (siehe sein Twitter-Account) davor, dass eine globale Epidemie ausbrechen könnte, die mit dem Ausbruch der Spanischen Grippe 1918 vergleichbar wäre. Denn die typische saisonale Grippe hat einen R0 von 1,28, die Grippepandemie von 2009 hatte einen R0 von 1,48 und die Spanische Grippe 1918 einen von 1,80. Das heißt: das Coronavirus ist mehr als „doppelt so ansteckend“ wie die Spanische Grippe…

Selbst wenn der R0-Wert bei nur 2,5 oder 2,8 liegt, ist das deutlich höher als bei den ganzen Grippe-Ausbrüchen. Und er zieht einen Vergleich zu SARS:

So hätten Quarantänemaßnahmen bei SARS den R0 von 2,9 (Bandbreite von 2,0 bis 3,5) auf 0,4 gesenkt, doch SARS sei viel symptomatischer gewesen als dieses Virus. Das heißt: die Symptome brechen offensichtlich erst später aus, während der Träger des Virus bereits ansteckend ist. Das macht das Ganze deutlich schwieriger handzuhaben.

Um es mit Dr. Feigl-Ding zu sagen: „Lasst uns für das Beste hoffen, aber für das Schlimmste vorbereitet sein.“

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One thought on “Coronavirus: Harvard-Epidemiologe warnt vor schlimmerem Ausbruch”

  1. Vorab, jeder Mensch, der durch ein vermeidbares Ereignis stirbt, ist einer zu viel.

    In Deutschland sterben jedes Jahr etwa 40.000 Menschen an Infektionen, die sie sich in deutschen Krankenhäusern zugezogen haben. Seit einigen Jahren versucht zwar das Robert-Koch-Institut mit „kreativer“ Statistik, ähnlich den Meldungen der BA für Arbeit, die Zahlen zu drücken, aber es gelingt nicht so richtig.

    Hinzu kommen ca. 30.000 Menschen die jährlich durch Ärztepfusch in Deutschland sterben.

    Das geht nun schon seit Jahrzehnten so, ist aber kein Aufreger in den Medien.

    Belegt sind wohl 26 Tote durch das Corona-Virus in China. Einige jüngere Meldungen, die sich wieder auf andere Quellen berufen, sprechen nun von 55 Toten.

    Was mich bei allen Meldungen, die mit Hochrechnungen bestückt sind und von „Experten“ kommentiert wurden, die meist recht weit weg sitzen, wundert – ich fand in keiner Meldung eine Angabe zur Inkubationszeit. Gerade bei einer Epidemie oder gar Pandemie, ist dieser Wert von entscheidender Bedeutung.

    Was man als Fakt ansehen kann, die chinesischen Behörden handeln aktiv und sie ergreifen alle Maßnahmen zur örtlichen, territorialen Eingrenzung dieser Erkrankung, zum Beispiel durch die Ausrufung von Quarantäne-Gebieten. Auch habe ich Vertrauen in die Chinesen selbst, wie sie bewusst mit hygienischen Vorsorgemaßnahmen umgehen.
    Was man auch als Fakt ansehen kann, dass die Ausbreitung dieser Corona-Erkrankung mit der jährlichen Häufung von Grippefällen zusammentrifft und es dadurch leicht zu Fehlinterpretationen kommen kann, wie gerade durch deutsche „Spezialisten“ in Niedersachsen – natürlich in einem Krankenhaus.

    Es sollten Vorsorgemaßnahmen getroffen werden, aber tunlichst alle Panik- und damit Angstverbreitungen vermieden werden. Dafür sind die MSM zuständig, dafür sind sie da und dafür werden sie bezahlt.

    Aber selbst die MSM, zumindest die deutschen, treten da schon bedeutend leiser und man muss schon zielgerichtet nach einer diesbezüglichen Meldung suchen, um überhaupt noch fündig zu werden.

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